Ein paar Gedanken zur „Coronakrise“

Also, der Sage nach ist eine Corona-Infektion nur für besondere Risikogruppen gefährlich. Alte, mit mehrfachen Vorerkrankungen geschlagene, haben häufig einen schweren Verlauf mit einer beidseitigen Lungenentzündung. Und wenn sie erst mal beatmungspflichtig werden, ist sehr häufig die Endrunde eingeläutet.

So etwas erleben wir aber jährlich im Rahmen der weltumspannenden Grippeepidemien. Und alle wirken dabei dann sehr unbeeindruckt.

Nicht so bei Corona.

Hier fahren wir sehenden Auges die komplette Wirtschaft im Rahmen eines allumfassenden Lockdown an die Wand.

Und ich habe mich gefragt, was wissen wir nicht, um das zu verstehen?

Nun, so langsam ruckeln sich die Mosaiksteine zurecht und es ergibt sich ein Bild.

Beginnen wir mal damit, zu überlegen, wie müsste eine ideale biologische Waffe konstruiert sein?

  1. müsste diese Waffe infektiös sein wie Windpocken.
  2. müsste sie, um sich weit zu verbreiten, eine lange Latenz zwischen Infektion und dem Auftreten von Symptomen haben, dabei aber den Träger in der symptomfreien Zeit zur Verbreitung benutzen. Der steckt andere an, ohne durch eigene Symptome alarmiert zu werden.
  3. müsste sie eine in hohem Mass tödliche Erkrankung auslösen.
  4. müsste sie, nachdem sie ihren Zweck erfüllt hat, wieder von selbst verschwinden oder unschädlich werden. Denn es wäre nicht von Vorteil, wenn das besiegte Territorium auf Jahre oder Jahrzehnte nur im Vollschutzanzug betreten werden könnte.

Das Corona-Virus erfüllt (gottseidank) diese Bedingungen nur teilweise. Hochinfektiös? Na, die vielgescholtene Heinsberg-Studie hat ans Licht gebracht, dass selbst wenn man mit einem Infizierten in häuslicher Gemeinschaft lebt, das Infektionsrisiko so immens hoch nicht ist. Obwohl andere sagen, es reiche, wenn man seinen Tischnachbarn um das Salz bitte und der höflich antwortet. Verlässliche Daten werden – völlig unverständlich – nicht erhoben. Man kann nicht die ganze Republik testen, schon klar. Aber wenn man Herrn Streeck nicht glauben und ihn kritisieren will, dann sollte man über eigene Untersuchungen an repräsentativen Stichproben verfügen. Oder zumindest jetzt mal damit anfangen, eigene Daten zu erheben!

Die lange Latenz bis zum Auftreten von Symptomen – check. Und tödlich? Ist die Infektion auch nicht, vorausgesetzt man gehört nicht zu den Risikogruppen oder wird immer wieder mit einer hohen Viruslast kontaminiert, wie beispielsweise die Mitarbeiter im Krankenhaus. Da sterben dann auch mal jüngere Semester unter Ärzten und Pflegepersonal. Mangels geeigneter Schutzausrüstung!

Also unterstellen wir den Chinesen erst mal nix Böses. Auch wenn das Narrativ vom Nassmarkt in Wuhan etwas zu schnell verbreitet wurde und zu gefällig daherkommt, um glaubhaft zu sein. Bei einer mit einer gewissen Latenz auftretenden Epidemie dann schnellstens den Ursprungsort ausmachen zu wollen, ist zumindest ambitioniert.

Die Hinweise auf ein Viruslabor in der Nähe der Stadt Wuhan kamen schon früh – und wurden heftigst dementiert. Inzwischen beklagen aber Fachleute den niedrigen Sicherheitsstandard im wohl doch dort existierenden Labor. Da tröstet noch so heftiges Dementi aus China erst mal gar nicht.

Nun ja. Als dann Wuhan komplett abgeriegelt wurde, kam schon ein wenig Angst auf. Was wussten die Chinesen, dass sie so brutal und konsequent reagierten? Dann machten Bilder von hundert kreiselnden Baggern die Runde, die ein Seuchenkrankenhaus in Wuhan errichten halfen. Auch nicht gerade beruhigend. Seuchenkrankenhaus? Was wissen die Chinesen, das sie uns nicht erzählen?

Was dabei leider erst später herauskam, war die Tatsache, dass ganz Wuhan abgeriegelt wurde – bis auf den Flughafen. Dort war business as usual angesagt. Das aber ist zumindet eine tödliche Dummheit, wenn man mal keine bösen Absichten unterstellen mag.

Dann begann das Virus, sich weltweit auszubreiten. Bestürzend, mit welcher Gelassenheit die WHO reagierte und abwiegelte. Unsere Politiker nicht minder. Inzwischen besteht der Verdacht, dass China die WHO belogen haben könnte.

Den weiteren Verlauf kennen wir ja – wobei mir noch nicht klar ist, wieso die Leute in den Südländern, vor allem Italien, dahinstarben wie die Fliegen. Genetische Unterschiede? Corona doch keine neue Grippe? Ein kaputtgespartes Gesundheitswesen? Falsche Therapie, gar ein falsches Beatmungsregime? Oder alles zusammen? Oder ist bei denen das Virus im Laufe der Zeit von einer aggressiven in eine harmlosere Variante mutiert, das heisst, wir haben hier nicht dasselbe Virus wie die Italiener? Dagegen spräche der Zeitverlauf der Infektionswelle in Europa.

Weiter ist mir nicht klar, ob „infiziert“ gleich „krank“ bedeutet. In den offiziellen Verlautbarungen wird da kein Unterschied gemacht. Und die „Heinsberg-Studie“ macht da schon Hoffnung, dass nicht jeder, der positiv getetstet wird, auch Symptome entwickelt. Wobei: getestet. Nicht ganz sauber kommuniziert wird der Unterschied zwischen den verschiedenen Tests. Wobei auch nicht klar wird, ob der Nasen-Rachen-Abstrich dann positiv auf Covid-2 ist oder ob er auf alle Corona-Viren positiv reagiert. Mangels geeigneten Zahlenmaterials wegen unterlassener Tests kann man getrost von einer hohen Dunkelziffer an Infizierten hierzulande ausgehen.

Inzwischen schauen alle in banger Erwartung auf Schweden. Dort hat man – eigentlich nichts gemacht. Ausser an die Vernunft der Bürger zu appellieren – eine für Deutschland völlig undenkbare Idee. Man weiss hier schliesslich, wie weit her es mit dem „mündigen Bürger“ ist.

Es ist aber in Schweden nicht zu der befürchteten Explosion von Erkrankungs- und Todeszahlen gekommen, obwohl wir insgeheim ja noch auf diesen Effekt warten. Jetzt äussert sich sogar die WHO lobend über das „schwedische Modell“. Irritierend. Haben wir etwa unsere Wirtschaft völlig umsonst vor die Wand gefahren? Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, blickt man nach Schweden. Oder hört, die Infektionszahlen seien hierzulande schon vor dem Lockdown rückläufig gewesen.

In treu deutscher Tradition werden alle, die an den von den Landes- und der Bundesregierung ergriffenen Massnahmen etwas auszusetzen haben, mundtot gemacht, statt die sachliche Diskussion aufzunehmen. Egal, ob ein Herr Wodarg, Herr Streeck, völlig egal ob der gemeine Bürger Fragen hat – wer nicht mitschwimmt ist im nu in der rechten Ecke. Aber ganz rechts, dort, wo Aluhut und Verschwörungstheoretiker eine innige Verbindung eingehen. Schade.

