Nice to have

Im Dezember letzten Jahres konnte ich der Versuchung nicht mehr widerstehen und habe sie mir gekauft. Die Apple-Watch Serie 4.

Mit LTE. Wenn schon, denn schon.

Online geordert und zur Abholung im Apple-Store Hamburg bestellt. Da war ich gerade auf einem Kongress und hatte Musse genug, sie mir selbst abzuholen.

Das ist schon was, so eine Abholung im Apple Store. Einfach hingehen und eine Weile warten, bis jemand das gute Stück vom Lager geholt hat, ist nicht. Man bekommt eine Nachricht aufs iPhone, wenn es soweit ist, dass man sich dem Tempel nahen darf.

Daselbst wird noch selbst das profane Abholen zum Shopping-Erlebnis.

Nach Betreten des Tempels erstmal Verwirrung. Wohin wende ich mich? Hier geistern Massen von Kunden zwischen grossen Tischen, auf denen mal hier ein MacBook, mal da ein iMac einsam stehen, herum. Gelegentlich, eindeutig in der Minderzahl, sind mit bunten T-Shirts uniformierte Mitarbeiter des Stores. Die aber sind umlagert. Eine ganze Runde durch den Store gedreht. Nirgendwo ein Schild, das den Abholwilligen anweist, wohin er sich wenden möge.

Ah, da entdecke ich so eine Art Zeremonienmeister, der am Eingang von den schon geübteren Kunden zunächst angesteuert wird und der denen Anweisungen zu erteilen scheint, wohin sie sich mit ihrem Anliegen wenden mögen.

Fatal, an dem war ich Unkundiger einfach freundlich grüssend vorbeigelaufen.

Also noch mal zurück und alles auf Anfang.

Ja, hinten links, da sei die Ecke derer, die auf Abholung warten. Ein Mitarbeiter werde sich meiner annehmen. Weshalb er mich bei dieser Auskunft aber permanent Duzen muss, erschliesst sich mir nicht. Vielleicht hat er ja früher im Robinson-Club als Animateur gearbeitet?

Auch hinten links in meiner mir zugewiesenen Ecke ein freundlicher junger Mann, der mein Enkel sein könnte und mich penetrant duzt. Nun ja, Schwamm drüber. Her mit der Watch und gut is….

Aber so einfach lässt er mich nicht ziehen. Ob er meine Watch gleich konfigurieren möge? Ernsthaft? Muss ich damit in die Werkstatt, wenn ich irgendwas einstellen möchte? Ich habe noch keine eSIM vorrätig und so lehne ich dankend ab. Das bisschen Einstellen kann ich doch wohl selbst? Kein Problem, er händigt mir nach ein wenig weiterem Brimborium das gute Stück dann doch aus. Bezahlt ist es – er hat’s überprüft, ebenso wie meine Personalien, damit nicht ein Fremder meine Uhr ausgehändigt bekommt. Und so verlasse ich schon nach einer halben Stunde den Tempel.

Ach ja, kurz drauf fragt mich Apple, wie denn mein Erlebnis im Store war, ob ich nicht eine kurze Umfrage mitmachen möchte…

Wertig verpackt ist die Uhr, das fällt gleich beim Auspacken auf. Ein Ladegerät, ein Ladekabel, ein kurzes Armbandstück, ein langes Armbandstück, ein Gegenstück, damit  man das Armband auch schliessen kann – muss alles noch an die Uhr gefummelt werden, klappt aber ohne Technikstudium und ist nach Anleitung in wenigen Augenblicken erledigt.

Jetzt noch die Uhr mit dem iPhone koppeln – und schon fällt auf, dass ohne ein iPhone die Uhr nix wert ist. Fast alle Konfigurationen einschliesslich Einlesen der eSIM werden am iPhone vorgenommen. Konfiguration der Zifferblätter, Auswahl derselben, Auswahl und Installation von Apps – alles ohne iPhone nicht machbar. Naja, wer so eine Watch haben möchte, kommt sicher auch nicht ohne iPhone aus….

