Hier wär‘ was los…

… wenn alle wüssten, was hier los ist!

Da haben wir doch in der letzten Woche ständig Katastrophenberichte anlässlich eines sogenannten Unwetters hereingereicht bekommen. Unwetter deshalb, weil eine Kaltfront unser Land überquerte und der wochenlangen Hitze ein jähes Ende bereitete.

Leute!

So einen Sommer, wo es gefühlt die ganzen Sommerferien über warm, um nicht zu sagen heiss war, hatten wir doch schon zu meiner Schulzeit. Lange, bevor die Grünen den Klimawandel erfunden hatten. Und wenn dann eine Kaltfront dem Spuk ein Ende bereitete – nun, dann gab’s halt Gewitter mit Starkregen, ohne dass eilends vom Weltuntergang gefaselt wurde.

Was musste ich da live aus Aachen erfahren, wo „unser“ Reporter xy vor Ort berichtete? Es habe geregnet, aber nichts sei passiert und bislang sind auch keine Keller vollgelaufen. Zum Abschluss der Reportage dann aber ein drohendes „und es wird sicher nochmal regnen hier!“

Nach den Nachrichten nochmals ausführlich ein „WDR-Aktuelle-Stunde-Extra“ zum „Wetterumschwung in NRW“.

Wow.

Ich dachte nur: wenn die doch mal solch einen Aufwand treiben würden, dem Volk zu erläutern, wieso seine Sparguthaben dahinschmelzen, wie Butter in der Sonne. Wieso 0.35% Zinsen pro Jahr anlässlich einer Inflationsrate nahe 2% keinen Grund, sich zu freuen, darstellen. Und das geht schon seit Jahren so. Nun auch noch eine Meldung ganz am Rande, nämlich die, dass die Target-2-Salden ziemlich am Anschlag seien, das Ganze aber keinerlei Bedrohung für unsere Volkswirtschaft sei. Ich glaube, diese „Target-2“-Problematik hat niemand verstanden.

Kurz gesagt: der deutsche Steuerzahler – also wir alle  haften am Ende, wenn irgendeines der Südländer, die ihren Target-2-Saldo völlig ausgeschöpft haben, nicht zurückzahlen kann oder will.

So unwahrscheinlich ist das Szenario am Ende dann doch nicht. Bis es so weit war, hat auch niemand geglaubt, dass man die Griechen mit Unsummen vor dem Bankrott bewahren musste.

Aber lieber berichten wir mit allem Pomp aus Aachen, wo es ja geregnet hat, aber leider nicht der bildwirksame, zu Herzen gehende Schaden entstehen wollte, als dass man dem Mann auf der Strasse mal erklärt, was sich da am Horizont zusammenbraut.

Da versagen alle öffentlich-rechtlichen Sender auf ganzer Linie.

Die Frage ist: haben sie ihren Auftrag nicht verstanden, oder haben sie ihn zu gut verstanden? Soll am Ende das Volk von dem abgelenkt werden, was wirklich wichtig ist?

Hier wäre was los, wenn alle wüssten, was hier los ist!

immer feste druff!

Die Kanzlerin schwadroniert davon, dass sie jetzt die Autoindustrie nicht wegen des Dieselskandals schwächen will. Was nichts anderes heisst, als dass die sündigen Autobauer ungestraft und unbelästigt davon kommen sollen.

In die allgemeine Verwunderung mischt sich Entsetzen: das heisst doch nichts weiter, als dass die Verluste vergesellschaftet und die Profite privatisiert werden. Der blöde deutsche Autokäufer bleibt auf den Kosten für die Nachrüstung des grenzwertverletzenden Diesel dann mal sitzen. Bravo!

In dieses Bild passt auch prima, was im Umweltministerium ausgeheckt wird.

Es muss der Anteil von Plastik am Müll verringert werden.

Wie macht man das am Besten?

Na, indem der kleine Mann mal wieder bezahlt. Eine Plastiksteuer muss her.

Da fällt mir nur das berühmte Zitat von Max Liebermann ein: „ick kann jar nich so ville fressen….“

Im Prinzip ist es ja schon überall Mode geworden, dem Verbraucher unter dem Vorwand des Umweltschutzes mehr Geld abzuknöpfen.