Dabei darf man ruhig Zweifel haben, ob ein Infektionsschutzgesetz per Verwaltungsakt im Grundgesetz festgeschriebene Rechte der Menschen ausser Kraft setzen kann. Für beliebig lange Zeit. Und ohne jede Kontrolle durch das Parlament! Denn die Regierung stellt den „überregional bedeutsamen Epidemiefall“ fest – und erklärt ihn (hoffentlich) auch wieder höchstselbst für beendet.

Das gab es selbst bei der alten Weltmacht Rom nicht. Zwar konnte der Senat im Krisenfall mit dem berühmten „videant consules…“ den beiden Konsuln quasi diktatorische Macht übertragen. Aber aus gutem Grund nur beiden gemeinsam. Und der Senat beschloss auch, wann das Spiel zu enden hatte.

Ich kann mir durchaus Situationen vorstellen, wo eine Regierung blitzschnell sehr weitreichende Massnahmen in Kraft setzen muss, um ungeheuren Schaden vom Volk abzuwenden. Bon. Aber danach ist doch sicher Zeit, die getroffenen Blitzmassnahmen dem Parlament zu erläutern und sich von dort die Bestätigung der Rechtmässigkeit abzuholen? Warum nicht bei uns zulande?

Diese Frage bedarf dringend der Aufarbeitung.

Genauso wie ein nationaler Katastrophenplan. Da ist jahrzehntelang geschlampt worden und das rächt sich nun.

Inzwischen hoffen wir auf das Abklingen der Epidemie trotz vorsichtiger Lockerung der Verbote.

Und hoffen wir, dass internationale Konflikte nicht dadurch angefacht werden, dass Geheimdienst“informationen“ geleakt werden, die das Ganze als chinesischen Freilandversuch im Rahmen der Biowaffenentwicklung „aufklären“.

Erinnern wir uns lieber an den alten Spruch:

Nichts ist, wie es aussieht und nichts sieht aus, wie es ist.

Corona – das Fragezeichen droht zum Ausrufezeichen zu mutieren

Während Herrn Lindner auffällt, die Kanzlerin rede zu ihren Untertanen wie mit Kindern, legt Herr Steinmeier, der Bundespräsidentendarsteller mit salbungsvollen – aber nichtssagenden Worten – in seiner verfrühten Osteransprache nach. So viele Allgemeinplätze und Binsenweisheiten aus dem Mund unseres Staatsoberhauptes…

Unsere Kanzlerin gibt in einem Interview zum Besten, China und die USA könnten leider kein Beispiel für uns darstellen. Die einen hätten zu streng reagiert, und die anderen, geschart um ihren unsäglichen Führer Trump, zu verharmlosend und langsam.

Ja. Und das aus dem Munde einer Regierungschefin, die beides auf dem Kerbholz hat, nur in umgekehrter Reihenfolge…

Und was machen die Ärzte derweilen?

Was Ärzte immer tun. Sie streiten sich.

Da sind die Virologen. Einer, Professor Streeck, hat die Einwohner einer Gemeinde im Kreis Heinsberg komplett untersucht und zieht daraus seine Schlussfolgerungen. Alles halb so wild, könnte man stark vereinfachend als Fazit drunter schreiben.

Sofort regt sich heftiger Widerspruch von namhaften, aber bisher glücklosen Beratern unserer Regierung. Der, der erst das Tragen von Masken für sinnlos, dann nach einer Weile des Nachdenkens für doch nicht so sinnlos erklärt hat, widerspricht vehement den Schlussfolgerungen seines Kollegen.

Nun, genau so funktioniert Wissenschaft. Einer findet etwas heraus (oder glaubt etwas herausgefunden zu haben) und veröffentlicht die Studie, andere lesen sie und finden ein Haar in der Suppe und widersprechen. Am besten noch untermauern sie ihren Widerspruch mit eigenen Studienergebnissen. Das ist wissenschaftlicher Diskurs und nur so funktioniert das auch, allen „99%-der-Wissenschaftler-sind-sich-einig“-Vertretern der Klimadebatte zum Bedenken empfohlen.

Vielleicht hat Herr Streeck aber doch (ein wenig) recht?

Ein Hamburger Pathologe gibt zu bedenken, die von ihm obduzierten sogenannten „Corona-Toten“ seien sehr schwer und lebensbedrohlich vorerkrankt gewesen. Keiner sei von Corona aus der Blüte seines Lebens in gesundem Zustand getötet worden.

Derweilen streiten Intensivmediziner heftig. Einige Pneumologen erklären, dass Intubation und Beatmung bei dieser Form der Lungenentzündung nicht sinnvoll sei, im Gegenteil. Daraufhin nehmen die Anästhesisten und Internisten unter den Intensivmedizinern den „Fehdehandschuh“ auf. Heftiger Streit um die angemessene Behandlung. Obwohl ich ja von Hause aus Anästhesist war, möchte ich doch den Argumenten des Pneumologen folgen: wenn keine Ventilationsstörung vorliegt, ist Intubation und Beatmung nur von nachrangigem Wert, denn die vorliegende Perfusionsstörung kann man damit nicht heilen. Beatmung muss nicht immer gut sein, schliesslich spricht für die Pneumologen-Sicht, dass man COVID-Patienten alsbald in Bauchlage bringen muss, um eine angemessene Oxygenierung zu erreichen. Bauchlage beim Sedierten, Intubierten und Beatmeten ist sehr aufwändig und leider nicht ohne Risiko. Einig sind sich dann aber doch alle, dass diejenigen, die intubiert und beatmet werden müssen, das schlechteste Outcome haben…

Und derweil diskutiert man immer noch die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Der Träger schütze sich leider nicht selbst – dafür fehlt es an geeigneten Masken – aber doch die anderen. Nun, wenn ich wieder ungehindert in der Öffentlichkeit umherlaufen kann, die Geschäfte wieder öffnen dürfen und unsere darniederliegende Wirtschaft vorsichtig wieder auf Touren kommt – dafür würde ich auch Maske tragen. Aber leider fehlt es ja an geeigneten Masken. Von Schutzausrüstungen im Gesundheitswesen mal ganz zu schweigen. Dafür jede Menge Anleitungen, wie man ohne viel Kunstgriffe selbst aus alten T-Shirts Masken fertigen kann. Erinnert so ein bisschen an die Aktion, den Soldaten vor Moskau vom Volk eine Winterausrüstung improvisieren zu lassen. Rührend. Ich will jetzt nicht fragen, warum unser Ausseniminister mehrfach Tonnen von Schutzausrüstung ins Ausland verschenkt habe, wie erzählt wird. Nein, will ich nicht.

Auch die Frage bleibe offen, wieso in erster Instanz Herr Spahn unser Gesundheitswesen als gut ausgerüstet und vorbereitet dargestellt hat, um dann eine Woche später zu erzählen, das Gesundheitswesen nutze die Ruhe vor dem Sturm, um sich vorzubereiten.

Und sonst?

Im Land alles wie immer. Kaum eine der Massnahmen erscheint so richtig bis zu Ende gedacht. Beim Lidl dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Leuten rein, wegen des Abstands, hört man. Dass die, die nicht rein dürfen draussen dicht gedrängt in der Schlange warten müssen… who cares. Ist ja draussen.

