Workforce

Tja, da ist er also, der neue Drucker.

Ein Epson Workforce 7610. Der kann jetzt auch endlich die grossen DiN C4-Umschläge bedrucken, hat eine veritable automatische Duplexfunktion und kann sowohl per Vorlageneinzug als auch per „Handauflegen“ scannen.

Soweit die frohe Botschaft.

Leider fehlt mir nach dem Auspacken jedwede Gebrauchsanweisung, die das Setup schön übersichtlich erläutern könnte. Die beiliegenden Zettel erklären mich in ungefähr hundert bekannten und unbekannten Sprachen zum Glückspilz, der sich schier doof und dämlich freuen darf, so ein ausgereiftes Produkt wie diesen Epson-Drucker nunmehr sein eigen nennen zu dürfen. In bunten Bildern wird mir mitgeteilt, dass weder Colaflaschen im Einzelblatteinzug noch ein Einsatz unter Wasser diesem High-Tech-Kunstwerk in irgendeiner Weise förderlich seien. Gut zu wissen!

An ein komplettes Handbuch ist ja heutzutage überhaupt nicht mehr zu denken. Aber so ganz ohne „How to setup this fu****g printer“ will’s mir nicht wohl sein. Also mal von allen hundertfünfzig Klebestreifen befreit und dann aufgestellt und mutig eingeschaltet.

Ein hochwohlmelodischer Gong vermeldet, dass der Drucker dienstbereit sei. Zunächst führt mich aber die Maschine per Touch-Screen interaktiv durch den Setup-Prozess. Ach, darum kein Papier! Datum und Uhrzeit, Land, Erdteil, Sprache sowie GPS-Koordinaten des neuen Standorts wollen eingegeben werden. Dann erscheint ein frohgemutes „Setzen Sie jetzt die mitgelieferten Tintenpatronen ein und drücken dann ‚weiter'“.

Hui, da kommt Action auf – schliesslich wollen sämtliche vier Patrönchen von widerspenstiger Plastikumhüllung und Klebefähnchen befreit werden.

Ärgerlich gongt der Drucker vor sich hin. „Bitte setzen Sie jetzt die mitgelieferten….“ Jajaja, komme gleich!

Dann öffne ich erwartungsvoll den Drucker – und kann beobachten, wie der Druckkopf (ohne die Patronen) ziellos auf seinen Schienen hin- und herfährt. An ein Einsetzen von Patronen in das bewegte Objekt ist natürlich nicht zu denken.

Da, jetzt steht er still.

Der erste Versuch, die Verriegelung für die Tintenpatronenhalterung zu öffnen, schlägt fehl. Blitzschnell fährt der Druckkopf nach links, als er meine vorsichtige Annäherung bemerkt und quetscht mir dabei fast die Finger ab!

Auch ein beschwörend gebrülltes „Bullshit!“ lässt ihn nicht innehalten.

Er fährt solange wild hin und her, bis ich völlig entnervt den Drucker ausschalte.

Da fährt er ganz nach rechts in seine Parkposition – aber auch da kriege ich den Bügel, der die Patronen verriegeln soll, nicht auf.

Also erneut einschalten – und natürlich das Setup erneut von Anfang an durchlaufen, da es ja nicht abgeschlossen wurde, wurde auch nichts gespeichert. Nein, nicht mal ein Zwischenstand!

Also wieder den Stand der Sonne, Sprache, Datum und so weiter fröhlich ein zweites Mal eingegeben. Dabei kann ich auf’s Neue bewundern, wie unglaublich interaktiv das Setup ist und wie unglaublich leicht sich der Touch-Screen bedienen lässt, wenn man nur die Colaflasche aus dem Einzelblatteinzug weglässt.

Wir kommen wieder an die Stelle, an der ich aufgefordert werde, nun aber die Tintenpatronen einzusetzen.

Schwups, ziehe ich den Stecker, nachdem der Druckkopf auf seiner ungebremsten Reise zwischen Hin und Her sowie Retour eine mir genehme Position erreicht hat. Klack – alles steht, nichts bewegt sich mehr! So wollte ich das. Hähä, nix mit Finger-abquetschen!

Nun lassen sich auch die Tintenpatronen einsetzen und korrekt verriegeln.