In einem Mindener Kaufhaus kosten jetzt Plastiktüten Geld, die es früher umsonst gab, um die erstandenen Artikel nach Hause zu schleppen.

Ein grosses Plakat weist darauf hin, dass man die Umwelt schützen und deshalb unbedingt Geld für die bisher gratis verteilten Plastiktüten verlangen muss.

Aha.

Habe ich doch gewagt, zu fragen, ob ich nicht statt Plastik- eine Papiertüte bekommen könnte.

Grosses Unverständnis. Ja, nee, also Papiertüten habe man gar nicht.

Ich: Und was ist mit Umweltschutz?

Antwort: ja, dafür nehmen wir ja das Geld, das kommt dann der Umwelt zugute.

???

Na gut, der Sage nach sind Papiertüten auch nicht viel umweltfreundlicher herzustellen, als Plastik. Aber dafür verrotten sie wenigstens auf der Deponie rasch oder lassen sich problemlos verbrennen.

Die Situation erinnert mich an Ablasshandel wie zu Tetzel’s Zeiten.

Geld heilt alle Sünden.

Wie mit der CO2-Abgabe, die meinen Flug plötzlich umweltfreundlich macht.

 

Keine Plakette für Osterfeuer

Schon am Karsamstag wurden unter dem Deckmantel eines alten Brauchtums Gartenabfälle und ausgediente Weihnachtsbäume grossflächig verbrannt. Überall im Ländle sah man die grau-braunen Rauchsäulen in den Himmel steigen.

Erschwerend für den Verbrennungsprozess kam noch eine gewisse Feuchtigkeit durch die Niederschläge der vergangenen Tage hinzu.

Dicke Luft also. Und wer zu Asthma neigt, bekommt Probleme.

Was unsere Brauchtumspfleger und -innen allerdings nicht davon abhielt, sich mit alkoholischem Getränk und Grillwürsten in unmittelbarer Nähe zum Feuer aufzuhalten.

Wer nicht rechtzeitig alle Fenster verrammelt hatte, bekam nun gratis und frei Haus das geliefert, was derzeit für heftige (meist unsachliche) Diskussionen sorgt. Eine Feinstaubbelastung, die jeden Grenzwert albern aussehen lässt.

Während so illustre Vereine, wie die DUH, die Deutsche UmweltHilfe, sich vor Klagen gegen Kommunen nicht scheuen, wo an einigen Tagen der ohnehin sehr dubiose minimalistische Grenzwert, den die EU herausgegeben hat, überschritten wird, fackeln wir gemütlich unsere Gartenabfälle ab und führen die ganze Feinstaubdiskussion an zwei bis drei Tagen im Jahr ad absurdum.

Genaue Statistiken, wie gefährlich die geringfügige Überschreitung niedrigster Grenzwerte nun ist, gibt es nicht. Auch die immer wieder in die Diskussion geworfenen Todesfälle durch Feinstaub muss man als reine Spekulation ansehen. Denn eine Kausalkette, wie der überschrittene Grenzwert denn nun wann zum vorzeitigen Tod führt, konnte noch niemand aufstellen. Es gibt Hinweise, Vermutungen und die darauf fussenden Klagen.

Wir selbst richten mal wieder elegant und gekonnt einen ganzen, bislang florierenden Industriezweig hin, ohne auch nur die Spur einer Chance einzuräumen, dass dort Verbesserungen eingeführt werden.

Und machen in einem unnützen Selbstversuch deutlich, dass es ja so schlimm nicht wirklich sein kann, wenn ganze Heerscharen mit Kind und Kegel am Brauchtum Freude haben können.

Trotz „Dicker Luft“. Wahrscheinlich hat niemand bei dieser Gelegenheit auf die Feinstaubbelastung hingewiesen.

Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

Und damit kommen die durch!

Neulich in der Süddeutschen über einen Artikel unter der Überschrift „Wann sich Riester lohnt“ gestolpert.

Darin fand sich der Satz: “ Man muss frühzeitig anfangen, zu sparen, um der Altersarmut zu begegnen.“

Diese Binsenweisheit setzt ein studierter Mitarbeiter der Wirtschaftsredaktion in die Welt. Studiert hat er wirtschaftspolitischen Journalismus. Na, der sollte es doch wissen.