Meine bevorzugte Autowaschstrasse hat auch auf COVID mit strengen Regeln reagiert. Es gibt jetzt nur noch zwei Waschprogramme, barfuss oder Lackschuh. Und auf Kartenzahlung möge man jetzt verzichten. Genauso wie auf das Aussaugen des Fahrzeuges im Anschluss an die Wäsche. Aber Waschen geht noch…

Der Bäcker akzeptiert jetzt auch für 2 Brötchen klaglos die unbare Zahlweise. Sogar Apple-Pay geht. Komisch, vor ein paar Wochen noch wäre ich beim Versuch, meine 2 Teile mit der Karte zu zahlen, unter bösem Gemaule des Platzes verwiesen worden. Dabei war beim Bäcker schon immer Hygiene Trumpf: die Verkäuferin trug stets Plastikhandschuhe. Und fasste damit wahllos entweder die Ware, das Geld an oder sich selbst ins Gesicht oder die Haare. Auf meine Frage, was dann die Handschuhe zu bedeuten hätten, kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort: das ist wegen die Hygiene (sic!).

Dass Fussballstadien geschlossen sind, alle Veranstaltungen mit massenhaft Publikum jetzt eben nicht stattfinden können – wer würde daran zweifeln, dass so etwas Sinn macht. Anders schaut’s auf Tennis- und Golfplätzen aus. Spieltechnisch bedingt wäre da schon ein gewisser Mindestabstand – aber dem gemeinen Volk traut man sicher nicht zu, zu differenzieren. Also wird erstmal wahl- und ausnahmslos alles dicht gemacht, wo mehr als zwei Menschen aufeinander treffen könnten.

Und wo bitte ist die Rechtsgrundlage, Besitzer von Zweitwohnsitzen aus diesem auszuweisen? Oder Reisende nach Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein grundsätzlich die Weiterfahrt zu verwehren, wenn sie nicht ausreichend den wichtigen Grund für ihre Fahrt über die Landesgrenze darlegen können?

In den vorsichtig aufkeimenden Optimismus, die strenge Isolation könnte alsbald ein wenig zurückgefahren werden, platzt Frau von der Leyen mit ihrer Mahnung, einen Sommerurlaub solle man derzeit lieber nicht buchen.

 

Corona – ein riesiges Fragezeichen

Derzeit ja das zentrale Thema in allen Medien.

Wer bislang Corona für eine mexikanische Biermarke gehalten hat, kriegt jetzt auf allen Kanälen erst mal ordentlich Angst eingejagt.

Eine neue Pest, die neuen Pocken, eine Pandemie, die es rechtfertigt, unsere Wirtschaft vor die Wand zu fahren?

Also, den Widerspruch möchte ich bitte erklärt bekommen: jedes Jahr zieht die Influenza durch die Welt und tötet allein in unserem Land Alte, Kranke und Vorbelastete zu Tausenden. Ist das irgendeine Erwähnung in den Medien wert? Welche Massnahmen treffen wir, um dieser Erkrankung Einhalt zu gebieten?

Also, wo bitte ist der Unterschied zu Corona?

Und wieso drehen jetzt plötzlich alle am Rad?

Warum darf erst noch in Ruhe Karneval / Bierfest / Après-Ski gefeiert werden, bevor die Behörden dann – etwas zäh – in die Gänge kommen?

Die ganzen Berichte über „Corona-Parties“ zeigen doch nur eins: das Problem mit Corona hat so richtig niemand verstanden. Schulfrei – o.k., aber dann nix wie ab auf die Party.

Und dann immer wieder gebetsmühlenartig die vollmundigen Versprechungen, unser Gesundheitswesen sei gut aufgestellt. Mit einem Gesundheitswesen, dessen Infrastruktur infolge des DRG-basierten Finanzierungssystems der Krankenhäuser auf Kante genäht ist, das Reservekapazitäten abgebaut hat, in dem es nicht genügend Schutzausrüstungen gibt, nicht genug Teströhrchen, um sinnvollerweise alle zu testen und die Infizierten unter Quarantäne zu stellen, ist nicht gut Staat machen. Als Gesundheitsminister würde ich jetzt versuchen, klammheimlich unter dem Teppich zu entkommen und dann aus dem Exil meinen Rücktritt erklären.

In dieses Glaubensbekenntnis von „gut vorbereitet“ fällt jetzt die Meldung, man habe aufgrund mangelnder Testkapazitäten die Definition von Coronakranken geändert: nicht mehr die positiv getesteten werden gezählt, sondern auch diejenigen, die Symptome zeigen und Kontakt zu positiv Getesteten hatten, gelten plötzlich als Coronapatienten. Und das, wo die Symptome so unspezifisch sind. Da zählen wir jetzt also banale grippale Infekte mit? Die echten Infizierten sind wohl nicht genug, um damit die Panik aufrechtzuerhalten? Bislang haben wir mangels Tests eine hohe Dunkelziffer, jetzt übertreiben wir die Zahlen der Infektions-Verdächtigen masslos.

Warum erfährt man nicht, dass in Japan ein wirksames Virustatikum im Handel ist? Warum beschaffen wir das nicht im grossen Stil?

Das alles hinterlässt bei mir nur ein einziges riesiges Fragezeichen!

Organspende

Der WDR drückt mal wieder auf die Tränendrüse.

Anlass ist, dass der Bundestag das geplante Vorhaben, ein jeder sei Organspender, der dem nicht widerspricht, nicht beschlossen hat.

Und nun ziehen sie alle Register. Da wird immer wieder mit einem jungen Ingenieur telefoniert, der seit Jahren auf eine Nierenspende wartet. Natürlich findet er das schlimm, denn die Widerspruchslösung hätte mindestens eine Verdoppelung der zur Verfügung stehenden Organe bedeutet. Und damit auch seine Chancen auf ein Organ erhöht. Leider nix geworden, der Bundestag möchte auch weiterhin, dass man sich aktiv für eine Organspende entscheiden und einen entsprechenden Organspenderausweis bei sich tragen muss. Oder die Ärzte müssten notfalls die Angehörigen fragen – sicher keine leichte Aufgabe, wenn man den Hinterbleibenden angesichts des Hirntodes ihres Angehörigen eine Frage wie „dürfen wir…“ stellen muss.

Allerdings: Nirgendwo werden so viele Halbwahrheiten verbreitet, wie beim Thema Organspende.

1. Es kommt nur als Spender in Frage, wer einen sogenannten „Hirntod“ erleidet, bei vorhandenem Kreislauf und gut durchbluteten, unbeschädigten  Organen. Da fallen die Opfer vieler Verkehrsunfälle schon aus.

Einleuchtend: „Ich brauche doch meine Organe nicht mehr, wenn mein Bewusstsein irreparabel erloschen ist und ich somit als Person nicht mehr existiere – da kann man doch anderen Menschen im eigenen Tod noch helfen“.

Aber schon das Thema „Hirntoddiagnostik“ ist kompliziert. Diese besteht aus einer Kombination mehrerer Tests, die aber nur von darin geschulten und geübten Ärzten einigermassen sicher ausgewertet werden können. Und auch das nicht mit 100%iger Sicherheit. Die aber hätte ich schon gern, bevor man mich ausweidet!

Ich habe eine einzige Narkose bei einer Organexplantation durchgeführt. Experten hatten den Hirntod festgestellt, und in meinem Dienst spätabends wurde explantiert. Mich hat sehr irritiert, dass das Opfer tatsächlich eine Narkose gebraucht hat – seine Hirnstammreaktionen waren noch vorhanden und hätten sonst zu Blutdruckkrisen und Organschäden geführt. Aber das schliesst natürlich den Hirntod und das Erlöschen der Person nicht aus. Allerdings: für mich eine Narkose, wie sonst auch. Der Unterschied wurde dann, als die „Operation“ beendet war sichtbar. Statt die Narkose auszuleiten und den Patienten wach werden zu sehen, musste ich nur noch die Maschine ausschalten. Kein Ausleiten der Narkose, kein Aufwachen des Patienten. Der war nun definitiv tot. Ich habe danach die ganze Nacht nicht schlafen können. Das Gefühl, ich habe da einen Menschen umgebracht, will nicht verschwinden, davon träume ich auch heute noch gelegentlich.