Erste Ernüchterung: es lassen sich eine Menge Apps auf die Uhr installieren, die auch auf dem iPhone präsent sind. Allerdings ist der Nutzen doch sehr eingeschränkt: die eine Wetter-App weigert sich konsequent, Daten zu präsentieren. Angeblich findet sie den Ort nicht. Und so geht es weiter. Eine andere Wetter-App zeigt beharrlich Wetterdaten von Berlin. Ich bin aber in Hamburg!

Der DB-Navigator hat gleich was zu maulen, ich solle auf der App am Handy eine Verbindungsanfrage tätigen.

Die Banking-App meiner Bank lässt sich auch auf der Watch installieren, bevor es da aber irgendwie interessant wird, kommt die Aufforderung, ich möge auf dem Handy die App starten und freischalten, danach irgendwas auswählen.

Ja, so habe ich mir das vorgestellt. Die Verlängerung des iPhone mit anderen Mitteln.

Was prima funktioniert, ist die Schrittzählerfunktion. Angeblich kann die Aktivitäten-App automatisch erkennen, wenn ich trainiere. Sie fragt mich auch hin und wieder mehr zufällig, ob ich etwa jetzt trainiere und sie das Training aufzeichnen möge. Allerdings auch, wenn ich bloss zum Bäcker gehe. Die paar Schritte! Aber gern, fügen wir das als Training hinzu. Schliesslich will ja fleissig trainiert und bewegt werden, damit die App zufrieden ist. Nervig die ständige Aufforderung, man möge sich jetzt bitte bewegen. Oder auch nur mal aufstehen. Lässt sich aber gottseidank abschalten.

Die Navigation mit der Watch habe ich nicht ausprobiert, man sieht nur einen kleinen Ausschnitt der Karten-App und kann nicht beurteilen, ob man in die Irre geführt werden soll, oder ob der Kurs Sinn macht, den man mir empfiehlt. Dann doch lieber am iPhone, da sehe ich deutlich mehr auf der Karte.

Nach ein paar Tagen gab’s dann vom Provider die eSIM. Die zu installieren ist sehr kommod. iPhone fotografiert den Würfel-Code von der entsprechenden Seite des Kundencenters, die eSIM wird installiert und das Telefoniervergnügen mit der Watch kann losgehen. Allerdings muss man doch alleine im Raum sein, denn die Watch lässt den Gesprächspartner per Lautsprecher in die Gegend tröten, so dass alle Umstehenden lebhaften Anteil am Gespräch nehmen können. Müssen. Und die Netzbetreiber-Einstellungen am iPhone dürfen nicht ungültig sein, dann ist nämlich keine Verbindung mit der Watch möglich. Bei einem der letzten Updates des iOS erwischte mich genau das. Telefonieren mit der Watch nicht möglich, bitte aktuelle Netzbetreiber-Einstellungen anfordern und einspielen!

Die Notruffunktion habe ich – natürlich – nicht ausprobiert. Hält man die Seitentaste lange gedrückt, wählt das Telefon automatisch den Notruf (110? 112? – hängt von den Netzbetreibereinstellungen ab und sollte automatisch richtig sein) und übermittelt Positionsdaten. Sofern man nicht mehr sprechen kann, stirbt man nicht unentdeckt auf einsamen Feldwegen mitten in der Pampa, sondern wird womöglich noch vor Eintritt der Leichenstarre aufgefunden. Für Leute jenseits der 65 – oder auf Wunsch auch separat aktivierbar – gibt es eine Sturzerkennung. Diese fragt nach einem vermuteten Kollaps oder Sturz nach „Sind Sie gestürzt? Brauchen Sie Hilfe?“ und durch einfaches Schieben eines im Display eingeblendeten Schalters nach rechts wird die Notruffunktion aktiviert. Was aber passiert, wenn man auf diese Frage keine Reaktion mehr zeigt und gar nichts schiebt? Nach 60 Sekunden verliert die Watch die Geduld und kontaktiert den Rettungsdienst. Mit Standortangabe. Und ruft die hinterlegten Notfall-Kontakte an. Cool.

Inzwischen hat Apple die frühzeitig intensiv beworbene EKG-Funktion nachgereicht.