Es fällt mir beim dritten Mal erstaunlich leicht, das Setup-Programm erneut zu absolvieren. Als ob ich das schon mal geübt hätte…. Und im Hui sind wir druckbereit!

Tja, moderne Zeiten halt. Alles so schön intuitiv und selbsterklärend! Oder hätte zum Einsetzen der Tintenpatronen etwa die Colaflasche in den Einzelblatteinzug gehört? Leise Zweifel keimen.

Nun entdecke ich auch nach dem finalemente durchlaufenen Setup, dass der Drucker über ein Wartungsprogramm verfügt, das mir den Druckkopf in eine genehme Position befördert und dort anhalten lässt, damit ich Tintenpatronen tauschen kann. Geduldig wartet er dort ab, bis ich per Touch-Screen den erfolgreichen Abschluss der Mission vermeldet habe.

Bleibt nur das Rätsel: warum zum Geier kann das Setup-Programm an der entsprechenden Stelle nicht dahin verzweigen?

Oder wo war jetzt der Trick, der ohne Stecker-Ziehen zum Erfolg geführt hätte?

Ich muss unbedingt das Handbuch haben!

Gesagt, getan. Auf der Epson-Webseite habe ich nach langem Probieren einen passenden Link entdeckt und das Handbuch herniedergeladen. Ausdrucken mochte ich es nicht, da es – auch seulement in deutscher Sprache – mehrer hundert Seiten umfasst. Ja, Danke Epson, dass du dem Waldfrevel widerstanden hast!

Leider erfährt man im Handbuch manches nicht, manches sogar falsch.

Die Nutzung des Einzelblatteinzuges (ohne Colaflasche, die Tintenpatronen sind doch schon drin, Mensch!) beispielsweise.

Im Handbuch wird erläutert, dass man diesen aufklappt, auf das zu bedruckende Medium justieren soll und dann erst einen Druckauftrag abschicken, bevor man das Medium in den Einzelblatteinzug steckt.

Habe ich einmal versucht – kann nur dringend davon abraten!!

Den Druckauftrag quittiert der Drucker (ist ja noch kein Medium im Einzelblatteinzug) mit einer Fehlermeldung. Sinngemäss „Das im Druckauftag verwendete Medium passt mit seinen Massen nicht zu dem im Druckerschacht befindlichen Papier! Ignorieren? Fortfahren? Abbrechen?“

Egal, was man jetzt anwählt, in der nächsten Instanz müht sich der Drucker hörbar und kämpft um den erfolgreichen Einzug des nun in den Einzelblatteinzug gesteckten Mediums – um dann kurz drauf „Papierstau! Öffnen Sie die Klappe auf der Rückseite und beseitigen Sie diesen! Melden Sie Vollzug per Touchscreen!!“ auszugeben.

Man kann soviele Klappen öffnen, wie man will – Papier staut sich da nirgendwo. Also Vollzugsmeldung (in gebührender Habt-Acht-Stellung des Delinquenten). Und das Drama beginnt seinen Lauf von neuem. Und so weiter und so fort. Man bekommt ganz schön Bewegung dabei, aber keinen Druck des beanstandeten Mediums.

Erst, wenn man – völlig querdenkerisch – die Gebrauchsanweisung ignoriert und ketzerisch vor dem Absenden des Druckauftrages schon mal das zu bedruckende Medium in den Einzelblatteinzug rammt – fördert dieser das Ding auf Anfangsposition und die Meldung poppt auf „Medium im Einzelblatteinzug! Bitte passenden Druckauftrag erteilen!“ Ecco lò! So herum geht es!

Das war den Handbuchschreibern sicher zu einfach, das war jetzt mal so richtig intuitiv und selbsterklärend.

Die alte Weisheit stimmt also: Mit einem guten Handbuch werden komplizierte Dinge noch komplizierter!

Aber als Drucker funktioniert er gut…. wenn man denn weiss, wie man’s anfangen muss.

Alles neu – alles gut?

Schnell mal was ausdrucken…

Damit fängt immer alles Elend dieser Welt an.

Heute früh noch schnell vor dem Weg zur Arbeit mal für Frau Gnä eine Fahrkarte ausdrucken. Ist schon ungeheuer praktisch, dass man Fahrkarten nicht mehr aus dem Automaten ziehen, geschweige denn nach längerer Wartezeit am Schalter buchstäblich „erstehen“ muss.

Aber was tut sich?

