Bei der Bahn – nichts Neues

Es sollte eine Fahrt nach Hamburg werden. Dort der letzte Kongress, den ich vor der Rente besuchen wollte.
Donnerstag hin – Samstag retour.
Als geübter Bahnfahrer war ich natürlich mit den vorgeschlagenen Verbindungen nicht einverstanden und habe nachgebessert.
Wenn Ihnen 9 Minuten Umsteigezeit an einem quirligen Bahnhof wie Hannover zugestanden werden, lachen Sie herzlich und bessern nach. Mindestens eine Viertelstunde sollte es schon sein.

Allerdings nur, wenn Sie mit dem Regionalverkehr anreisen. Der fährt einigermassen pünktlich, wie die Erfahrung lehrt.

Was soll ich sagen: mit grossem Erstaunen sehe ich kurz vor Hannover im DB-Navigator die Meldung, der ICE xy, den ich nach Hamburg benutzen wollte, falle aus. Zug fällt aus. Stand da lapidar. Ei, warum habe ich denn den Verspätungs-Alarm aktiviert, der mich frühzeitig über diese und ähnliche Pannen informieren sollte?

Was nun?

Schnell eine Ersatzverbindung von Hannover nach Hamburg gesucht – aber immer „Platzreservierung nicht möglich“ im Display. Naja, so ohne eine Platzreservierung wird das ganze zum unkalkulierbaren Abenteuer. Mal sehen. Ach, direkt im Anschluss an unsere Ankunft in Hannover geht ein ICE nach Hamburg, bei dem mir „geringe bis mittlere Auslastung“ signalisiert wird.

Den geentert. Natürlich, in der ersten Klasse kaum Sitze frei, schon gar nicht zusammenhängend. Man reist ja nicht allein – so verschlägt es uns in die 2. Klasse. Dort massenhaft Sitze frei und der Fahrt nach Hamburg steht nix mehr im Wege.

***

Rückfahrt am Samstag. Zug ist pünktlich. Die reservierten Sitzplätze sind immerhin als „gegebenenfalls freigeben“ gekennzeichnet, obwohl wir erst im November gebucht haben. Scheint zu kurzfristig gewesen zu sein. Aber immerhin, wir finden sie unbesetzt vor. Aber: die Bahn kennt kein Pardon! Wir haben eine „geänderte Wagenreihung“. Und das ist schon auf dem Bahnhof Hamburg-Dammtor eine kleinere Katastrophe. Wer nicht flink im Finden seines Waggons ist, steigt unter Umständen in den falschen Zugteil ein und kann seinen Platz erst im nächsten Bahnhof erreichen. Im Hamburger Hauptbahnhof, bekannt für seine übervollen Bahnsteige, bekommen wir so schon mal die ersten fünf Minuten Verspätung. Dazu dann eine „Signalstörung“ zwischen Uelzen und Celle, die dazu führt, dass der Lokführer „auf Sicht“ fahren muss. Mehr als 80 km/h sind da nicht drin, wenn man innerhalb der Sichtweite anhalten können muss. Wir bewundern minutenlang ausgiebig die wunderschöne Landschaft im Bummelzugtempo. Et voilà, der Anschlusszug verlässt den Hannoveraner Hauptbahnhof fünf Minuten vor unserer Ankunft dort, trotz des auf der restlichen Strecke vorgelegten gewagten Tempos.

Gottseidank ist der Berlin-Amsterdam-IC (mit ausnahmsweisem Halt in Bad Oeynhausen) noch erreichbar und tatsächlich entspricht die Ansage „geringe bis mässige Auslastung“ den Tatsachen. Uff.

Wir lernen: wer Bahn fahren will, braucht Zeit. Und Geduld. Und einen DB-Navigator, mit dem man seine Zugverbindungen einsehen und blitzschnell anpassen kann. Sonst wird das nix. Und den muss er auf der Fahrt auch immer wieder kontrollieren, da die „Verspätungsalarm“-Geschichte in der Regel erst alarmiert, wenn die Verspätung offenkundig geworden ist und man sich selbst ausrechnen kann, dass der gewünschte Anschluss verpasst wird.

Gerade für das Bahnfahren scheint heutzutage zu gelten: „Der Weg ist das Ziel“.

Wie das Ersetzen von Inlandsflügen auf diese Weise funktionieren soll, wo die zusätzlichen Passagiere Platz finden sollen, das wissen die Götter.

Mal was Positives

Nach all dem (wahrlich auch berechtigten) Gemecker über die DB will ich hier mal etwas berichten, das durchaus Freude bereiten kann.

Gemeint ist der online-Service und das Fundbüro der Bahn.

Findet man auf „meine Bahn“ nicht sofort, da dort kein Link bereitgestellt wird. Man muss sich über „Was suchen Sie?“ heranpirschen, oder die DB-Seite ohne Login aufrufen, dann kommt man auch zum Fundservice.

Aber der Reihe nach.

An einem Samstagmorgen machten wir uns zu zweit auf nach Heringsdorf, Usedom. Eine Woche Urlaub war geplant und das Gepäck daher überschaubar, so dass wir auf die nervige Anreise per Auto verzichtet haben und lieber Bahn gefahren sind, auch wenn das bedeutet, dass man zweimal umsteigen muss.

Der erste Umstieg war im Berliner Hauptbahnhof und dabei (oder im Zug selbst) war mein Ledermäppchen mit Führerschein und Zulassungsbescheinigung Teil I abhanden gekommen.

Obwohl kurz nach Bemerken des Verlusts eine intensive Suche gestartet wurde – weg.