2. Die Transplantationsempfänger sind mit der Transplantation nicht geheilt. Sondern lebenslang Patienten. Es tun aber alle in den Medien so, als ob man den Leuten ein neues, sorgenfreies Leben schenkt. Endlich frei von Dialyse! Endlich keinen Medikamentencocktail zur Stützung der Herzfunktion zu jeder Mahlzeit!

Aber es gilt, die körpereigene Abwehr zu überlisten, die sonst rigoros fremde Organe zerstören würde. Man nennt das „Abstossungsreaktion“. Um das zu verhindern, wird das Immunsystem des Empfänger mit Medikamenten konsequent lahmgelegt. In regelmässigen Abständen wird – beispielsweise bei Herztransplantierten – durch einen Katheter eine Muskelbiopsie aus dem transplantierten Herzen (natürlich leider auch bei aller Routine nicht ganz risikofrei) entnommen, um die Frage nach einer schleichend verlaufenden Abstossungsreaktion beantworten zu können. Gern wird verschwiegen, dass man nicht straflos das Immunsystem ausser Funktion setzen darf. Der Mensch braucht es, um zum Beispiel entstehenden Krebs zu bekämpfen. Und so wundert es nicht, dass Transplantierte in hohem Mass von Carcinomen befallen werden. Aber abgesehen davon ist bereits ein – für gesunde Menschen – banaler Infekt ein Drama, das einen sofortigen Kontakt mit dem Transplantationszentrum erfordert. Wie weit kann man die Immunsuppression zurückfahren, damit der Infekt überwunden werden kann? Was Andere ambulant auskurieren, bedingt bei Transplantierten häufig einen Aufenthalt im Krankenhaus. Also nicht wirklich ein unbeschwertes Leben.

Natürlich hätte das den ungeheuren Charme, die Zahl möglicher Spender drastisch zu erhöhen, wenn man die Widerspruchslösung beschlossen hätte. Wer macht sich schon in guten Zeiten Gedanken über den eigenen Tod? Ein lesenswerter Artikel zur Organspendediskussion findet sich hier.

Aber es bleibt leider ein mulmiges Gefühl. Nicht nur die diversen Skandale um Wartelistenkosmetik, was, wenn die Hirntoddiagnostik doch nicht so akkurat das Erlöschen der Person feststellen kann? Oder die Prognose zur möglichen Wiederherstellung auf falschen Annahmen beruht?

Die Wissenschaft als solche ist immer im Fluss. Beispielsweise hat man noch vor einiger Zeit Frühgeborene infolge ihres unreifen Gehirns für nicht Schmerz-empfindungsfähig gehalten und ohne Narkose operiert….

Lose Enden

Kürzlich hat sich ein Börsenmagazin des Themas „EDV im Gesundheitswesen“ angenommen.

Und natürlich eine Reihe von Aktien und Fonds empfohlen, die man jetzt kaufen müsse, wenn man an zukünftig gewinnträchtigen Entwicklungen nicht völlig vorbeigehen wolle.

Das sei ein „Wachstumsmarkt“, der zukünftig hohe Renditen erwarten lasse.

Eine der Firmen, deren Aktien eine starke Kaufempfehlung erhielten, stellt ein sogenanntes „KIS“ her, ein KrankenhausInformationsSystem.

Dessen Bedienung ist – das kenne ich aus eigener Anwendung – alles andere als bedienerfreundlich, fehlerverzeihend. Hakelig und langsam halt. Mit zweifacher Abfrage von Benutzername und Passwort, bis man endlich irgend etwas damit anfangen kann. Und hängt sich auf, wenn die Netzwerkverbindung durch hohe Nutzung zu langsam wird.

Administrativ ist das KIS sehr nützlich. Es gibt nahezu keinen Patienten, der abrechnungstechnisch durch die Maschen schlüpft. Fehler bei der Codierung, unvollständige Datensätze, die nicht abgerechnet werden können, fallen sofort auf und werden der Nachbesserung zugeführt.

Aber medizinisch?

Es gibt bestimmt bessere Systeme. Allerdings hat die Zeit bei diesem Börsenmagazin nicht gereicht, um gründlich zu recherchieren.

Lange ist es her, da hat die damals monatlich erscheinende Computerzeitschrift „BYTE“ über die EDV-Infrastruktur des Massachusetts General Hospital in Boston berichtet.

Das war so Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Medizinisch immer schon top, hatte das Mass Gen Ho viel Geld in die Hand genommen und ein KIS installiert, das umfassend und sicher alle Bereiche miteinander vernetzte. Laborwerte? Ein Mausklick. Röntgenbilder? Ein Mausklick. Diese vom Fachmann befunden lassen? Telefonkonferenz, beide Seiten sahen das gleiche Röntgenbild auf dem Schirm und mit der Maus konnte gezeigt und markiert werden.

Ein Traum.

Nie wieder kommt ein Patient erneut zur Aufnahme und die Krankengeschichte samt Unterlagen müssen erst mühsam im finsteren Keller aus dem Archiv gekramt werden. Man rät es schon: ein Mausklick….

Wir schreiben das Jahr 2018.

Wie viel von damals findet sich heute in der Krankenhauswirklichkeit wieder?

Ja, wir haben ein KIS. Ja, wir können Laborwerte aufrufen. Und Röntgenbilder.

Aber: wird der Patient entlassen, werden wichtige Bestandteile der immer noch in Papierform geführten Patientenakte auf Mikrofilm gesichert.

Und die restlichen Unterlagen?

Geschreddert. Datenschutz!

Wichtig sind zum Beispiel NICHT die Narkoseprotokolle. Auch wenn der Patient Besonderheiten in seinem Narkoseverlauf aufwies. Das Original des Narkoseprotokolls findet sich in der Patientenakte – nicht jedoch, wenn man die mikroverfilmten Dokumente aus dem Archiv kommen lässt. Weg ist es. Nicht mit mikroverfilmt. Einzig im Sekretariat der Anästhesie werden die Duplikate aufbewahrt.

Und so wundert es nicht, dass ich eines Tages einen Patienten vor mir hatte, der laut Schreiben der Hautklinik unseres Konzerns eine Allergie gegen ein Muskelrelaxans hatte. Dieses haben wir natürlich NICHT verwendet und alles schien gut.

Jetzt erscheinen die Operateure. „Oh, der schon wieder! Der wird hier jedesmal reanimiert, wenn ihr Narkose macht!“.

Warum? Keiner weiss es. Akte: leere Blätter bezüglich Anamnese und vorherigen Krankenhausaufenthalten. Keine alten Narkoseprotokolle, wo man hätte Informationen über den behaupteten Sachverhalt gewinnen können. Entlassungsbrief? Die Unterlagen sind noch auf dem Postweg….

Ja, auch bei meiner aktuellen Narkose kam es zu einer allergischen Reaktion auf eines der vielen verwendeten Medikamente.

Auch bei meiner Narkose musste er reanimiert werden, wenn auch nur kurz, bis er sich wieder stabilisierte.

Man hätte es wissen und vermeiden können, wenn unsere EDV diese Informationen auch gespeichert hätte. Oder meine Vor-Narkotiseure diese Informationen in geeigneter Form dem Patienten mitgegeben hätten. Es gibt einen sogenannten „Anästhesie-Ausweis“, gelb, stabiler Karton, auf dem mit wenigen Kreuzchen Besonderheiten eingetragen werden können. Aber der kostet Geld. Und wird daher häufig durch einen DiN A 4 Brief ersetzt. Den heftet der Patient bestenfalls in seine Unterlagen. Zuhause. Und davon haben wir nichts.

