Reisesplitter – 1

Es war zu einer Zeit, als man noch in die USA reisen konnte, ohne die Schuhe ausziehen zu müssen vor dem Einchecken.

Also lange her.

Traditionell ist es leicht, in den USA zu reisen.

Wir hatten nur das Hotel am Ankunftstag reserviert, da wir nicht fertig vom langen Flug, der Einreiseprozedur und der Übernahme des Mietwagens noch lange herumsuchen wollten. Aber sonst: man fährt soweit, wie man mag, verlässt die Interstate oder den Highway und biegt auf die business-route der jeweiligen Stadt ein. Hier reihen sich Tankstellen, Burgerbuden, Restaurants und Motels aneinander. Sofern nicht gerade eine Messe oder ein Feiertag nationaler Bedeutung ist, hat man die freie Auswahl.

Wir waren auf einer Südstaaten-Rundreise und nach ungefähr 10 Übernachtungen in Motels eher unangenehmen Charakters diese Form der Übernachtung leid. Keine Gardinen vor’m Fenster, das Fenster zum Umgang hinaus, auf dem ständig Leute hin- und herliefen, so dass man gezwungen war, das Rollo zu schliessen, wenn man mal aus der Hose steigen wollte. Und dann war’s halt pottfinster, so dass man am hellichten Tag Licht brennen musste.

Auch das Publikum hier ging uns ein wenig auf den Geist.

Also habe ich die Reservierungs-Hotline einer bekannten und beliebten Hotelkette angerufen, um unsere letzten 10 Übernachtungen festzuklopfen.

Eine freundliche Stimme mit spanischem Akzent meldet sich, sie sei Ramona, wie könne sie mir helfen.

Nun, ich ordere also ein Doppelzimmer in derunder Stadt zu diesem und jenem Datum.

Soweit, so gut.

Jetzt aber will sie meine Daten.

Meine Bonusclub-Karte sei leider noch nicht im System.

Also alles „per Hand“ übermitteln.

Lustig, sogar das Buchstabieren von „Babbenhausener Str. 66a“ auf amerikanisch-englisch klappt sofort. Ich höre sie eifrig auf der Tastatur herumklappern. „Bad Oeynhausen“ ist schon eine leichte Übung im Buchstabieren auf Yankee.

Dann kommen wir zur Postleitzahl. „Your zip-code?“ begehrt sie nun zu wissen. Ich nenne ihn. Ihr entfährt ein jubelndes: „Oh, Sie wohnen in Fort Walton Beach, Florida!“

Nein, tu ich nicht. Bad Oeynhausen, Germany! Ja, das sei aber der zip-code von Fort Walton Beach, Florida!

Ich schlage vor, sie möge – wie international üblich – ein „D“ wie Dschörmany vor die Zahl setzen.

Nein, sie habe nur 5 Stellen, das gehe also nicht.

Es handelt sich, wohlgemerkt, um einen international agierenden Hotelkonzern!

Na gut, dann lassen wir’s halt dabei.

Ihre Frage: ob sie noch etwas für mich tun könne, bejahe ich freudig und will für den übernächsten Tag ein weiteres Hotel in einer anderen Stadt buchen.

Sie (unsicher): Ja, dann brauchen Sie die Reservierung von eben nicht? Dochdochdoch!!! Dies sei jetzt eine weitere Reservierung. Unabhängig von der vorangegangenen.

Und nun wiederholt sich das Spiel. „Oh, Sie wohnen in Fort Walton Beach, Florida!“ jubelt sie wieder bei der Eingabe der Postleitzahl.

Ein Versuch noch, ihr das auszureden, dann gebe ich’s auf.

Und buche – flüssig buchstabierend – noch 8 weitere Übernachtungen.

Natürlich hat sie keine Lust, sich das einmal auf einen Zettel zu notieren, auch als ich ihr das vorschlage, da ich ja noch viele Reservierungen tätigen möchte…

Jedesmal erneut alles buchstabieren. Das übt. Vielleicht hat sie ja auch beide Hände in Gips und tippt mit der Nase, so dass sie gar nichts auf einen Zettel notieren kann?

Egal.

Am Ende der Prozedur – die Stunde ist herum – verblüfft sie mich mit ihrem Scharfsinn. „Are you travelling, Sir?“ ist ihre Frage zum Abschied. Da fällt mir aber jetzt die Kinnlade auf den Schreibtisch. Was hat mich verraten?

 

Im ersten Hotel angekommen, eine Überraschung. Am Empfang eine gelangweilte Schwarze, die Fingernägel feilend hinter dem Tresen lungert. „Schäfer, I have a reservation for tonight..“ wird nach kurzem Tippen (wie kann man mit derart langen Fingernägeln eigentlich nur jeweils eine Taste erwischen?) mit „No!“ beantwortet.