Nachfrage im Infopoint – negativ. Dort war man so freundlich, telefonisch den zweiten Infopoint anzufragen, aber auch dort hatte niemand die Mappe abgegeben. Schade.

Erstmal unsrere Reise zuende absolviert, wobei ich mir hier Einzelheiten erspare, schliesslich will ich mal Positives über die DB berichten.

Im Hotel angekommen, habe ich sofort eine Verlustmeldung auf den entsprechenden Seiten der DB abgegeben. Man kann da detailliert beschreiben was verloren wurde, wo man es verloren hat und den Verlustzeitpunkt eingrenzen. Man bekommt eine Bearbeitungsnummer mit der Bestätigung über den Eingang der Verlustmeldung.

Nun beginnt gespanntes Warten. Gibt es noch ehrliche Finder, die sich der Mühe unterziehen, einen Fundgegenstand abzugeben? Wird die Fundsache denn tatsächlich der DB übergeben – oder landet sie irgendwo anders im Fundbüro?

Tagelang suche ich in meinem Maillprogramm nach der erlösenden Meldung – aber nix.

Gedanklich bereite ich schon mal vor, wie ZB Teil I und Führerschein zu ersetzen sind. Wobei es jeweils einen Riesenunterschied macht, ob man etwas verloren glaubt, oder für gestohlen hält. Bei Verlust reicht eine eidesstattliche Erklärung, das Dokument sei verloren. Bei Verdacht auf Diebstahl muss man aber zwanghaft eine Anzeige bei der Polizei machen, sonst hakt die Wiederbeschaffung.

Da stosse ich auf die Internetpräsenz des Berliner Fundbüros. Und hier kann man online eine Abfrage der Datenbank gefundener Gegenstände durchführen. Wie genial ist das denn?

Mein Mäppchen mit den Papieren taucht leider nicht auf. Was die Leute nicht alles verlieren! Von „Hausarbeit Sozialkunde“ bis „Pass Russische Föderation“ ist alles dabei. Aber als ich sehen muss, dass mehrfach (!) einzelne Geldscheine dort eingeliefert wurden, gibt mir das meinen Glauben an die Menschheit zurück. Nichts wäre leichter, als einen Fuffi, den man im Bus findet, nach kurzer vergeblicher Suche nach dem Verlierer zu „recyceln“.

Aber zurück zu meinem Verlust.

Am Freitagmorgen, einen Tag vor unserer Heimreise kommt eine e-mail des DB-Fundbüros. Meine verlorene Mappe samt Inhalt sei abgegeben worden und könne im Fundbüro in Berlin-Lichtenberg abgeholt werden. Leider führt unser Rückweg über Stralsund, Rostock und Hamburg.

Grosse Freude, aber der Preis einer Fahrkarte nach Berlin und retour und die Tatsache, dass Freitag ein Grosskampftag bei der DB ist, hält mich davon ab, persönlich meine Papiere in Empfang zu nehmen. Statt dessen kann man sich ja – gebührenpflichtig – die Fundsache an die Heimatadresse schicken lassen.

Und tatsächlich erreicht mich dann am folgenden Dienstag meine Mappe.

Ende gut – alles gut.

Thalys, Thalys, du musst wandern…

Eine Reise nach Brüssel stand an.

Am besten mit der Bahn, denn Autofahren und vor allem -parken ist in Brüssel nicht so einfach.

Also, die Buchungsseite der DB gab uns auf, in Hamm und in Köln Umstieg in jeweils einen anderen ICE, der uns dann in Brüssel abliefern wollte, Rückfahrt ähnlich. Einschliesslich Bahncard 50-Rabatt sollte das Unternehmen immerhin rund 406 € kosten.

Hmm – alternativ könnte man auch ab Dortmund mit dem Thalys direkt durchfahren.

Gesagt, getan.

Buchung über thalys.com problemlos, Platzreservierungen nicht (man kann angeben, ob man nebeneinander oder gegenüber sitzen möchte, Plätze auswählen wie im Reservierungssystem der Bahn gibt’s nicht.) Für die Rückfahrt hatte man uns auseinander gesetzt. Hmm. Also mal tapfer die Hotline angerufen.

Ohne langes Warten hatte ich einen freundlichen Mitarbeiter an der Strippe. Oh, man bedaure zutiefst, aber der Zug sei sehr ausgelastet… Alternativ einen Tag später die Rückfahrt? Mais oui, da sehe es sehr gut aus – und wir bekommen auch noch den Seniorenpreis (den gibt’s bei ausgelasteten Zügen überhaupt nicht). Bon – nehmen wir. Et voilà, der Preis für die Hin- und Rückfahrt erster Klasse premium beträgt nur noch 239,- €. Mit Verpflegung am Platz. Klingt gut.

Am Tag der Abfahrt wird uns der Thalys angekündigt. Laut Wagenstandsanzeige hält die erste Klasse im Bereich A des Bahnsteigs. Der Zug fährt ein – und hält schon viel früher. Nanu? Naja, die Belgier variieren ihre Wagenzahl je Zug. Und weil dieser nicht annähernd ausgelastet war, war er auch deutlich kürzer. Aha, die haben’s raus, die Belgier.

Was fährt die DB doch oft an Leertonnage durch die Gegend.

Gleich nach dem Einstieg finden wir unsere Plätze. Plüsch. Auch noch in Rot! Mit den roten Notlichtern an den Waggonseiten sieht es tatsächlich so aus, wie klein Fritzchen sich ein Freudenhaus vorstellt.