Und dabei sind wir wieder beim Thema: die Krankenhaus-EDV gibt’s nicht her. Zwar gibt es einen Reiter „Anästhesie-Besonderheiten“ im OP-Protokoll, aber die dort eingetragenen Informationen kommen nicht automatisch wieder auf den Schirm, wenn der Patiente eine erneute Narkose erhalten soll.

Man könnte so etwas natürlich auf der Gesundheitskarte des Patienten vermerken. Aber für die bräuchte es ein Lesegerät, das wir im OP nicht haben. Und auf der Gesundheitskarte wird nichts gespeichert. Datenschutz. Noch immer ist der medizinische Nutzen der Karte gleich Null. Es gibt Dutzende von Absichtserklärungen, die aber nicht in die Tat umgesetzt werden. Datenschutz.

Der Datenschutz hindert mich auch daran, auf Patientendaten anderer Fachabteilungen zuzugreifen. Also internistische Patientendaten sind für mich tabu. Auch, wenn der internistische Patient plötzlich zum chirurgischen wird, weil wir ihn operieren und narkotisieren sollen. Labor und medizinische Daten? Tabu. Erst, wenn er im System verlegt wird, ändert sich das. Bis dahin habe ich aber eine Prämedikationsvisite durchzuführen, bei der ich natürlich auch Laborwerte ansehen muss. Aber nicht kann. Es sei denn, ein freundlicher internistischer Kollege ruft diese Daten für mich auf.

Hey, ich bin Arzt! Ich gucke nicht aus Langeweile in den Laborwerten von Frau Meier herum, wenn ich mit Frau Meier nix zu tun habe. Mein Tag ist auch so schon ausgefüllt genug. Also warum bindet ihr mir einen Arm auf den Rücken und dann soll ich Tischtennis spielen? Mit Augenbinde!

Datenschutz!

Nebenbei bemerkt: es gibt einige verschiedene KIS, die miteinander nicht vernetzt und kompatibel sind. Wenn Krankenhaus A irgend etwas einträgt, steht diese Information in Krankenhaus B nicht zur Verfügung. Sekretariate von Anästhesieabteilungen sind üblicherweise nur rund 38,5 Stunden in der Woche besetzt. Und meist nicht in der Lage, die gewünschten Daten schnell und umfassend zur Verfügung zu stellen, wenn man nicht genau sagen kann, wonach man sucht. Name und Datum der Narkose? Geht, nicht aber Name und ungefährer Zeitraum der gesuchten Narkose. Und schon gar nicht nachts und am Feiertag oder Wochenende.

So begeben wir uns dann halt auf den Blindflug.

Um dem ganzen Unternehmen „Digital Health“ einen Nutzen zu geben, bedarf es grosser Investitionen in die Hard- und Software. Deren Notwendigkeit muss man der administrativen Seite erst vermitteln.

Das wird nicht einfach, denn sogar die meisten medizinisch Verantwortlichen sind leider mit dem Ist-Zustand zufrieden.

Darüber hinaus müssen einheitliche Standards entwickelt werden, damit die gesammelten Informationen auch Sinn machen. Sie müssen nämlich austauschbar sein, unabhängig davon, welcher Hersteller Hard- und Software für ein Krankenhaus geliefert hat.

Die Gesundheitskarte muss endlich die wichtigsten medizinischen Daten des Patienten speichern, nicht nur abrechnungsrelevante.

Und überall von berechtigten Nutzern auslesbar sein.

Da ist die Politik gefordert, endlich mal die vielen losen Enden zu verknüpfen….

Folgt man der Empfehlung, „Digital Health“ Aktien und Fonds zu kaufen, muss man einen sehr langfristigen Anlagehorizont haben. Zumindest hier in Deutschland.

 

Blutige Spielchen

Im allgemeinen Getümmel des abendlichen Fernsehprogramms bin ich gestern zufällig in eine Sendung aus der Rubrik „kritischer Journalismus“ gezappt.

Da wurde doch als völlig neu und bahnbrechend ein Ordinarius aus Frankfurt vorgestellt, der so etwas wie „patient blood management“ erfunden habe. Zumindest ist er ein eifriger Verfechter dieser Methode. Und hat es (leider) in Deutschland schwer.

Nun weiss man ja, dass Blutgabe per se schlecht ist. Es handelt sich immerhin um die Übertragung lebender Zellen, die im Körper dann das Immunsystem beschäftigen, ja ablenken vom eigentlichen Feind. Und insgesamt und überhaupt sterben die transfundierten Patienten früher, als diejenigen, denen kein Fremdblut übertragen wurde.

Schlimmer noch, es werden mit den roten Blutkörperchen auch weisse übertragen, die dann im fremden Organismus auf die Jagd gehen.

Kann so etwas moderne Medizin sein?

Soweit der Beitrag. Dass heutzutage sogenannte „leukozytendepletierte“ Erythrozytenkonzentrate (also solche, aus denen weisse Blutkörperchen entfernt wurden) verwendet werden, wurde mal locker unterschlagen.

Zitiert wurde auch wieder die Studie, die belegt, dass Krebspatienten mit Transfusion deutlich mehr Metastasen haben als solche, die blutsparend operiert wurden und eben keine Transfusion brauchten.

Die Aussage dieser Studie kenne ich schon seit langem. Sie wird aber nicht wahrer, wenn man sie nur oft genug wiederholt. Vielleicht wird ja umgekehrt ein Schuh draus: diejenigen, deren Krebsleiden (einschliesslich bislang noch nicht erkannter Metastasen) weiter fortgeschritten und oder die von invasiver wachsenden Tumoren befallen waren, konnten nicht blutsparend operiert werden und brauchten daher zum Überleben der Operation Blutübertragungen, während die, die keine Transfusion erhielten, weniger invasive Carcinome und weniger bis keine Metastasen aufwiesen.

Mit anderen Worten: Ursache und Wirkung wurden verwechselt. Möglicherweise. Bis zur Klärung braucht’s halt noch mehr Untersuchungen.

Es geht aber noch schlimmer: Es wurde vielleicht eine Aussage getroffen, bei der zwei Faktoren als Ursache und Wirkung ausgegeben werden, bei denen diese Verknüpfung nicht zulässig ist.

Dafür kenne ich ein schönes Beispiel: In Ländern mit Schweinefleischkonsum ist die Rate an Leberzirrhose-Erkrankungen statistisch hochsignifikant höher, als in Ländern ohne Schweinefleischverzehr. Ergo ist Schweinefleisch ursächlich für Leberzirrhosen.

Das ist der Klassiker, an dem Statistiker dann lernen, dass nichts so ist, wie es aussieht.

Erstens: es findet eine unzulässige Verknüpfung von zwei Variablen statt. Nimmt man statt Schweinefleisch Alkohol, dann passt’s genauso (und medizinisch gesehen ist eine Ursache-Wirkungsbeziehung wahrscheinlicher). Zufällig trinken die Schweinefleischverschmäher auch kaum bis gar keinen Alkohol.

Zweitens: die untersuchten Gruppen wurden manipuliert. Damit das Ergebnis so klar ist, muss man Israelis auslassen: die essen kein Schwein, trinken aber Alkohol. Und verwässern dann aufgrund der auch bei ihnen vorkommenden Leberzirrhose die ach so schöne eindeutige Studie.

Aber mal zurück zum Blut.

Immer wieder werden in der Sendung diejenigen, die Blut und Blutprodukte transfundieren, als rückständig und bequem gebrandmarkt. Gegen Ende die Frage, weshalb von den mehr als 2000 Krankenhäusern in Deutschland nur 120 bei der modernen, schonenden, guten Methode mitmachen.