Ich zitiere mal:

„Das Riester-Modell sollte vor allem Geringverdiener vor Armut im Alter zu schützen. Damit das funktioniert, müssen Sparer einiges beachten. “

Krause Rede – krauser Sinn?

Aber schau’n wir mal weiter:

“ […] Insbesondere Geringverdiener sollten ausdauernde Sparer sein. Nach Möglichkeit zahlen sie den gesamten Eigenbeitrag für die volle staatliche Zulage ein. ‚Eine bessere Rendite gibt es nicht. Menschen mit 450-Euro-Jobs können mit einem jährlichen Beitrag von 60 Euro eine Förderung von 154 Euro erhalten‘, sagt Ortmann“

Der zitierte Weise namens Ortmann ist Direktor des Instituts für Transparenz.

Bevor wir jetzt glückliche Alte auf Malle oder Gran Canaria ihr so Erspartes verzehren sehen, bleibt noch die Frage, wie viele hundert Jahre man denn so sparen muss, um die Altersarmut zu vermeiden.

Es geht schliesslich um die ungeheure Summe von 214,- € im Jahr.

Vor allem beim derzeitigen Zins ist das mit der Eigenvorsorge auf diese Weise ja gar nicht so einfach.

Nein, einen Trick, wie man das so angesparte Kapital vervielfacht, hat nicht in dem Artikel gestanden. Da hätte man sicher schon mehr als eine Kombination aus Panama- und Paradise-Papers gebraucht…..

Mein Weltbild, in dem die renommierte Süddeutsche einen festen Platz im Gebäude sachlicher Informationsbeschaffung hatte, ist ziemlich ins Wanken geraten.

Seit wann wird eigentlich nicht mehr nachgerechnet, bevor man solche „Empfehlungen“ veröffentlicht?

Früher hätten die Setzer protestiert, die Drucker die Maschinen angehalten – aber heute, im Zeitalter des online-Journalismus ist solcher Schmarrn fix in die Welt gesetzt.

Aber Leuten, die hier nicht laut aufschreien, kann man sicher auch eine Jamaika-Koalition als Wählerwillen verkaufen.

„Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht….“

 

 

Reisesplitter – 2

Da waren wir also in Bozen/Bolzano.

Und um die Zeit bis zur Rückfahrt unseres Linienbusses nach Steinegg/Collepietra noch ein wenig totzuschlagen, hatten wir nahe des Busbahnhofs einen Friseur ausgemacht.

Die Zeit langte wirklich noch, es war nicht voll bei ihm – und so sind wir hineingestolpert.

Oh. Ein nur italienischsprachiger Friseur.

Aber egal, so viel anders schneidet man in Italien ja auch nicht.

Ja, er habe Zeit, bedeutete er uns mit Gesten.

Ich nahm Platz auf dem Stuhl, der auch in Italien nicht anders aussieht, als bei uns.

„Norrrrmalll“ befahl er mehr, als er fragte.

„Normal, si, grazie“ gab ich zurück.

Flinke Finger machten sich ans Werk. Die Schere schnippelte eifrig, der Kamm kämmte meine Haare immer wieder und immer wieder und stets fand sich noch ’ne Kleinigkeit für die Schere.

Ein etwas mulmiges Gefühl beschlich mich doch. Wie dem Mann jetzt Einhalt gebieten, wenn er zu viel wegschneiden will? Wie „normal“ ist „norrrmalll“?

So sass ich da und befürchtete das Schlimmste.

Da hörte es auf.

Er hielt mir den Spiegel vor – und ich, in meiner Not, jetzt war wirklich genug abgeschnippelt, suchte nach einem Lob. Unüberbietbar sollte es sein und dem Meister auch gleichzeitig mit der Zufriedenheit das Signal geben, aufzuhören.

„Magnifico!“ entfuhr es mir.

Er sah mich mit unverkennbar grimmiger Miene an.

Verflixt. Was war jetzt schiefgegangen? Magnifico – grossartig. So erinnerte ich mich. Warum daher der zornige Gesichtsausdruck? Magenkrank?