Ach herrje, mein Sitz lässt sich zwar elektrisch verstellen, schnellt aber sofort wieder in die Ausgangsposition zurück, wenn man den Schalter loslässt. Ah ja, das kenn‘ ich doch auch von unseren Waggons…

Kurz nach der Abfahrt staunen wir nicht schlecht. Der Zug soll in Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Aachen, Lüttich und Brüssel halten, bevor er dann nach Paris Nord durchdonnert (Brüssel – Paris in 1:22!!!). Wie fährt man gewöhnlich von Dortmund nach Essen? Na, die Hauptverkehrsachse zieht sich durch Bochum dahin, geradewegs sozusagen.

Nicht so der Thalys. Dem haben die Planer der DB (ist ja schliesslich ihr Netz und daher lassen sie die Konkurrenz gern mal im Regen stehen) die Route über Dortmund-Huckarde, Dortmund-Mengede, Castrop-Rauxel Hauptbahnhof, Wanne-Eickel-Hauptbahnhof und so illustren Orten wie Gelsenkirchen-Hauptbahnhof zugedacht. Die absolviert er durchaus im Güterzugtempo. Mit vielen Stops vor roten Signalen und Langsamfahrten durch Vorstadt-Bahnhöfe. Heimatkunde angewandt. Was freue ich mich doch, altbekannte Ortschaften mal vom Zug aus zu sehen! Noch mehr hätte ich mich allerdings gefreut, wenn’s den zügiger gegangen wäre, aber naja. Nach Essen stoppen wir planmässig mehrfach und erreichen Aachen dann mit gut 15 Minuten Verspätung.

Kaum aber hat der Thalys die deutsch-belgische Grenze passiert (ab Aachen fährt er links, wie alle Züge in Europa ausser Deutschland), da legt er an Tempo zu. Jetzt fahren wir endlich auf für Schnellfahrten geeigneten Strecken. Tempo 250 ist da durchaus normal, da machen die Belgier kein Gewese draus (wie die DB, in deren ICEs solche Geschwindigkeiten nahezu orgiastisch in der LED-Anzeige gefeiert werden).

Jetzt gibt’s auch endlich das versprochene „Catering am Platz“. Man hat die Wahl zwischen Brötchen oder „was Süsses“.

Durchaus lecker, aber mehr als ein amuse-geule ist das nicht gerade. „In Brüssel werden wir beliefert und dann gibt’s auch was Richtiges zu Essen“ werden die Paris-Fahrer vor uns belehrt, als sie nach „was Herzhaftem“ verlangen. Ah, richtig. Essen gibt’s nur für die, die auch bis zum Schluss durchhalten.

Die Einfahrt in den Bahnhof Liège-Guillemins vollzieht sich nahezu planmässig. Da haben wir aber tüchtig aufgeholt! Pompöser, futuristischer Bahnhof mit einer alle Gleise überspannenden Kuppel aus Stahlstreben und viel, viel Glas. Ja, die brauchen sich wahrlich nicht hinter dem neuen Hauptbahnhof in Berlin zu verstecken…

Kaum 20 Minuten danach rumpeln wir durch Bruxelles-Nord, Bruxelles-Central um in Bruxelles-Midi anzulanden. Fein, mit dem Auto hätten wir sicher doppelt so lange gebraucht und wären von keinem Kellner auf’s Feinste unterhalten worden. Das Personal spricht nämlich Deutsch, Französisch, Englisch, Flämisch… manchmal auch alles gleichzeitig. Und fällt durch ausgesuchte Freundlichkeit auf. Gut, da hat die DB inzwischen auch sehr aufgeholt. Man denke nur an deren denglische Durchsagen, die mit „sänk-ju-for-träwelling… and teik kär!“ enden.

Auf der Rückfahrt am Pfingstsonntag kam unser Thalys aus Paris-Nord. Um die „umgekehrte Wagenreihung“, also anders als im Wagenstandsanzeiger angegeben, macht man offenbar in Belgien keinerlei Gewese. Jedenfalls keine der in Deutschland ach so berühmten Ansagen. Der Wagenstandsanzeiger ist übrigens elektronisch. Aber genauso wenig aktuell wie die Pappstreifen in deutschen Schaukästen.

Wir müssen uns aber – anders als in Deutschland – nicht übermässig beeilen, um von „ganz hinten“ an die Zugspitze zu unserem Wagen zu gelangen. Denn die Züge halten in Belgien ausreichend lange im Bahnhof, damit man auch ein- und aussteigen kann, ohne sich mit den Mitreisenden prügeln zu müssen. Sehr angenehm.

Der Zug war diesmal deutlich länger und voller rückreisender Touristen aus Paris.

Denen hatte die Fahrzeit von Paris-Nord nach Bruxelles-Midi (1:22h) völlig genügt, um sämtliche Toiletten und den halben Zug zu verwüsten. Ich weiss nicht, wie die zuhause aufs Klo gehen oder was sie da mit ihrem Müll machen, aber im Zug scheinen andere Sitten zu herrschen, als zuhause.

Und leider: selbst in der ersten Klasse schreiende Kinderlein, die von den Elternteilen 1 und 2 (wie man jetzt neuerdings sagen soll – oder heisst das jetzt gendergerecht Elternteiler*innen?) umhergetragen werden, damit sich alle, aber auch wirklich alle Reisenden an dem Gejodel erfreuen können.

Gottseidank erreicht der Zug irgendwann Köln – und da steigen sie fast alle aus. Ich weine ein wenig vor Erleichterung. Die vor uns Sitzenden hatten sich schon in Brüssel unsterblich beliebt gemacht, weil einer ihrer drei Schrankkoffer auf den von mir reservierten Sitzplätzen thronte. Auf so etwas wäre ich nicht gekommen, im Leben nicht. Schliesslich geruhte der Herr, sich zu erheben und den Koffer, den ich in den Gang entsorgt hatte, mit einem „en Momentschen doch, isch komm‘ ja!“ dann finalemente doch im Gepäckraum zu verstauen, der über den Einzelsitzen grosse Lücken aufwies. Wieso nicht gleich so? Wieso so ’n empörter Ton, dass ich es wage, seinen Koffer anzufassen?