Damit wird dem Zuschauer suggeriert, dass nur eine kleine Zahl Kliniken fortschrittlich und im Sinne des Patienten handelt.

Was bedeutet patient blood management denn nun?

Bei planbaren Eingriffen wird der Patient frühzeitig in die sogenannte PBM-Ambulanz bestellt und dort untersucht. Findet man eine Blutarmut, wird deren Ursache behandelt und so die Ausgangslage für die geplante Operation verbessert.

Löblich. Und auch wünschenswert.

Denn unbestritten ist der negative Effekt, den eine grössere Anzahl von transfundierten Erythrozyten im menschlichen Körper haben können. Nicht zwanghaft haben müssen, aber – je mehr man transfundiert, desto wahrscheinlicher werden die unerwünschten Wirkungen.

Allerdings lässt man der Einfachheit halber mal weg, was mit Notfalleingriffen ist. Bei einem rupturierenden Bauchaortenaneurysma zum Beispiel habe ich schon alles im Spektrum von „Blutbad mit Massivtransfusion“ bis zu „geringem Blutverlust ohne Transfusionsnotwendigkeit“ erlebt. Aber auch elektive Eingriffe können jäh hin zu furchtbarem Blutverlust entarten.

Da nützt natürlich kein noch so ausgeklügeltes PBM.

Und: so neu ist das Ganze auch nicht – schon 1989 haben wir in Bielefeld vor der OP dem Patienten einen Beutel Blut entnommen und durch die gleiche Menge an Volumenersatz wieder ausgeglichen. So konnten wir einen Beutel mit Eigenblut ausserhalb des Körpers parken und zu gegebener Zeit diesem wieder zurückgeben. Das spart eine gewisse Menge an (Fremd)Erythrozytenkonzentrat.

Vom sogenannten „Cell-Saver“ nicht zu reden. Dabei wird verlorenes Blut in einem speziellen Sammelgefäß aufgefangen, mit Heparin-Kochsalz-Lösung ungerinnbar gemacht. Um dann – sofern genug zusammenkommt – in einer Zentrifuge von Gewebetrümmern aus dem OP-Gebiet befreit und dem Patienten wieder zurückgegeben zu werden. Erspart auch Fremdblutgaben. Gibt’s auch schon recht lange, hat auch seine Einschränkungen und unerwünschten Wirkungen.

Kosten waren in dieser Sendung leider überhaupt kein Thema, da schneidet der Cell-Saver eher schlecht ab, wenn man das teure Verbrauchsmaterial rechnet und am Ende vielleicht nur 2 ganze Erythrozytenkonzentrate einsparen kann.

Man könnte eine richtige kleine Vorlesung daraus machen.

Der Fernsehbeitrag erschien mir allerdings wenig geeignet, diese Sachverhalte sachlich zu diskutieren. Inhaltlich verkürzte man auf den Konkurrenzkampf zwischen den Transfusionsfreunden (Transfusionsmediziner, bequemen Anästhesisten und Chirurgen) und die Fraktion der (modernen, patientenfreundlichen) fleissigen Anästhesisten und Operateure, die PBM praktizieren.

In meinen Augen eine unzulässige Parteinahme. Denn noch ist nicht klar, wer (mehr) Recht hat mit seiner Meinung. Am Ende vielleicht wie so oft: beide (ein bisschen)?

Aber wissenschaftliche Diskussion sieht anders aus – und sollte nicht vor (leicht zu beeindruckenden) Laien im Fernsehen erfolgen.

Der K(r)ampf mit der Hygiene

Der Herr Gesundheitsminister hat’s erkannt: mehr Hygiene braucht’s im ganzen Land.

Die Zahl an Infektionen mit nicht oder kaum noch behandelbaren Keimen ist eindeutig zu hoch – und verursacht hohe Kosten und leider auch eine nicht unerhebliche (vermeidbare!) Rate an Todesfällen.

Daher kommen jetzt auf die Beschäftigten im Gesundheitswesen eine Reihe neuer Gesetze und Verordnungen zu.

Damit kann sich dann die Politik wieder beruhigt zurücklehnen.

Ihr Werk ist getan – jetzt sind die anderen dran.

Und dabei ist es mit neuen Gesetzen und Verordnungen leider nicht getan.

Es fehlt an den Basics.

Beispielsweise ist in den Niederlanden ein jeder Patient bei Krankenhausaufnahme erst mal verdächtig und kommt in Quarantäne, bis sich dann herausstellt, dass seine Abstriche negativ sind.

Bei uns ist es leider genau umgekehrt: jeder wird ins Krankenhaus aufgenommen und kommt unbesehen ins Mehrbettzimmer. Da hat er einstweilen ausreichend Gelegenheit, seine Problemkeime weiterzuverbreiten, bis dann der Aufnahme-Abstrich ergibt, dass er einen Problemkeim hat. Dann wird er isoliert. Und behandelt. Nach drei negativen Abstrichen hat er wieder Kontakt zu allen anderen Patienten. Klar, was hier falsch läuft?

Und darüber hinaus wäre für mich interessant, wie denn der Durchseuchungsgrad beim Personal ist. Hier werden seltsamerweise keine regelmässigen Abstriche gemacht. Nicht mal bei der jährlichen Personaluntersuchung. Ist ja klar, warum: ein Mitglied des Personals hätte amtsärztliches Tätigkeitsverbot, wenn man bei ihm Problemkeime feststellen müsste. Bei vollen Bezügen! Bis zur Sanierung. Und vermutlich könnte man bei konsequenter Entnahme von Abstrichen ganze Stationen, ja ganze Kliniken schliessen, da kein Personal mehr übrig bliebe… Also lieber Kopf in den Sand, Augen zu und durch.

Weiterhin gibt es ja in fast allen Kliniken mustergültige Hygieneordnungen. Und zur Durchsetzung dieser (zum Teil sogar nützlichen und hilfreichen) Bestimmungen werden Hygienefachkräfte eingesetzt, die unangemeldet Kontrollen durchführen. Vermutlich haben sie ihre Aufgabe aber noch nicht begriffen, denn die Hauptbetätigung liegt bei „Kontrolle“. Und da wird auch schon mal eine erfahrene und altgediente OP-Schwester tüchtig angepfiffen und mit Abmahnung und Kündigung bedroht, wenn sie es wagt, ihre Halskette auch im OP zu tragen. Die ja dann unter unsteriler Bekleidung und sterilem Kittel völlig verschwindet. Eine ernsthafte Bedrohung geht von ihr jedenfalls genauso wenig aus, wie von Ohrsteckern. Oder Brillen.

Statt solcher Auftritte wäre es besser, die Hygienefachkraft liesse uns Sterbliche an ihrem profunden Wissen teilhaben. Die Betonung ihrer Tätigkeit liegt meines Erachtens bei „Schulung“ und „Beratung„. Mitarbeiter, die stumpf und voller Angst die rigiden Bestimmungen einer am grünen Tisch ausgedachten Hygieneordnung erfüllen, sind nicht zielführend. Es wäre gut, wenn sie verstehen würden, worum es geht – und dann in der Lage wären, die Bestimmungen notfalls an geänderte Bedingungen anzupassen, damit sie sinnvoll werden.

Das ist sicher sehr mühsam.

Aber nötig.

Ich kann immer wieder erleben, dass einfache Sachen nicht richtig durchgeführt werden.

Stichwort „Einmalhandschuhe“. Staunend sehe ich, wie jemand Einmalhandschuhe anzieht (der Patient ist ja mit mehrfach-resistenten Keimen beladen) und dann damit in bunter Reihe den Patienten, Kugelschreiber, Narkosegerät, Medikamentenschublade, Telefon und Narkoseprotokoll anfasst. Gern auch Türgriffe. Und Stethoskop.