Naja, nett anzusehen, aber der diagnostische Wert ist eher gering. Ich sage nur 1-Kanal-EKG. Man sieht Zacken und kann meist sogar erkennen, ob ein Sinusrhythmus vorliegt. Wenn sich die P-Welle in der Ableitung darstellt. Wenn nicht – heisst das auch nichts weiter, als dass die gewählte Ableitung vielleicht unpassend ist. Mittels der Health-App des iPhone lässt sich sogar ein Ausdruck erstellen oder gar das EKG dem behandelnden Arzt als .pdf-file zustellen. Apple warnt jedesmal beim Starten, man könne mit diesem EKG keinen Herzinfarkt erkennen und die App ersetze nicht den Arztbesuch. Ehrlich sind sie ja. Eher nettes Gimmick.

A propos Gimmick, man kann die Uhr zum Sprechen bringen. Jaja, „Hey Siri“… Aber das meine ich nicht.

Wenn man Micky-Maus oder Minnie-Maus als Zifferblatt auswählt, wird die Uhrzeit angesagt. Da reicht ein Tippen aufs Zifferblatt, um die Ansage „Es ist XY-Uhr. Guten Morgen, Kumpel“ auszulösen. Tippt man erneut, bleibt es bei der Uhrzeitansage. Wohl damit man sich den frechen „Kumpel“ nicht leidhört. Tageszeitabhängig heisst es auch mal „Guten Tag“, „Guten Abend“ oder „Gute Nacht“ – „Kumpel“.

Das Zifferblatt ist dabei nett anzusehen, denn Micky oder Minnie wippt im Rhythmus der Sekunden mit dem Fuss, das teilt sich dem ganzen Körper mit, ein Arm dient als Stunden- und der andere als Minutenzeiger. Leider kann zumindest ich nicht exakt erkennen, ob auf diese Weise 20:14 oder 20:15 angezeigt wird.

Ach ja, Besitzer eines iMAC oder MacBook können ihre Geräte mit der Apple-Watch entsperren.

Man muss dazu aber leider beide Geräte im selben W-LAN angemeldet haben und auf beiden Bluetooth aktiviert. Das Entsperren funktioniert recht zuverlässig und kommod. Aber leider hat nach einer Weile mein iMAC nicht mehr regelmässig mitgespielt. Und die Watch war natürlich im W-LAN-Betrieb doch recht oft hungrig nach frischer Energie und musste ans Ladegerät.

Sollte man nicht allzu viel mit ihr herumtüdeln, kann man durchaus zwei ganze Tage ohne Nachladen auskommen. Dazu muss man sie aber über Nacht vom Arm nehmen, denn Herumdrehen oder Bewegen des Arms im Bett reichen völlig aus, um das Zifferblatt aufleuchten zu lassen. Und je unruhiger man schläft, umso eher überrascht einen die Mitteilung „Uhr laden!“ am nächsten Morgen. Oder man wählt die „Schwimmen“-Funktion, da bringen Bewegungen und Berührungen das Display nicht zum Leuchten. Auch „Theater“ hilft, da bleibt die Uhr dunkel, es sei denn man dreht wortwörtlich am Rad.

Apple-Pay funktioniert einwandfrei. Man muss die Funktion mit seiner Bank separat vom iPhone freischalten. Ist aber in wenigen Schritten erledigt. Und dann kann man großkotzig einfach die aktivierte Uhr an das Terminal beim Aldi halten und „pling“ erscheint ein Haken im Display und die Zahlung ist erledigt. Staunt aber meist niemand so richtig, denn das Ganze geht so schnell, dass das kaum einer mitbekommt. Sicher ist es auch, denn die Uhr erkennt, wenn man sie vom Handgelenk nimmt und will danach erst wieder alle Funktionen erlauben, nachdem man seinen Gerätecode eingegeben und sich als rechtmässiger Träger ausgewiesen hat.

Versuchsweise habe ich mal eine Golf-App installiert. Sie könne die Runde aufzeichnen. Leider klappt das nicht so, wie von der Garmin Approach S60 gewohnt. Die App steckt aber ordentlich voller Werbung (kann man sicher gegen Geld abstellen) und man nimmt unfreiwillig an der Betreuung durch Serien-e-mails teil, die man immerhin abstellen kann. Das Ergebnis einer aufgezeichneten Runde kann nicht so richtig überzeugen, Schlagweiten kann sie irgendwie gar nicht abmessen und auch bei der Darstellung des Spielverlaufs auf dem Course ist deutlich Luft nach oben. Die Positionsbestimmung per GPS frisst nur so Batteriestrom und ist leider recht ungenau. Also wieder deinstalliert, bleiben wir lieber bei der Garmin.