Bewundernswert die Ruhe und Freundlichkeit des Personals angesichts dieses ewig maulenden Gesockses (ich weiss, da hat schon Herr Gabriel sein Copyright drauf, aber ein anderer Begriff erscheint mir unpassend). Der Kellner tut uns noch ein zweites Fläschchen Weisswein (durchaus trinkbar) aus, als er die Tabletts (diesmal mit Käsekuchen vom Feinsten) wieder abräumen kommt. Prompt fällt das Madame vor uns auf, als sie von der (verwüsteten) Toilette wiederkommt. „Es gab kein Wasser mehr, ich habe immer noch Seife an den Händen und die HINTER UNS HABEN EINE WEITERE FLASCHE WEISSEN GEKRIEGT WIESO WIR EIGENTLICH NICHT!“ begehrt sie von Männe zu wissen. Der zieht schuldbewusst den Kopf ein (wohl an seinen Koffer denkend) und kann nur „pssssst“ murmeln.

In Duisburg sehen wir den RE 6 stehen. Der ist fahrplanmässig 20 Minuten früher in Dortmund als wir. Eigentlich könnten wir den Umstieg locker schaffen, wenn wir auch geradeaus nach Dortmund führen. Geht nicht. Dafür haben wir aber wieder eine schöne „Tour-de-Ruhr“-Gebiet vor uns, als wir rumpelnd auf die Nebenstrecke über Gelsenkirchen-Hbf und so weiter einbiegen. Schön, dass die DB-Netze uns diesen kleinen Ausflug spendiert hat.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Thalys-Gesellschaft demnächst ihren Zug erst in Essen starten lässt. Denn als wir in Dortmund aussteigen, befinden sich nicht mehr viele Mitreisende mit uns im Zug.

Zwei Dinge lehrt mich diese Reise.

1. Woanders hat man die gleichen Probleme wie bei uns: Leute mit mangelndem Benehmen und marode Waggons gibt’s auch in belgischen Fernzügen, nicht nur bei der DB.

2. statt #europaistdieantwort bin ich nach der Wahl ernüchtert. Wieso gibt es immer noch keine einheitliche europäische Streckenplanung bei der Bahn? Wieso kommt die DB damit durch, dass schnelle Züge nach Paris sich erstmal eine Weile an Nebenstrecken abarbeiten dürfen? Wo bleibt Europa im Detail?

Unerreicht

Dieses Jahr sollte es eine Ferienwoche auf Usedom werden, Heringsdorf, um genau zu sein.

Noch gilt die Bahncard erster Klasse, also nach der Hotelbuchung eine passende Bahnreise zusammengestellt.

Leider, leider geht es der DB wohl doch nicht so schlecht, als dass sie endlich Ernst mit der Kundenorientierung machen wollte.

Auf der Anreise ist am Sonntag ein Aufenthalt von 1:10 im Berliner Hauptbahnhof geplant. Und der ist auch durch noch so viele Änderungen der Suche nicht wegzubekommen. Nun kann ich gelassen in die DB-Lounge schlendern und die Zeit bei Gratis-Cappuccino und Lektüre sämtlicher ausliegender Zeitungen totschlagen, bis mein Regionalexpress nach Stralsund mich nach Züssow mitnimmt.

Alternativ kann ich auch in Berlin eine kürzere Umsteigezeit buchen, die mich in Oeynhausen viel später starten lässt. Dann aber habe ich eine Stunde Aufenthalt in Züssow. Was macht man da? Es gibt keine Lounge – und womöglich noch immer keine überdachten Bahnsteige. Wehe, es regnet während der Wartezeit.

Viel spassiger ist dann die geplante Rückfahrt. Also entweder um 11:32 ab Heringsdorf, oder um 12:32. Es ist schliesslich Sonntag, da muss man nicht so oft Züge fahren lassen. Beim frühen Start muss ich ungefähr 40 Minuten in Züssow totschlagen, bis der Regionalexpress nach Berlin Hauptbahnhof mich mitnimmt. Oder ich starte eine Stunde später und habe sogar Anschluss an einen IC nach Berlin. Allerdings nur 4 Minuten Umsteigezeit. Herrschaftszeiten! Kennt man jemanden, der eine solche Verbindung fehlerfrei absolviert hat? Also ich persönlich nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das gehen soll. So eine Bäderbahn kann ihren Fahrplan unter Idealbedingungen einigermassen einhalten, aber das bedeutet, dass sie nicht mehr als 10 Minuten später am Ziel eintrifft, als geplant. Wartet der IC? WK. Wohl kaum. Also entstünde dann eine Wartezeit, die nahe 40 Minuten liegt, bis der Regionalexpress….. Und natürlich ist der geplante Anschlusszug im Berliner Hauptbahnhof dann längst weg.

Es geht aber auch anders.

Man nehme: einen anderen Browser als Firefox (wieso das mit Firefox nicht geklappt hat, wissen die Götter). Dann verschiebe man seine Reise um einen Tag nach vorn: also Samstag bis Samstag nach Usedom.

Dann passe man die Umsteigezeiten an (mindestens 10 Minuten, sonst wird’s nix). Et voilà: der Rückweg geht jetzt komplett anders: man bleibe sitzen in der Bäderbahn bis zur Endhaltestelle Stralsund Hbf. Dort gibt’s zwar auch 40 Minuten Wartezeit, aber dann kann man ganz kommod mit dem ICE fahren. Und zwar über Hamburg nach Hannover. Dort 19 Minuten später mit dem Regionalexpress bis Bad Oeynhausen. Ja, leider gibt’s das nicht für den Hinweg….

