Fahr-Assistenten

Neulich hat’s ein neues Auto gegeben. Den alten C5 habe ich mit einem weinenden Auge weggegeben und in einen modernen Kombi verwandelt. Keine Angst, keine Schleichwerbung hier…

Mit dem neuen Auto kam auch ein völlig neues Fahrgefühl. Mitgelieferte Fahr-Assistenz-Systeme sollten das Autofahren zu einem völlig neuen Erlebnis machen.

Und in der Tat – so war’s auch.

Der Spurhalte-Assistent beispielsweise ruckelt am Lenkrad, wenn er zu erkennen glaubt, man verlasse ungewollt seine Fahrspur. Ist ganz witzig. Kann aber nicht überzeugen, denn meine Fahrweise versteht er nicht. Ich suche in Kurven die Ideallinie wie ein Rennfahrer. Natürlich nur innerhalb meiner Spur. Aber das intelligente Kerlchen ruckelt wie wild, weil er vorausberechnet hat, dass die Fuhre in Kürze aus dem Ruder läuft. Nervt.

Aber so richtig gefährlich wird’s in Autobahnbaustellen. Wenn man in der provisorischen gelb markierten Fahrspur geradeaus fahren müsste, die weissen Markierungen aber nach links zeigen, reisst er so brutal und unverhofft am Steuer, dass man fast mit dem Nebenfahrzeug kollidiert. Kann ich überhaupt nicht drüber lachen – gottseidank lässt sich das Ding abschalten. Dann eben nicht. Spur halten war auch ehrlich gesagt nicht so mein Problem bisher.

Automatic Cruise Control kann da schon eher überzeugen. Das ist so eine aufgebohrte Geschwindigkeitsregelung, die den Verkehrsraum vor dem Fahrzeug mit Radar überwacht. Man wählt eine Geschwindigkeit vor und fährt so vor sich hin, bis man von hinten auf einen langsameren Vorausfahrer aufläuft. Nun tritt die Entfernungsmessung auf den Plan und regelt den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug exakt nach den gesetzlichen Vorgaben ein (2 Sekunden Abstand – immer!). Man fährt nun wie an der Schnur gezogen hinterher. Der Mensch vorn verlangsamt das Tempo – mein Auto hält 2 Sekunden Abstand. Vorn wird beschleunigt – bis zur voreingestellten Geschwindigkeit macht mein Auto mit.

Was passiert, wenn jemand in den (in vieler Leute Augen reichlich bemessenen)  Zwischenraum hineinzieht? Mein Auto bremst, zur Not auch heftig, bis der Abstand zum Vorausfahrer wieder stimmt. Es sei denn, dieser ist schneller und der ehemals viel zu knappe Abstand vergrössert sich schnell – dann passiert nix. Höchst kommod.

Bremst man vorn – sogar bis zum Stillstand – bremst mein Auto gleichfalls, gibt nach zwei Sekunden Stillstand ein Signal und ACC schaltet sich ab. Fährt das Auto vorn innerhalb der Karenzzeit wieder an, macht meins das auch und hält wieder mit. Einzig die Erkennung zierlicher Zweiradfahrer lässt noch Wünsche offen.

Man kann auch an den Vorausfahrer dichter heran – entweder tritt man selbst auf’s Gas und überspielt so das System, oder man setzt den linken Blinker (will heissen, wir überholen).

Wie sind wir nur bisher ohne sowas ausgekommen?

Gleich fällt mir ein, dass damit ja die ach so häufige Meldung „Lkw ungebremst ins Stauende gekracht“ entfallen würde. Da könnte der Gesetzgeber mal was sinnvolles tun und so eine ACC bei neuen Fahrzeugen vorschreiben…

Einzig den City-Notbremsassistenten mag ich nicht im wirklichen Leben (also ohne grösseren Pappkarton als Hindernis) testen. Der verhindert, dass man unterhalb von 30 km/h ungebremst in ein stehendes Hindernis kracht. Aber ich trau‘ dem Braten halt nicht und bremse immer noch selbst rechtzeitig.

Bis zum autonomen Fahren ist allerdings noch ein weiter Weg. ACC liesse sich auch innerorts nutzen. Ich hab’s probiert, bin aber wieder davon abgekommen: Querungshilfen mit Verkehrsschild deutet ACC als Hindernis und bremst unvermittelt heftig, wenn man näher kommt. Von den Grenzen des Spurhalte-Assistenten habe ich ja schon berichtet.

Es hätte auch noch eine Verkehrszeichenerkennung mittels Kamera und Geschwindigkeits-Übertretungswarnung gegeben, allerdings mochte ich den Aufpreis nicht auch noch aufbringen.

Bei aller Assistenz muss man halt doch selbst wach und aufmerksam bleiben…

Merkbefreit

Auf der Fahrt nach Dortmund heute phänomenale 1 ½ Stunden in einem Stau auf der A2 bei Oelde verbracht.

Was war los?

Nix. Strassen NRW hat die Ferienzeit genutzt, um am Hauptreisetag eine Baustelle einzurichten. Nein, das geht nicht am Sonntag Morgen in der verkehrsarmen Zeit. Wir arbeiten für Sie, sind stolz drauf und Sie dürfen das auch merken!

Ja geht’s noch?

Aber auch weiterhin klappt das nicht mit der Rettungsgasse.

Wo bilden wir die nochmal auf dreispurigen Autobahnen?

Keiner weiss es, in lustiger Zick-Zack-Weise reihen sich die Autos aneinander – auf allen Spuren.

Von hinten naht ein Blaulichtfahrzeug. Nun kommt Hektik auf. Alle fahren irgendwie zur Seite – alle? Nein, ein einsamer Geländewagen nutzt die Gelegenheit, kurz vor dem RTW noch die Spur zu wechseln und fährt sich fest. Mitten im Weg. Minutenlang brüllt das Presslufthorn seine klagende Melodei – keinen interessiert’s scheinbar. Bis dann endlich doch nochmal gerückt und Platz geschaffen wird.

Oh ihr merkbefreiten Mitbürger!

Die Rettungsgasse wird schon anfangs der Stauung eingerichtet und nicht erst, wenn gar lustig das Martinshorn erschallt!

Steht so im Gesetz. Aber das kennen wir genausowenig, wie die Vorschriften über das Einfädeln im Reissverschlussverfahren an Engstellen. Sonst würde „drei Spuren auf eine“ nicht anderthalb Stunden dauern!

Muss ich erst noch erwähnen, dass die Rettungsgasse nach der Durchfahrt des RTW genauso spurlos verschwand?

Oh Herr, wirf Hirn vom Himmel! Aber feste, damit nicht nur Cabriofahrer etwas abbekommen!