Es bedarf eines Armhebens um das Zifferblatt sehen zu können, sonst ist die Uhr schwarz. Dabei reagiert sie nicht ganz zuverlässig auf die Bewegung, meistens funktioniert’s, aber nicht immer.

Auch die Leuchtdauer des Zifferblattes variiert sehr – und sehr unvorhersehbar. Anfangs dachte ich, das hänge von der Batterieladung ab, aber das hat sich als Trugschluss herausgestellt. Es scheint seinen eigenen Gesetzen zu gehorchen.

Nervig: legt man die Uhr im dunklen Schlafzimmer auf den Nachttisch, dann leuchtet sie gefühlt eine Ewigkeit vor sich hin und stört die bereits schlummernde Ehegattin. Man kann die Leuchtstärke zwar mindern, indem man an dem seitlich angebrachten Multifunktionsrad dreht – aber nach dem Ablegen ist wieder die Standard-Einstellung aktiv.

Wenn ich genau darüber nachdenke, fällt mir jetzt nicht wirklich ein Grund ein, warum man so ein Gerät haben muss.

Aber Spass hat man damit schon – und jede Menge Motivation für körperliche Fitness. Kein „must have“, eher „nice to have“.

 

 

 

neues iPhone

Hab’s. Endlich. Das iPhone 4 mit 32 GB Speicher.

Hat sich das Ganze gelohnt?

Oh ja.

Da ist zum Beispiel die neue Kamera. Endlich genug Megapixel (nämlich 5), um das Bild hinterher noch bearbeiten zu können. Und endlich ein Blitz. Und endlich ein Autofokus. Und eine Zoom-Funktion. Und: eine HDR-Funktion. Ich war ja skeptisch… aber die Bilder vom größten Tannenbaum Europas in Dortmund haben doch überzeugt. Oder die Weihnachtsmarkt-Aufnahmen. Es wird immer das Original gespeichert und anschließend die HDR-bearbeitete Aufnahme. Die Software müht sich redlich, das kostet eine gewisse Weile Geduld – aber das Ergebnis lässt sich sehen:

So bin ich nicht mehr ganz so panisch, wenn ich irgendwo auf ein gutes Motiv treffen sollte und habe meine Kamera(s) nicht griffbereit. Das iPhone kann sie zur Not ersetzen.

Fein.

Dann ist da noch genug Speicher, um eine Weile Fotos zu machen, ohne Probleme zu bekommen.

Ach, und mit der Tomtom-Car-Kit-Halterung (mit integriertem zusätzlichem GPS-Empfänger) zusammen klappt’s auch mit der Navigation. Gestern getestet, hatte die Ganze Zeit über ein gutes Signal und stets meinen aktuellen Standort korrekt angezeigt – dabei lag das Tomtom-Dingen mit meinem Handy drin auf der Mittelkonsole im Astra – fernab einer guten Position auf dem Armaturenbrett oder unterhalb der Frontscheibe. Der iPhone-GPS-Empfänger hat selbst auch tüchtig zugelegt: neulich auf dem Golfplatz hatte ich trotz Bewölkung ein Signal mit einer Genauigkeit von 5m, das alte 3G konnte da nur mit 19m-Radius den Standort bestimmen. Also. Geht doch.

Ach, just one more thing…..
Endlich kann auch ich die Beatles mit Genuss hören. Wir erinnern uns: die haben ja damals Stereo erfunden. Oder besser: versucht. Wie einfach die damals stereofonierten: Bass und Drums links, Gitarre und Gesang rechts. Habe ich schon erwähnt, dass mir da als einohrigem Kopfhörerfan echt der Spaß verdorben ist? Entweder man hört sie singen, oder Bass und Getrommel. Ätzend!

Endlich kann auch ich jetzt (wie ab 3GS möglich) beide Kanäle zu Mono zusammenlegen – und die ganze Beatles-Musik geniessen. Ecco lò!

Und: last but not least – das Adressbuch kann jetzt auch mit Geburtsdaten vor 1933 umgehen. Endlich.