Nun ist es mir unerklärlich, wie die Leute weg vom Auto und hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln gelenkt werden sollen, wenn so einfache Aufgaben wie „fahre in ein beliebtes Urlaubsziel“ kaum unblutig gelöst werden können. Beliebtes Ziel vermutlich deshalb, weil sämtliche mir angebotenen Züge so gut wie ausgebucht waren. Umsteigezeiten von weniger als 10 Minuten sind erfahrungsgemäss nicht zu realisieren, auch wenn man vom „höherwertigen“ in einen „nachrangigen“ (und deshalb eventuell wartenden) Zug umsteigen muss.

Ende vom Lied: Adé Bahncard. Willkommen Individualverkehr (solange noch nicht verboten).

Sitzplatzroulette

Bei Lufthansa buchen, heisst mit Freude buchen, auch wenn’s am Ende etwas teurer ist, als bei anderen Airlines.

Und bei der Buchung kann man sich seine Sitzplätze aussuchen und gleich mit reservieren.

Prima.

Und dann kommen (gefühlt) im Stundentakt mails mit Änderungen der gebuchten Sitze. Das sieht dann ungefähr so aus:

 

 

 

Auf meine Anfrage, warum man bei Buchung Sitzplätze reservieren kann, die dann aber mehrfach munter in andere getauscht werden,

äussert sich der Service wie folgt:

„Sehr geehrter Herr Schaefer,

vielen Dank für Ihre Anfrage zur Reservierung von Sitzplätzen.

Zurzeit erreicht uns eine Vielzahl von Anfragen, die eine Verzögerung in der Beantwortung nach sich zieht. Wir bedauern, dass wir Ihr Anliegen erst jetzt beantworten können. Wir möchten uns für die verspätete Bearbeitung aufrichtig entschuldigen.

Wie alle global agierenden Unternehmen muss sich auch die Deutsche Lufthansa AG dem internationalen Wettbewerb stellen. Um hier dauerhaft bestehen zu können ist es unerlässlich, einerseits ein hochwertiges Produkt anzubieten als auch andererseits die Kostenstrukturen des Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren.

Dies erforderte u.a. auch die Anpassung der Sitzplatzreservierungsgebühren an die jeweiligen Gegebenheiten und Marktinteressen und ist ein weiterer Schritt zur Harmonisierung innerhalb der Lufthansa-Gruppe mit einheitlichen Produkten.

Das Lufthansa Angebot zur Sitzplatzreservierung ist mit Gültigkeit 21. März 2017 angepasst worden. Die Reservierung des Wunschsitzplatzes auf internationalen/nationalen Strecken ist in allen Economy Buchungsklassen kostenpflichtig. Dies gilt innerhalb Deutschlands auch für die Zubringerflüge.

Lufthansa bietet Ihnen die Möglichkeit, Sitzplätze für sich und Ihre Mitreisenden vorab selbst auszuwählen. Bitte beachten Sie, dass entgeltpflichtige Sitzplatzreservierungen nur in Verbindung mit einem Lufthansa Flug mit Lufthansa Flugnummer möglich sind. Bitte haben Sie Verständnis, dass Sitzplatzreservierungen auf Flügen, die nicht von Lufthansa, Lufthansa Regional, Austrian Airlines oder Swiss durchgeführt werden, insbesondere in der Economy Class, nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sind; bitte wenden Sie sich an die den Flug durchführende Fluggesellschaft. Sitzplatzreservierungen auf Flügen mit einer Code Share Flugnummer sind nicht möglich.

Sie können Sitzplatzreservierungen direkt während der Online-Flugbuchung, nachträglich auf www.Lufthansa.com unter -Meine Buchungen- oder auch persönlich bei den Kollegen der Zentralen Reservierung der Deutschen Lufthansa vornehmen. Gern können Sie auch weiterhin die gebührenpflichtige Reservierungsmöglichkeit für Sitze mit mehr Beinfreiheit nutzen.

Gäste der First, Business und Premium Economy Class können unabhängig von ihrem Lufthansa-Status ihren Sitzplatz weiterhin vorab kostenfrei reservieren.

Economy Class-Gäste können Sitzplätze auf allen von Lufthansa und Lufthansa Regional durchgeführten Flügen vorab, ggf. kostenpflichtig, reservieren. Bitte beachten Sie, dass eine bestätigte Sitzplatzreservierung keinen rechtlichen Anspruch auf einen bestimmten Sitzplatz, sondern auf die ausgewählte Kategorie, z.B. Gang oder Fenster, darstellt. Aufgrund von operativen Änderungen können sich Sitzplatznummern ändern. Das kostenpflichtig gebuchte Sitzmerkmal – Gang, Mitte oder Fenster – bleibt garantiert.

Zusätzlich haben Sie vor Reiseantritt beim Online Check In die Möglichkeit sich einen Sitzplatz nach Verfügbarkeit kostenfrei zu reservieren.

Für weitere Fragen zur Sitzplatzreservierung auf Lufthansa- und Lufthansa Regional durchgeführten Flügen möchten wir Ihnen gern persönlich weiterhelfen. Bitte wenden Sie sich an die Kollegen der Lufthansa Reservierungszentrale unter der Servicenummer

+49 (0)69 86 799 799*
*(Anrufe in das dt. Festnetz variieren je nach Anbieter).