Die Handschuhe – einmal angezogen – werden erst am Ende des Falls abgelegt. So werden die Keime des Patienten natürlich überall hin verschleppt – auch dahin, wo normalerweise niemand damit rechnet. Wer ahnt schon, dass die harmlose Patientenakte kontaminiert ist, weil jemand darin mit verschmutzten Einmalhandschuhen nach der Kreuzprobenkarte gesucht hat? Oder weil sie beim Transport des Patienten mit Risikokeimen gemeinsam mit ihm im Bett gelegen hat?

Aber auch unsere Operateure helfen mit. Die Keime verbreiten sich im Nu, wenn man mit blutigen Handschuhen im Anschluss an die OP Verbände macht, beim Aufräumen hilft, Klemmen und Gerätschaften der Anästhesie anfasst. Gern werden auch Kabel aufgerollt und ordentlich weggehängt – mit blutigen Handschuhen. Wer kann garantieren, dass solche Kabel dann gründlich gereinigt werden? Äusserlich erkennbar ist ihre Kontamination ja nicht.

Leider ist der Zusammenhang zwischen Kontamination und späterer Infektion und Infektionserkrankung nicht offenkundig nachvollziehbar – sonst würde ja nicht so viel falsch gemacht.

Warum gehört Hygiene und hygienisches Arbeiten nicht zur Grundausbildung eines jeden, der im Gesundheitswesen tätig ist? Wie Griffekloppen beim Militär, damit’s dann eventuell auch bei Mitarbeitern klappt, die nicht so ganz konzentriert sind?

Es ist natürlich einfacher, den vielen Vorschriften noch weitere hinzuzufügen. Und dann jemanden einzustellen oder zu beauftragen, der die Einhaltung scharf kontrolliert.

Nur die Keime machen sich daraus nix.

Oetzi

Nein, nicht DJ-Oetzi, sondern der Namensgeber, sozusagen „das Original“ ist gemeint.

Wir haben ihm einen Besuch abgestattet. Auf drei Etagen wird dem staunenden Laien ein Einblick in die Zeit, aus der der unbekannte Leichnam zu uns kam, gegeben.

Natürlich haben wir auch das Original besichtigt – gut abgeschirmt, wohltemperiert und unter einer feinen Eisschicht lässt sich der Herr bestaunen.

Was aber am meisten verwundert, hat mit Medizin zu tun.

In dieser Zeit vor ca. 5000 Jahren war ein Menschenleben auch nicht beschwerdefrei. Arthrose der Kniegelenke, das rechte fast ohne Knorpel! Da fiel sicher das Gehen recht schwer. Weiter lesen wir von Parasitenbefall, Peitschenwurm und Flöhe. Auch kein Vergnügen.

Und als wenn das noch nicht genug wäre: beide Carotiden von Arteriosklerose befallen. Ötzi ein Fall für den Gefässchirurgen!

Erstaunlich, denn damals waren mit Sicherheit noch nicht die modernen Zivilisationskrankheiten üblich: Diabetes, Hochdruck, Nikotinabusus, Bewegungsmangel – und Fehlernährung (je nach Glaubensrichtung zuviel tierische Fette oder zuviel Kohlenhydrate).

Dass einer, dessen Leben Bewegung bedeutete, hauptsächlich pflanzliche Ernährung und viel, sehr viel weniger Zucker als uns heutzutage zur Verfügung steht, von Arteriosklerose betroffen war, erschüttert meinen Glauben an die Medizin als Wissenschaft.

Was erzählen die uns eigentlich? Früher sei der Mensch weniger anfällig für solche Erkrankungen gewesen, weil er mehr Bewegung hatte, einfachere Kost ohne viel tierische Fette und natürlich nicht geraucht hat?

Und unter dem Strich kommt heraus: Ötzi (ca. 5000 Jahre alt) hat Arteriosklerose beider Carotiden, wie bei einem heutigen Genussmenschen.

Kann es sein, dass wir in der Lehre die falschen Ursachen serviert bekommen haben?

Was unseren wie den damaligen Patienten mit Arteriosklerose gemein sein könnte, ist der Mangel an Mundhygiene. Ötzi hatte auch keine Zahnbürste dabei, obwohl sonst reichlich Gebrauchsgegenstände um ihn herum drapiert waren. Mangel an Mundhygiene geht mit Zahnverlust durch Entzündungen des Halteapparates einher. Zahnfleischentzündungen, die Bakterien in die Blutbahn einschwemmen können – die wiederum werden angeschuldigt, die Gefässwände zu attackieren, woraufhin der Körper mittels cholesterinhaltiger Plaques diese Defekte zu reparieren versucht – allerdings kommt es häufig zu Kalkeinlagerungen und die Arteriosklerose nimmt ihren Lauf.

Nun, Ötzis Gebiss ist wahrlich keine Pracht gewesen, zu seinen Lebzeiten fehlte schon dieser und jener Zahn. Und das, obwohl er ein wohlhabender Mensch gewesen sein muss, hatte er doch eines der damals ebenso hochmodernen wie teuren Kupferbeile als Waffe bei sich.

Seine sterblichen Überreste lassen allerdings keinen Rückschluss auf den Zustand seines Zahnfleisches mehr zu. So bleibt mehr die Vermutung, als ein Beweis für die Ursache seiner Arterienverkalkung.

Finger weg!

Sollte die ärztliche Schweigepflicht für Angehörige sensibler Berufsgruppen gelockert werden? Die Diskussion über diese Frage gewinnt vor dem Hintergrund der Germanwings-Katastrophe an Fahrt. Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer forderte eine Lockerung der Schweigepflicht für sensible Berufe: „Piloten müssen zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden. Diese Ärzte müssen gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein“, sagte Fischer der „Rheinischen Post“.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) schlug eine Expertenkommission vor, die die Frage klären solle, wie mit ärztlichen Diagnosen bei Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen wie Piloten umzugehen sei. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber der „Bild“-Zeitung, wenn Leib und Leben anderer Menschen gefährdet seien, sei „der Arzt verpflichtet, den Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters zu informieren“. Weiter sagte er: „Dies gilt ganz besonders im Fall psychischer Erkrankungen und einer möglichen Selbstmordgefahr.“

Solches las ich heute im Internet-Auftritt der FAZ.

Und das von Leuten, die es besser wissen müssten.

Die ärztliche Schweigepflicht ist Grundstein des Arzt-Patienten-Verhältnisses.

Und daran darf nicht gerüttelt werden.

§ 203 StGB regelt das: Zur Verschwiegenheit verpflichtet sind unter anderem die Angehörigen folgender Berufe:

    Angehörige heilbehandelnder Berufe, wie Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Zahnärzte, Apotheker oder Angehörige assistierender Heilberufe, deren Ausübung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert – z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger und Mitarbeiter des Rettungsdienstes,
    Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung,
    Rechtsanwälte, Patentanwälte, Verteidiger,
    Steuerberater, Notare, Wirtschaftsprüfer,
    Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberater sowie Berater für Suchtfragen in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle,
    Mitglieder oder Beauftragte einer anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle,
    staatlich anerkannte Sozialarbeiter und Sozialpädagogen,
    Mitarbeiter eines Unternehmens der privaten Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherung oder einer privatärztlichen Verrechnungsstelle,
    Amtsträger hinsichtlich ihnen bekannter Amts- sowie dienstlich bekannt gewordener Privatgeheimnisse
    Personen, die Aufgaben oder Befugnisse nach dem Personalvertretungsrecht wahrnemen,
    der Beauftragte für Datenschutz,
    Gehilfen der o. g. Berufsangehörigen. Zu den schweigepflichtigen Gehilfen eines Angehörigen der vorgenannten Berufsgruppen zählen z. B. in der Medizin alle Mitarbeiter, die dem behandelnden Arzt in irgendeiner Funktion zuarbeiten und dabei Kenntnisse von der betreuten Person erlangen. Der Kreis der unter die Schweigepflicht fallenden Hilfspersonen ist weit gefasst, nämlich „berufsmäßig tätigen Gehilfen“ und „die Personen, die bei ihnen zur Vorbereitung auf den Beruf tätig sind“ (§ 203 Abs. 3 Satz 1 StGB). Dazu gehören z. B. auch Steuerberater und ihre Angestellten und Laborpersonal, soweit sie „eine im unmittelbaren ärztlichen Zusammenhang mit der ärztlichen Behandlung stehende Tätigkeit“ ausüben. Bei Rechtsanwälten gehören dazu die Fachangestellten der Kanzlei, bei Rettungsdiensten alle Mitarbeiter der beteiligten Berufsgruppen.
    Personen, die beim Schweigepflichtigen „zur Vorbereitung auf den Beruf“ tätig sind, also z. B. Auszubildende, Berufspraktikanten im Verlauf eines Hochschulstudiums. [Zitiert nach Wikipedia]

Der § 203 StGB regelt auch, was unter die Schweigepflicht fällt. Und er regelt auch, wann die Schweigepflicht nicht gilt, wann im Gegenteil eine Auskunftsverpflichtung besteht. (Beispiel: Infektionsschutzgesetz, Auskunftspflicht gegenüber Sozialleistungsträgern).

Und er enthält einen Verweis auf § 34 StGB – da gibt es dann eine Rechtfertigung für die Nichteinhaltung der Schweigepflicht bei Interessenkollision mit höherwertigen Rechtsgütern. Wenn also der besagte Fliegerarzt suizidale Tendenzen erkennen würde mit der Konsequenz der Gefährdung für Leib und Leben anderer Personen, müsste er zumindest eine Weile lang über den § 34 StGB nachdenken… und entsprechend handeln.

Wie man sieht – keine Notwendigkeit, dass jetzt eilfertig populistische Politiker am Strafgesetzbuch herumfingern. Nach allem, was diese Regierung bislang fertig gebracht hat (Tarifeinheitsgesetz, Pkw-Maut), kann man davon ausgehen, dass sie es verschlimmern statt verbessern würden.

Nochmal: die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen sind ausreichend!

Und wenn man einen verpflichtenden Besuch beim Flieger-TüV vorschreibt, der seine Erkenntnisse sofort weitermeldet – da kann ich nur vermuten, dass es zu meist erfolgreichen Versuchen der Dissimulation oder gar vorsätzlicher Täuschung kommen würde. Schliesslich ist der „Loss-of-License“ der Super-GAU für jemanden, dessen Zukunft von ebendieser Lizenz abhängt. Und sichere Krankheitszeichen, die eine suizidale Handlung mit Einbeziehung Unbeteiligter – mithin der Tatbestand nach § 34 StGB für die Relativierung der Schweigepflicht – gibt es nicht.

 

Gross im Kommen

Wie in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung heute gemeldet wurde, habe der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, betont, dass hierzulande kaum eine Gefahr einer Ausbreitung des Ebola-Virus bestehe. Man sei auf einzelne oder mehrere Erkrankungsfälle vorbereitet.

Das haben auch die Gesundheitsbehörden in Spanien und den USA geglaubt.

Dort haben sich jedoch mehrere Mitarbeiter der Ebola-Patienten versorgenden Krankenhäuser angesteckt. Entweder aufgrund eigener, wenn auch winziger Hygienefehler oder aus bislang unbekannter Ursache. Eine aerogene Übertragung wurde bislang nicht in Erwägung gezogen, obwohl schon 2012 in Nature ein Artikel erschien, der genau das aber sehr wahrscheinlich erscheinen lässt! Infizierten Schweinen gelang es, im gleichen Raum ohne direkten Kontakt gehaltene Makaken zu infizieren. Alarmierend!!!

Nun, wie effektiv unsere Hygienemassnahmen in einem Einzelfall sind, kann man sehen, wenn vom Frankfurter Flughafen ein Ebola-Patient in die Isolierstation der Uniklinik überführt wird und sich anschliessend alle Verantwortlichen gegenseitig schulterklopfend im Fernsehen versichern, alles habe prima geklappt. Ja, mit einem solchen Patienten. Wie sieht’s denn mit hundert aus?

Oder vielleicht in einem Krankenhaus der Regelversorgung, das auf so etwas gar nicht vorbereitet ist? Einen Eindruck von deren Hygienestandards kann man gewinnen, wenn man die massive Ausbreitung von Antibiotika-resistenten Keimen betrachtet. Da haben wir inzwischen auch eine Epidmie, derer wir nicht Herr werden. Und was ich da so beobachten kann, was an kapitalen Hygienefehlern im Umgang mit solchen infektiösen Patienten tagtäglich begangen wird, da habe ich so meine Zweifel, dass Ebola hierzulande keine Chance hätte.

Nun, zur Beruhigung wird überall verkündet, ein Patient, der keine der typischen Symptome zeige, sei vermutlich auch nicht ansteckend.

Wie beruhigend! „Vermutlich“.

Und was sind die Symptome? Fieber, Erbrechen, Durchfall…. ach wie spezifisch sind doch die! Eine „simple“ Grippe kann das auch. Oder ein Noro-Virus. Der feiert immer wieder fröhliche Epidemien in Krankenhäusern und Altenheimen… trotz aller Versuche, ihm mit mehr Hygiene beizukommen.

Nun, solange wir nichts Genaues über den Übertragungsweg und den Übertragungsmodus wissen, bin ich persönlich überhaupt nicht beruhigt. Es gibt durchaus Erkrankungen, bei denen Übertragung von Viren schon vor dem Auftreten von handfesten Symptomen möglich ist. Die Patienten fühlen sich anfangs nicht so richtig wohl – aber das ist dann auch alles. Niemand wird isoliert, weil er sich „nicht wohl“ fühlt – Fieber und sonstige Symptome treten aber erst später auf.

Meiner Ansicht nach ist es ein kapitaler Fehler, Ebola-Viren einen Freiflug in die restliche Welt zu spendieren, indem man erkrankte Mitarbeiter von Gesundheitsorganisationen aus Afrika ausfliegt. Bringt lieber die nötige Hilfe vor Ort, statt die Ebola-Viren zu exportieren. Typische Zwei-Klassen-Medizin: für die Eingeborenen der betroffenen Staaten kommt zwar Hilfe, aber die macht niemanden so richtig gesund und wirkt sehr improvisiert. Zu wenig insgesamt für die Vielzahl an Erkrankten. Wird dann einer der Helfer krank, wird er selbstverständlich mit hohem Aufwand ausgeflogen und für viel Geld in einer renommierten Spezialklinik gepflegt. Das Risiko, ihn vor Ort zu belassen und einem maroden, teilweise zusammengebrochenen Gesundheitswesen afrikanischer Bauart auszuliefern, mag niemand eingehen. In den betroffenen Staaten wäre entschlossenes Handeln und viel mehr Geld nötig, um die Epidemie einzudämmen.

Drastische Isolation und ein verlässlicher Impfstoff könnten diesem Spuk ein Ende bereiten.

Aber entschlossene Massnahmen sind nicht unsere Sache, wie schon am Vorgehen gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu erkennen ist.

Das wird sich in beiden Fällen bitter rächen.

 

Nachtrag: am 16.10.2014 erschien in der ZEIT folgender Artikel, der meine Sichtweise dieser Dinge bestätigt.