Ende einer Dienstfahrt

Na, ganz so literarisch wie in Heinrich Bölls Klassiker war es dann doch nicht.

Kaum zwei Monate nach der letzten Inspektion beim Händler machte sich mein Staiger Sinus B3 Baujahr 2012 mit „komischen“ Geräuschen beim Fahren bemerkbar.

Nun, das Plopp-Plopp-Plopp beim Fahren wies nicht wie befürchtet auf eine Acht in der Felge hin, aber immerhin auf einen seitlich aufgerissenen Reifen. Und der könne an der Flanke einreissen, wenn man mit zu wenig Luft fährt, sagen die Fachleute. Was ich aber definitiv nicht tu, denn meine Hinterradreifen haben immer mehr als 3,5 bar Druck gehabt. Dafür hol‘ ich mir jede Woche einmal schietige Finger, aber was sein muss, muss sein.

Bei genauer Betrachtung war der Hinterradreifen eigentlich auch schon erkennbar „fertig“ – kein Profil mehr.

So ein Pedelec belastet halt den Antriebsreifen. Aber warum das bei der „Inspektion“ durch den Fachhändler durchgegangen ist, erschliesst sich mir nicht. Schliesslich kann man ja am neuen Reifen/Schlauch verdienen…..

Habe dann gleich beide Räder, vorn wie hinten, mit neuen Schläuchen und Reifen versehen. Einmal geschraubt, ist für längere Zeit Ruhe, dachte ich mir.

Da ich ja überdrehte Hutmuttern bei anderer Gelegenheit schon mal produziert hatte, habe ich mir den passenden Drehmomentschlüssel samt Nüssen für meine Montage besorgt.

Nach getaner Arbeit also nur noch das fachgerechte Festziehen der Hutmuttern mit dem angemessenen Drehmoment.

Dachte ich.

An der Vorderradgabel ging die rechte Hutmutter auch wie geplant anzuziehen.

Nur die linke wollte nicht greifen.

Ja, hab‘ ich da schon wieder das Gewinde ruiniert?

Also noch mal losgedreht.

Pling.

Ein Teil der Radaufnahme verabschiedete sich mit leisem Geräusch und fiel ab.

Ich schwör, ich habe keinerlei Gewalt angewendet.

Auf der rechten Seite schaut die Gabel so aus.

Und so auf der linken.

Da bin ich wohl einer ziemlichen Katastrophe entgangen.

Wenn so was während der Fahrt (gar bergab mit speed) passiert, gerät das Vorderrad aus der Spur und blockiert in der Bremse.

Das ist schon mal ein interessanter Anblick für die Umstehenden, wenn man dann per Salto vom sich überschlagenden Fahrrad absteigt, kann aber den Artisten selbst sehr unfroh machen.

Jedenfalls bin ich glücklich, dass das im Stand mit angesetztem Drehmomentschlüssel passiert ist.

Ich kann jedenfalls die negativen Testberichte des Staiger Sinus B3 nur bestätigen.

Die Qualität der verbauten Teile ist einfach unterirdisch.

Dieser Aufkleber auf der Federgabel hätte es mir schon beim Kauf klarmachen sollen, was hier los ist….

So vergab die Stiftung Warentest seinerzeit ein „mangelhaft“, weil es ihnen ohne grosse Mühe gelang, den Lenker abzubrechen.

Das Malheur blieb mir erspart, weshalb ich mich in Sicherheit wähnte.

Aber:

in vier Jahren Betrieb hatte ich (bei ungefähr 50 km wöchentlicher Laufleistung):

  • drei neue Ketten,
  • zwei Kettenblätter,
  • ein Ritzel

zu ersetzen, weil bei Bergauffahrt die Motorleistung zusammen mit meiner Muskelkraft ausreichend war, die Kette langzuziehen. Wobei wir nach dem ersten Wechsel schon auf eine verstärkte Version zurückgegriffen haben.

  • Einen neuen Akku gab’s, weil der alte mitten im Betrieb abschaltete. Bei noch 50% angezeigter Restkapazität ging er einfach aus. Meist an einer Steigung, wo man ja so richtig Spass haben kann, wenn’s plötzlich nicht mehr vorangeht.

Und ein gutes Argument für den MIttelmotor kann ich auf diese Weise auch entkräften. Es wird ja immer behauptet, man müsse den nicht mittreten, wenn er abgeschaltet sei. Stimmt, aber nur dann, wenn ich ihn am Schaltgerät auf „AUS“ geschaltet habe. Dann liefert er keine Unterstützung mehr, muss auch nicht mitbewegt werden. Fällt der Strom aus und der Motor wird deshalb funktionslos, muss man sehr wohl denselben mittreten, was die Veranstaltung noch zusätzlich erschwert.