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben und würden uns freuen, Sie demnächst an Bord eines Fluges der Deutschen Lufthansa begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Lufthansa Customer Care Service
Beatrice Albert

Inmitten des Textbaustein-Blablas die Auskunft, dass reservierte Sitzplätze nicht bedeuten, dass man diesen Platz reserviert habe, sondern nur die Kategorie…

Bleibt nur noch die Frage, was mit dem Flug von FAO nach MUC falsch ist. Da werden gar keine Sitzplatzreservierungen geändert. Gibt es diesen Flug überhaupt?

Gottseidank sendet Lufthansa uns die Erleuchtung in Form einer neuerlichen Sitzplatzänderung. Ausgerechnet am Abflugtag Richtung Portugal erreicht mich die erlösende mail mit einer Änderung für den Flug, von dem ich schon wähnte, es gebe ihn gar nicht.

 

 

 

 

 

Die Welt ist wieder in Ordnung.

Aber auch nach dem Check-In ist LH immer für eine Überraschung gut.

Finalemente musste ich erleben, wie mein Flug von München nach Hannover aufgerufen wurde. Beim elektronischen Check-In hatte ich den am 24.3. zuletzt zugewiesenen Platz bestätigt bekommen.

Was soll jetzt noch schief gehen?

Aber: immer wenn man glaubt, man sei sicher, legt LH noch ’ne Schüppe drauf.

Ich halte das iPhone mit dem Würfelcode vor das Lesegerät.

Unheilvoll pfeift es „pffft“ und druckt noch schnell einen Revers aus, der mich über – einen geänderten Sitzplatz informiert. Wechsel des Flugzeugmusters habe es technisch nötig gemacht, auf Platz 9E/9F zu sitzen.

Na, immerhin, halberlei pünktlich kommen wir in Hannover an.

Die Bahn – mein Lieblingsthema

Ich will ja nicht sagen, dass ich über die Bahn immer nur meckern kann.

Nein, auch Gutes gibt es zu berichten.

Da erhalte ich eines Tages die frohe Botschaft (per e-mail), meine Schnupper-Bahncard 1. Klasse sei verfügbar. Nur hier einmal klicken und ich werde zur Seite weitergeleitet, wo ich diese „Zugabe“ buchen kann. Kost‘ nix – is‘ auch nix?

Weit gefehlt. Mit diesem Ausdruck und meiner BC 50 2. Klasse kann ich jetzt 1.-Klasse-Tickets zum halben Preis buchen.

Gut, das Angebot läuft nicht ewig, aber immerhin!

Ich habe es gleich mal ausprobiert.

Anlässlich einer Reise nach Nürnberg zum Deutschen Anästhesiekongress bin ich hin und retour 1. Klasse gefahren.

Daran könnte ich mich durchaus gewöhnen.

Anders als in der 2. Klasse ist die Sitzverteilung im Großraumwagen nämlich 2 – Gang – 1.

Somit kann auch der Einzelreisende, der seine Ruhe haben will, kommod einen Platz solo buchen und muss nicht immer aufstehen, wenn der Sitznachbar zum Speisewagen oder wo sonst hin will.

Auch Rippenstösse bleiben so aus, wenn man ein Nickerchen macht und geräuschvoll atmet (viele nennen es „Schnarchen“, dabei ist es doch bloss ein akustisches Lebenszeichen, damit der Zugbegleiter nicht den Notarzt zur nächsten Station bestellt, Stichwort „leblose Person“).

Erster Eindruck auf dem Bahnsteig: kaum Gedränge beim Ein- und Aussteigen. Wie wohltuend!

Besonders bemerkenswert: bei Beginn der Fahrt erscheint der Zugbegleiter. Und verschmäht es, mein ihm eilfertig entgegengestrecktes Ticket überhaupt nur anzusehen. Nein, momentan ist die Frage, was er mir denn Schönes aus dem Speisewagen herbeibringen darf? Ja, da hat sich die 1.Klasse-Bahnfahrt schon gelohnt.

Hier sind sie deutlich höflicher (obwohl ich mich neuerdings auch über die Höflichkeit in der 2. Klasse nicht beklagen kann) und zuvorkommender.

Da merkt man schon, dass die Bahn für den deutlich höheren Fahrpreis auch das Gefühl der Geborgenheit vermitteln möchte. Nicht nur sitzt man bequemer, die Platzreservierung kostet nichts extra, sondern auch die Zugbegleiter erwecken den Eindruck, sie kümmern sich um meine kleinen Sorgen.

Fein!

Allerdings wird das Bild (und hier komme ich jetzt doch zum Meckern) davon getrübt, dass die 1.Klasse-Wagen am modernen ICE immer am Anfang und Ende des Zuges montiert sind. Die weitestmögliche Entfernung von den Treppen. Und immer ausserhalb des überdachten Bereiches der Bahnsteige, so dass man dann nach einem Spurt durch Starkregen die Fürsorge der ZUBs so richtig geniessen kann.

Liebe Bahn, 1. Klasse reisen ist schön. Es wäre nahezu perfekt, wenn diese Details auch noch berücksichtigt werden könnten…

 

Die Bahn – schon wieder….

Heute früh kommt (verschämt) eine e-mail.

„Verspätungs-Alarm“.

Meine Reiseverbindung von Nürnberg Hbf nach Dortmund Hbf betreffend.

Es wird nicht ersichtlich, was denn nun mit der gebuchten Verbindung ist. Ich möge mich anhand des gültigen Fahrplans orientieren, steht da lapidar.

Ich informiere mich – und zu meiner Verblüffung fehlt am angegebenen Tag komplett der Zug, in dem ich noch vor wenigen Tagen problemlos eine Platzreservierung durchführen konnte.