Beim Bezahlen sah ich den Meisterbrief, gerahmt und am Ehrenplatz.

Darauf stand: „Ettore Magnifico, Barbiere„.

Ach so. Der kennt sicher schon alle Witze mit seinem Namen.

Nix für ungut, Meister.

Wolle Rose kaufe?

Man kennt sie aus den touristischen Hochburgen. Meist dunkelhäutige Menschen, die mit einem riesigen Bukett unter’m Arm durch die Kneipen ziehen. „Wolle Rose kaufe?“ ist ihr Schlachtruf.

Spätestens der zweite, der beim Essen oder der Unterhaltung stört, wird als lästig empfunden.

Wohl dem Wirt, der sich ihrer unter Verwendung des Hausrechts erwehren kann. Wehe dem, der das muntere Treiben toleriert. Spätestens beim dritten „Wolle…?“ machen wir uns einen geistigen Vermerk, dieses Lokal künftig zu meiden.

Etwas völlig Neues sind jedoch beim Abendessen störende wandernde Handwerksburschen.

Etwa wie im Fischhüs letztens.

Da betreten zwei zünftig gekleidete Wanderburschen das Lokal und erhalten auch tatsächlich vom Wirt die Erlaubnis zu ihrem nun folgenden Auftritt.

Gekleidet wie Zimmergesellen auf der Walz (das sind viele, auch andere Handwerke, da die Zimmermannskluft als einzige industriell gefertigt wird und damit bezahlbar ist), tragen sie jetzt in Reimen vor, dass sie leider nach der langen Reise nach Westerland „abgebrannt“ seien. Hmm, reim dich, oder ich fress dich.

Zur Bekräftigung werden die Wanderstöcke zweimal kräftig auf den Boden gestossen, dann beginnt die „Kollekte“. Einzeln gehen sie zu den Tischen und beginnen den Nahkampf. „Unser“ Ansprechpartner zeigt sich milde gestimmt, als meine Frau erklärt, Geld haben wir nicht übrig, da wir doch auch erst gerade angekommen seien. „Koi Problähm“ schwäbelt er und zieht weiter.

Am Nachbartisch erfährt er unverhofft, man gebe kein Geld, lade aber zum Essen ein. Das lehnt er, jetzt ungewohnt ungnädig, strikt und vehement ab.

Aha.

Ich kenne mich mit der Walz nicht so im Detail aus, glaube aber, dass wandernde Handwerksburschen eigentlich bei einem Meister ihrer Zunft vorsprechen. Der gibt ihnen Arbeit, so er hat, aber zumindest Wegzehrung und notfalls auch ein bisschen Geld. Vom Betteln in Gaststätten weiss ich nix, aber das muss ja nichts heissen.

Im Hui sucht die Bande das Weite.

Da bleibt nur die Frage, ob ich nicht lieber Rosenverkäufer unaufdringlich um mich haben möchte beim Essen…

Reisesplitter – 1

Es war zu einer Zeit, als man noch in die USA reisen konnte, ohne die Schuhe ausziehen zu müssen vor dem Einchecken.

Also lange her.

Traditionell ist es leicht, in den USA zu reisen.

Wir hatten nur das Hotel am Ankunftstag reserviert, da wir nicht fertig vom langen Flug, der Einreiseprozedur und der Übernahme des Mietwagens noch lange herumsuchen wollten. Aber sonst: man fährt soweit, wie man mag, verlässt die Interstate oder den Highway und biegt auf die business-route der jeweiligen Stadt ein. Hier reihen sich Tankstellen, Burgerbuden, Restaurants und Motels aneinander. Sofern nicht gerade eine Messe oder ein Feiertag nationaler Bedeutung ist, hat man die freie Auswahl.

Wir waren auf einer Südstaaten-Rundreise und nach ungefähr 10 Übernachtungen in Motels eher unangenehmen Charakters diese Form der Übernachtung leid. Keine Gardinen vor’m Fenster, das Fenster zum Umgang hinaus, auf dem ständig Leute hin- und herliefen, so dass man gezwungen war, das Rollo zu schliessen, wenn man mal aus der Hose steigen wollte. Und dann war’s halt pottfinster, so dass man am hellichten Tag Licht brennen musste.