Nix.

Der Druckauftrag wurde erfolgreich übermittelt, aber der verdammte Drucker bleibt stumm und untätig.

Ach ja, unjüngst das Betriebssystem-Update eingespielt. OS-X „El Capitan“.

Schön, dass bislang funktionierende Druckertreiber sang- und klanglos eliminiert wurden. Mit dem alten Betriebssystem werden auch veraltete Druckertreiber durch aktuelle ersetzt.

Drucker, so verlangt es ja das Grundgesetz, muss man alle 4, spätestens 5 Jahre neu kaufen.

Gegen diese Bestimmung habe ich stets – bislang erfolgreich – verstossen.

Bei mir werkelt noch ein HP Deskjetz 970Cxi, der hat noch eine veritable Duplexeinheit, die tatsächlich auch noch automatisch die Rückseite meiner Druckseiten bedruckt, ohne dass ich mit Papierstapeln jonglieren muss. Der hat nur zwei Patronen, Farbe und Schwarz und druckt Text auch noch – meistens – mit dem reinen Schwarz dieser Patrone. Wann kam der noch mal in unseren Haushalt? Gefühlt kurz nach der deutschen Einheit.

Klar, dass seit Jahren schon keine Treiber, die den Funktionsumfang des Methusalems unter den Druckern nutzen, mehr verfügbar sind. Da muss man schon zu Spezial-Software à la „Printfab“ greifen.

Aber dass jetzt auch mein HP Photosmart aus dem Jahre 2009 eliminiert wurde, macht mich doch betroffen. Sooo alt ist der doch nicht? Aber das Grundgesetz kennt keine Ausnahmen…

Schaut man sich auf den Seiten diverser Versender um, auf denen der Kunde Kommentare zu seinen frisch erworbenen neuen Druckern abgeben kann, macht sich schon sehr bald Erschrecken breit.

Das typische Beispiel: von dreihundert abgegebenen Kommentaren sind 150 positiv, der Rest mehr oder weniger katastrophal für den Hersteller. Quietschen, Klappern und miserable mechanische Stabilität wird bemängelt. Schlechte Ausdrucke, hoher Tintenverbrauch, ständige Druckkopfreinigungen, fehlerhafte Farbwiedergaben – um nur mal bei den Tintenstrahldruckern zu bleiben. Viele heissen zwar irgendwas mit „Duplex“, aber verlangen vom Nutzer, nachdem die Seiten 1 – 3 – 5 – 7 usw. bedruckt wurden, den Stapel Ausdrucke erneut von Hand in den Drucker einzulegen, damit nun auf der Rückseite jeweils die passende Seite mit gerader Seitenzahl gedruckt werden kann. Sowas ist doch bestenfalls Behelf und kein Duplexdruck!

Und wenn dann noch clevere Hersteller die Verwendung von Nachfülltinte oder Fremdpatronen durch gut konstruierte Software ausschliessen, dann wird’s interessant. Man fühlt sich an die Royal Dutch erinnert, die seinerzeit den Chinesen Öllampen für „umme“ angedient hat. Aber das Öl hat dann diese Investition in kürzester Zeit wieder hereingebracht, denn das war teuer. Und nur das konnte man gefahrlos in den Laternen verfeuern.

Darf ich mal was wünschen?

Also, mein idealer Drucker muss:

  • echten Duplexdruck beherrschen,
  • mechanisch stabil sein – da er etwa 10 Jahre in Betrieb ist,
  • sparsam mit meinem Geld umgehen (also notfalls Tinten auch von anderen Herstellern zulassen),
  • keine gefaketen Fehlermeldungen ausgeben, wenn eine bestimmte Seitenzahl überschritten wird,
  • Din A4-Blätter genauso problemlos bedrucken, wie Briefumschläge oder Rezepte
  • und keinesfalls den Druck auch von Schwarz-Weiss-Dokumenten einstellen, sowie eine Farbpatrone leer ist!

Meint ihr Hersteller, dass ich so’n Ding umsonst haben will?

Nein, dafür bezahle ich sogar einen angemessenen Preis, schliesslich ist mein Auto ja auch nicht aus Pappmachée und hat Geld gekostet.

Ach ja, noch was. Die Betriebssystem-Stricker sollten nicht so flink bei der Hand sein mit dem Aussortieren alter Druckertreiber. Danke!