Ei verbibbsch?

Vermutlich wegen der Bauarbeiten im Ruhrgebiet hätte dieser Zug Verspätung. Und da andere Züge auch Verspätung haben, hat die Bahn messerscharf aus der Tatsache, dass zwei Züge zur gleichen Zeit am gleichen Bahnsteig stehen müssten, Konsequenzen gezogen.

Da wird dann einfach ein Zug – mein Zug – ersatzlos gestrichen.

Der Versuch, zu einer anderen Uhrzeit zu reisen, ist zum Scheitern verurteilt. Alle Züge ausgebucht.

So habe ich denn meine komplette Reise neu organisieren müssen.

Die Fahrt von Nürnberg nach Dortmund findet jetzt so nicht statt. Also, nicht mit der Bahn.

Und wo ich schon mal dabei bin, kann ich auch gleich die ganze Bahncard kündigen.

Denn demnächst werden Käffer wie Bad Oeynhausen komplett vom Fernverkehr abgehängt. Hilft mir die Reise nach Minden oder Herford?

Keineswegs.

Wenn ich nach Westen will, ist Bielefeld mein nächster Anschluss an die grosse, weite Welt. Oder in östlicher Richtung Hannover.

Na, da kann ich auch gleich die ganze Reise mit dem Auto erledigen.

Danke, Bahn.

Reisesplitter – 3

Mit dem Reisemobil eine Tour durch das Festlands-Griechenland.

Noch zu DM-Zeiten. Wir hatten anfangs ausrechend Bargeld in Drachmen vorliegen, zweierlei Kreditkarten – was soll da schon schiefgehen?

Zu unserer Reisezeit befand sich allerdings halb Griechenland im Streik, Banken und öffentlichen Dienst betreffend. Wie unsere Bekannten uns erläuterten, habe man vor, die bisherige Pensionsregelung (20 Jahre öffentlicher Dienst reichen aus für eine kleine Rente) abzuändern und für alle deutlich zu verschlechtern. Dagegen richtete sich der Streik.

Uns als Urlauber liess das kalt. Klar, wenn man mit dem WoMo einfach weiterfahren kann, wenn die Müllberge anfangen zu stinken….

Aber zum Fahren muss man auch hin und wieder mal tanken.

Die Mastercard wurde abgelehnt – schliesslich müssen dazu die Banken arbeiten, damit die Tankstellenbetreiber an ihr Geld kommen. Als dann auch die zweite Karte keine Anerkennung mehr fand, wurde die Lage ernst.

Nur noch Sprit gegen Bargeld. Und bitte in kleinen Scheinen, Wechselgeld ist auch knapp.

Wir sassen in Itea am Hafen in einem Cafenion, zählten unsere Barschaft und beratschlagten, was tun sei. Bargeld für Sprit, dass wir ausser Landes kommen, wäre gerade noch genug da. Knapp aber doch. Aber nicht für weitere zwei Wochen Tour durch Festlands-Griechenland. Schade.

Dem Kellner fiel das auf.

Was für ein Problem uns denn bedrücke, wollte er wissen.

Kurz erklärt – er gab beim Zahlen noch zwei Tips, wo man vielleicht wieder zu Barem kommen könne. Wenn das nicht funktionieren sollte, mögen wir wieder zu ihm zurück kommen.

Gesagt, getan. Der eine Tip war denn auch gleich ’ne Niete – Bargeld habe man schon, aber nur für die eigenen Hotelgäste.

Aha. Freundlich bedankt und den Rückzug angetreten.

Der zweite Tip, die örtliche Post. Erstaunlicherweise wurde hier nicht gestreikt. Aber Geld? Nee, wenn der Kurier von der Bank mal möglicherweise wieder vorbeikomme, dann ja. Aber wann der kommt? Keiner weiss es. Der Streik kann schliesslich noch dauern.

Also wieder zurück zum Kellner.

Der bietet nun an, man möge ihm einen Euroscheck mit gewünschtem Betrag ausstellen, diesen und die EC-Karte mitgeben, er gehe dann zu seiner Bank und frage dort, er habe dort einen Cousin, der dann sicher helfen könne…

Ah ja. Ist klar. Euroscheck und Karte. Ihm mitgeben!

Das ist ja genau das, wovor uns die Sicherheitshinweise der Bank immer warnen, beides gleichzeitig aus der Hand zu geben.

Hmmm.

Irgendwie hat uns der Hafer gestochen. Mal sehen, was jetzt passiert.

Also getan, wie er vorgeschlagen hat.

Der freundliche Kellner entledigt sich seiner Schürze, leiht vom Kollegen dessen Fahrrad und verschwindet eilends.

Und für uns heisst es nun warten. Geduld.

Je länger wir da sitzen, wie die dämlichen Touristen, desto ungemütlicher wird uns.

Wie kann man nur! Einem wildfremden Menschen, von dem man noch nicht mal den Namen kennt, so vertrauen!

Der Frappé ist längst ausgetrunken, die düsteren Gedanken trüben nun endgültig die Stimmung. Wie macht man jetzt auf dem örtlichen Polizeirevier den Beamten klar, was man da für eine Eselei begangen hat? Gibt’s hier überhaupt eine Touristenpolizei mit Beamten mit Fremdsprachenkenntnissen?

Oh ach und weh!

Da plötzlich steht der Kellner wieder vor uns.

In der Hand das langersehnte benötigte Bargeld. Und unsere EC-Karte.

Mit grossem Pomp überreicht er uns beides.

Den Scheck werde man auch noch nach Ende des Streiks gutschreiben, hatte ihm sein Bekannter in der Bank versichert. Kein Problem also.