Auch das Publikum hier ging uns ein wenig auf den Geist.

Also habe ich die Reservierungs-Hotline einer bekannten und beliebten Hotelkette angerufen, um unsere letzten 10 Übernachtungen festzuklopfen.

Eine freundliche Stimme mit spanischem Akzent meldet sich, sie sei Ramona, wie könne sie mir helfen.

Nun, ich ordere also ein Doppelzimmer in derunder Stadt zu diesem und jenem Datum.

Soweit, so gut.

Jetzt aber will sie meine Daten.

Meine Bonusclub-Karte sei leider noch nicht im System.

Also alles „per Hand“ übermitteln.

Lustig, sogar das Buchstabieren von „Babbenhausener Str. 66a“ auf amerikanisch-englisch klappt sofort. Ich höre sie eifrig auf der Tastatur herumklappern. „Bad Oeynhausen“ ist schon eine leichte Übung im Buchstabieren auf Yankee.

Dann kommen wir zur Postleitzahl. „Your zip-code?“ begehrt sie nun zu wissen. Ich nenne ihn. Ihr entfährt ein jubelndes: „Oh, Sie wohnen in Fort Walton Beach, Florida!“

Nein, tu ich nicht. Bad Oeynhausen, Germany! Ja, das sei aber der zip-code von Fort Walton Beach, Florida!

Ich schlage vor, sie möge – wie international üblich – ein „D“ wie Dschörmany vor die Zahl setzen.

Nein, sie habe nur 5 Stellen, das gehe also nicht.

Es handelt sich, wohlgemerkt, um einen international agierenden Hotelkonzern!

Na gut, dann lassen wir’s halt dabei.

Ihre Frage: ob sie noch etwas für mich tun könne, bejahe ich freudig und will für den übernächsten Tag ein weiteres Hotel in einer anderen Stadt buchen.

Sie (unsicher): Ja, dann brauchen Sie die Reservierung von eben nicht? Dochdochdoch!!! Dies sei jetzt eine weitere Reservierung. Unabhängig von der vorangegangenen.

Und nun wiederholt sich das Spiel. „Oh, Sie wohnen in Fort Walton Beach, Florida!“ jubelt sie wieder bei der Eingabe der Postleitzahl.

Ein Versuch noch, ihr das auszureden, dann gebe ich’s auf.

Und buche – flüssig buchstabierend – noch 8 weitere Übernachtungen.

Natürlich hat sie keine Lust, sich das einmal auf einen Zettel zu notieren, auch als ich ihr das vorschlage, da ich ja noch viele Reservierungen tätigen möchte…

Jedesmal erneut alles buchstabieren. Das übt. Vielleicht hat sie ja auch beide Hände in Gips und tippt mit der Nase, so dass sie gar nichts auf einen Zettel notieren kann?

Egal.

Am Ende der Prozedur – die Stunde ist herum – verblüfft sie mich mit ihrem Scharfsinn. „Are you travelling, Sir?“ ist ihre Frage zum Abschied. Da fällt mir aber jetzt die Kinnlade auf den Schreibtisch. Was hat mich verraten?

 

Im ersten Hotel angekommen, eine Überraschung. Am Empfang eine gelangweilte Schwarze, die Fingernägel feilend hinter dem Tresen lungert. „Schäfer, I have a reservation for tonight..“ wird nach kurzem Tippen (wie kann man mit derart langen Fingernägeln eigentlich nur jeweils eine Taste erwischen?) mit „No!“ beantwortet.

Ich insistiere. Nein, nein und nochmals nein.

Ich frage: gibt’s noch ein MMM-Hotel in dieser Stadt?

Nö.

Ja, dann bin ich hier Gast!

Nö. Kann Sie nicht im System finden.

Ich raus ans Auto, den Zettel mit der Reservierungsnummer holen. Sie tippt erneut bravourös – et voilà, da isse ja, die Reservierung.

Mr. Rainer Rainer aus Fort Walton Beach, Florida.

Hömm.

Später, auf dem Zimmer, rufe ich erneut die Reservierungshotline an.