Ich: Moment, Sie haben doch Unkosten? Und geben uns die volle Summe in Drachmen in die Hand? Ja, das geht doch nicht! Sie müssen selbstverständlich eine Entschädigung für Ihre Mühe und Wartezeit bekommen.

Dankend lehnt er ab. Nein, keine Gebühr, keine Entschädigung!

Ich insistiere dennoch. Schliesslich hätte ich doch auf der Bank auch…

Nein und nochmals nein, er wolle keine Entschädigung.

Die Situation droht zu eskalieren, keiner von uns gibt so einfach nach – da plötzlich nimmt er doch die angebotene Summe, aber nur, wenn wir im Austausch von ihm ein Beutelchen Oregano akzeptieren, aus seinem eigenen Garten.

Deal.

Nochmals Dank an einen Helfer in der Not. Und ein Hoch auf die in Griechenland ubiquitären Cousins ;-))

 

Reisesplitter – 2

Da waren wir also in Bozen/Bolzano.

Und um die Zeit bis zur Rückfahrt unseres Linienbusses nach Steinegg/Collepietra noch ein wenig totzuschlagen, hatten wir nahe des Busbahnhofs einen Friseur ausgemacht.

Die Zeit langte wirklich noch, es war nicht voll bei ihm – und so sind wir hineingestolpert.

Oh. Ein nur italienischsprachiger Friseur.

Aber egal, so viel anders schneidet man in Italien ja auch nicht.

Ja, er habe Zeit, bedeutete er uns mit Gesten.

Ich nahm Platz auf dem Stuhl, der auch in Italien nicht anders aussieht, als bei uns.

„Norrrrmalll“ befahl er mehr, als er fragte.

„Normal, si, grazie“ gab ich zurück.

Flinke Finger machten sich ans Werk. Die Schere schnippelte eifrig, der Kamm kämmte meine Haare immer wieder und immer wieder und stets fand sich noch ’ne Kleinigkeit für die Schere.

Ein etwas mulmiges Gefühl beschlich mich doch. Wie dem Mann jetzt Einhalt gebieten, wenn er zu viel wegschneiden will? Wie „normal“ ist „norrrmalll“?

So sass ich da und befürchtete das Schlimmste.

Da hörte es auf.

Er hielt mir den Spiegel vor – und ich, in meiner Not, jetzt war wirklich genug abgeschnippelt, suchte nach einem Lob. Unüberbietbar sollte es sein und dem Meister auch gleichzeitig mit der Zufriedenheit das Signal geben, aufzuhören.

„Magnifico!“ entfuhr es mir.

Er sah mich mit unverkennbar grimmiger Miene an.

Verflixt. Was war jetzt schiefgegangen? Magnifico – grossartig. So erinnerte ich mich. Warum daher der zornige Gesichtsausdruck? Magenkrank?

Beim Bezahlen sah ich den Meisterbrief, gerahmt und am Ehrenplatz.

Darauf stand: „Ettore Magnifico, Barbiere„.

Ach so. Der kennt sicher schon alle Witze mit seinem Namen.

Nix für ungut, Meister.

Wolle Rose kaufe?

Man kennt sie aus den touristischen Hochburgen. Meist dunkelhäutige Menschen, die mit einem riesigen Bukett unter’m Arm durch die Kneipen ziehen. „Wolle Rose kaufe?“ ist ihr Schlachtruf.

Spätestens der zweite, der beim Essen oder der Unterhaltung stört, wird als lästig empfunden.

Wohl dem Wirt, der sich ihrer unter Verwendung des Hausrechts erwehren kann. Wehe dem, der das muntere Treiben toleriert. Spätestens beim dritten „Wolle…?“ machen wir uns einen geistigen Vermerk, dieses Lokal künftig zu meiden.

Etwas völlig Neues sind jedoch beim Abendessen störende wandernde Handwerksburschen.

Etwa wie im Fischhüs letztens.

Da betreten zwei zünftig gekleidete Wanderburschen das Lokal und erhalten auch tatsächlich vom Wirt die Erlaubnis zu ihrem nun folgenden Auftritt.

Gekleidet wie Zimmergesellen auf der Walz (das sind viele, auch andere Handwerke, da die Zimmermannskluft als einzige industriell gefertigt wird und damit bezahlbar ist), tragen sie jetzt in Reimen vor, dass sie leider nach der langen Reise nach Westerland „abgebrannt“ seien. Hmm, reim dich, oder ich fress dich.

Zur Bekräftigung werden die Wanderstöcke zweimal kräftig auf den Boden gestossen, dann beginnt die „Kollekte“. Einzeln gehen sie zu den Tischen und beginnen den Nahkampf. „Unser“ Ansprechpartner zeigt sich milde gestimmt, als meine Frau erklärt, Geld haben wir nicht übrig, da wir doch auch erst gerade angekommen seien. „Koi Problähm“ schwäbelt er und zieht weiter.

Am Nachbartisch erfährt er unverhofft, man gebe kein Geld, lade aber zum Essen ein. Das lehnt er, jetzt ungewohnt ungnädig, strikt und vehement ab.

Aha.

Ich kenne mich mit der Walz nicht so im Detail aus, glaube aber, dass wandernde Handwerksburschen eigentlich bei einem Meister ihrer Zunft vorsprechen. Der gibt ihnen Arbeit, so er hat, aber zumindest Wegzehrung und notfalls auch ein bisschen Geld. Vom Betteln in Gaststätten weiss ich nix, aber das muss ja nichts heissen.

Im Hui sucht die Bande das Weite.

Da bleibt nur die Frage, ob ich nicht lieber Rosenverkäufer unaufdringlich um mich haben möchte beim Essen…