Schildere einem diesmal ohne Akzent sprechenden Menschen das Problem. Ich sei nicht „Rainer Rainer, Fort Walton Beach, Florida“. Er verspricht Abhilfe, ja, das könne schon mal vorkommen, wenn die Leitung schlecht sei… versucht er, sich höflich herauszureden. Ich misstraue dem Ganzen und korrigiere erstmal nur die nächste Reservierung.

Neuer Tag, neue Stadt, neues Hotel – neues Glück?

„Schäfer, I have a reservation for tonight“ wird mit „yes, Mr, Schafer“ beantwortet. Alles klar, na geht doch!

Und dann kommt: „Ich sehe gerade, Sie teilen sich Ihr Zimmer mit Rainer Rainer aus Fort Walton Beach, Florida“….

Ich kann nur noch geistesgegenwärtig stöhnen: „Rufen Sie mich an, wenn der hier eintrifft?“

Immer diese Radfahrer

Frei nach Heinz Erhard.

Mal wieder muss ich hier über eine unheilvolle Begegnung mit einem Autofahrer berichten.

Abends noch eine kleine Runde durch Vlotho gedreht, immer schön an der Weser lang. Dann geht’s über die Weserbrücke und man landet unvermittelt auf einer Strasse. Nicht viel los hier, rechts Büsche und links ein Parkplatz. Ein Schild weist auf die nahe Polizeiwache hin – die ist aber nicht durchgängig besetzt.

Alles sehr idyllisch.

Da biegt ein Pkw vom Parkplatz aus auf die Strasse ein, fährt stracks auf mich zu und nötigt mich zu einer Vollbremsung.

Idiot! Was soll das? Bin ich nicht zu sehen?

Ich nehme die Verfolgung auf – ist nicht schwer, denn das Auto tuckert nur mit geschätzen 20 – 30 km/h vor mir her.

Durch das Heckfenster kann ich sehen, wie der Fahrer – telefoniert.

Handy am Ohr. Und ganz mit sich und dem Telefonat beschäftigt ist.

Ja was…

Wie oft soll man denen noch geduldig erklären, dass sowas eigentlich gar nicht geht. 60 € und ein Punkt in Flensburg.

Aber nur, wenn das der alleinige Verstoß ist. Kommt noch Gefährdung anderer hinzu, wird’s so richtig teuer.

Eine Freisprecheinrichtung wäre zum Anklemmen an die Sonnenblende schon für ungefähr 30 € zu haben und würde das Bussgeld verhindern, das man zahlen müsste, wäre die Polizei zugegen.

Allerdings löst das nicht das Unaufmerksamkeits-Problem.

Viele Leute sind mit dem Autolenken an sich schon gut ausgelastet. Kommt noch ein Telefonat, eventuell mit hoher Beanspruchung der geistigen Fähigkeiten hinzu, wird’s schon mal chaotisch.

Da hilft auch keine Freisprecheinrichtung.

Meint Tip: wichtige Telefonate nicht mal so nebenbei erledigen, sondern doch kurz anhalten.

Bekommt allen besser!

Wer die Wahl hat

hat die Qual, nach einem deutschen Sprichwort.

Eine Wahl als solche setzt meines Erachtens die vorherige Beschäftigung mit den anstehenden Themen voraus. Wie kann es da sein, dass in Umfragen mehr als 40% erst in letzter Sekunde eine Entscheidung treffen? Bis zum Wahltag unentschlossen sind, wem sie ihre Stimme(n) geben sollen? Hier geht’s doch nicht um ein Dessert, da kann ruhig mal das Bauchgefühl entscheiden. Eine gewisse Qualifikation erwarte ich, wenn ich eine Entscheidung durch eine Wahl treffen lasse. Aber wie überprüft man das?

Bei den Erfindern der Demokratie war’s noch recht übersichtlich: wählen und abstimmen durfte nur das Besitzbürgertum. Und da auch nur die Männer. Unfreie, solche ohne Besitz, die ihre Arbeitskraft vermieten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, Bauern und Handwerker – alle hatten schlicht keine Zeit, auf dem Forum herumzuhängen und mit den anderen dort zu diskutieren und abzustimmen. Bei derart übersichtlicher Klientel konnte man noch davon ausgehen, dass mit (Sach-)Verstand abgestimmt wurde. Die Müssiggänger hatten einfach genug Zeit, um alle Aspekte einer Entscheidung zu besprechen. Aber heute? (Und nix gegen Frauenwahlrecht! Bevor hier Missverständnisse aufkommen).

Für mich setzen die Qualen aber erst nach der Wahl ein.

Die Enttäuschung: alle vier Jahre darf man mal seiner Meinung in Form eines Kreuzchens auf dem Wahlzettel (ja, ich weiss, es sind eigentlich zwei Kreuze) Ausdruck verleihen. Um dann anschliessend wieder zu erleben, wie sich etablierte Parteien die Republik aufteilen. Ja richtig, wo war er denn, der parteilose Kandidat aus meinem Wahlkreis? Niemandem sonst verpflichtet, als seinem Gewissen – und dem Auftrag seiner Wähler?

Wo doch schon im Grundgesetz steht „Artikel 21
(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“

Einen „Fraktionszwang“ kennt das Grundgesetz nicht – wohl aber die politische Wirklichkeit.

Für mein Erleben wirken sie nicht mit, sondern bestimmen. Und ohne Parteizugehörigkeit und Liste kommt niemand nach Berlin. Oder Düsseldorf. Oder zumindest fast niemand.

Und dann noch eins: nach den Wahlen geht der Koalitionspoker los. Das läuft dann im Extremfall letztendlich auf die Verkehrung des Wählerwillens hinaus. Kann man nicht mal irgendwo festschreiben, dass ein Jahr nach den Wahlen nur Koalitionen gebildet werden dürfen, die vor der Wahl dem potentiellen Wähler als möglich oder angestrebt bekannt gemacht wurden? Sonst wähle ich gelb, bekomme aber am Ende gelb/rot/grün. Was ich eigentlich überhaupt nicht haben wollte, war irgendeine Kombination mit rot. Aber nach der Wahl endet mein Einfluss und die Herrschaften machen, was sie wollen – oder zumindest ihrem Machterhalt dient.

Dann wäre da noch der Umgang mit dem politischen Gegner. Hat so gar nix Sportliches. Entweder man schwimmt im Strom mit, oder man kommt in die rechte Ecke, wird mit brauner Sauce übergossen und hat fertig. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Ideen oder gar dem Parteiprogramm gewisser Parteien findet nicht statt.

Dafür gibt es nahezu keine Satiresendung (oder solche, die sich dafür halten) ohne mindestens einen personalisierten Angriff auf Schrulligkeiten der/des Vorsitzenden einer solchen Partei.

Gab’s das bei den Piraten seinerzeit auch, oder waren die schlicht und ergreifend nicht (an)greifbar?

So geht also Demokratie? Ach watt!

Ich glaube, die skandalös niedrige Wahlbeteiligung (heutzutage jubeln sie ja schon, wenn 60% und mehr erreicht werden) würde sich bessern, wenn die Wähler nicht von vornherein das Gefühl haben müssten, es sei ja egal, was sie ankreuzen, „die da oben“ machen es sich hinterher sowieso wieder passend….

Klimawandel – ein Märchen?

Wie ich auf wetteronline.de zufällig lese, sei die Methangaskonzentration in der Atmosphäre nicht durch höheren Ausstoss (Landwirtschaft, Verbrennung fossiler Materialien) angestiegen, sondern durch verminderten Abbau.

Das ist ja mal ein Schlag ins Kontor der Klimawandel-gleich-menschenverursacht-Fraktion.

Und ein weiterer Baustein in der Argumentation: wir wissen einfach nicht genug, um überhaupt von einem Klimawandel zu sprechen.

Das setzt nämlich zwei Dinge voraus:

a) das derzeitige Klima ist das bestmögliche

und

b) wir haben genügend belastbare, exakte Messwerte aus vergangenen Jahren, um überhaupt einen „Wandel“ feststellen zu können.

Nein, ich rede nicht einer hemmungslosen Umweltbelastung das Wort.

Aber ich rate dazu, mehr zu forschen und mehr zu rechnen, bevor man mir unvermittelt die bislang stabile Energieversorgung durch irgendwelche Energiewende-Mätzchen zerstört.