Ich insistiere. Nein, nein und nochmals nein.

Ich frage: gibt’s noch ein MMM-Hotel in dieser Stadt?

Nö.

Ja, dann bin ich hier Gast!

Nö. Kann Sie nicht im System finden.

Ich raus ans Auto, den Zettel mit der Reservierungsnummer holen. Sie tippt erneut bravourös – et voilà, da isse ja, die Reservierung.

Mr. Rainer Rainer aus Fort Walton Beach, Florida.

Hömm.

Später, auf dem Zimmer, rufe ich erneut die Reservierungshotline an.

Schildere einem diesmal ohne Akzent sprechenden Menschen das Problem. Ich sei nicht „Rainer Rainer, Fort Walton Beach, Florida“. Er verspricht Abhilfe, ja, das könne schon mal vorkommen, wenn die Leitung schlecht sei… versucht er, sich höflich herauszureden. Ich misstraue dem Ganzen und korrigiere erstmal nur die nächste Reservierung.

Neuer Tag, neue Stadt, neues Hotel – neues Glück?

„Schäfer, I have a reservation for tonight“ wird mit „yes, Mr, Schafer“ beantwortet. Alles klar, na geht doch!

Und dann kommt: „Ich sehe gerade, Sie teilen sich Ihr Zimmer mit Rainer Rainer aus Fort Walton Beach, Florida“….

Ich kann nur noch geistesgegenwärtig stöhnen: „Rufen Sie mich an, wenn der hier eintrifft?“

Böhmermann und kein Ende

Vor allem auf Facebook fällt bei Veröffentlichungen zu diesem Thema auf, wie viele Leute

  • kaum der Deutschen Rechtschreibung mächtig sind
  • Satire, Humor, Komik und Beleidigung nicht auseinanderhalten können
  • plötzlich mindestens ein juristisches Staatsexamen abgelegt zu haben scheinen

Also mal langsam und zum mitschreiben.

Böhmermann.

Wer war das nochmal?

Der hatte doch mitten in die aufgeregten Diskussionen in der griechischen Finanzkrise Öl ins Feuer gegossen, als er zugab, das Varoufakis-Stinkefinger-Video „getürkt“ zu haben (hahaha). Nicht sofort, sondern erst, nachdem gebührend Aufregung um diese Geste entstanden war und der damals amtierende griechische Finanzminister von Vater Jauch ordentlich angemuht worden war.

War das witzig? War das Kunst? Naja, die Antwort kann er sich sicher selbst geben.

So, und nun zum Erdogan-Ziegenf*****-Gedicht.

War das witzig? War das Kunst?

Die Antwort erhält er dann vermutlich in Kürze. Von einem ordentlichen Gericht. Sein Risiko, ernsthaften Schaden als Folge solcher Beleidigungen davonzutragen, schätze ich mal als gering ein.

Ja richtig. Beleidigung. Einen anderen Menschen der Sodomie zu bezichtigen, ohne dafür auch nur hinreichende Beweise zu haben, ist eine Beleidigung, auch wenn der Andere ein momentan sehr unbeliebter ausländischer Politiker ist. Und so etwas wird weder von der Kunst- noch Pressefreiheit geschützt. Und ist leider auch nicht im Mindesten humorig/witzig.

Jedenfalls ist Böhmermanns Risiko viel geringer, als wenn er die Stirn besessen hätte, das Ganze in Ankara und auf Türkisch zu Gehör zu bringen. Das wäre doch mal witzig gewesen!

Oder mindestens für den nächsten Darwin-Award gut.

Meine Mutter jedenfalls hat mich gelehrt: „Wenn du jemanden beleidigen willst, musst du stärker oder schneller sein, als er. Sonst gibt’s was auf die Jacke.“ So aus sicherer Entfernung, aus einem öffentlich-rechtlichen Fernsehstudio, ginge auch. Aber dagegen, dass für solche „Kunst“ meine Gebühren verbraten werden, dagegen habe ich was. Und dafür müsste man im Sender die entsprechenden Verantwortlichen auch mal belangen!

about: Golf – der Herrennachmittag

Tapfere Recken des Golfsports versammeln sich zu gebotener Stunde, um gemeinsam eine (vorgabewirksame) Runde zu spielen.
Der Herrennachmittag.
Golf in seiner Urform. No women – no dogs!
Kann es ein ernsthafteres Bemühen um ein schönes Spiel geben, als wenn man mit in vielen Runden gestählten Golfern zusammen über den Platz geht? Auch wenn man gerade mal nicht seinen besten Tag hat und kaum Punkte macht, kann man hier doch viel lernen. Denn wer so lange Golf spielt, wie die meisten hier, der kann zumindest die Spielregeln.

Aber was ist das? Da liegt ein Ball in einem Divot mitten auf dem Fairway. Wer hat es gewagt, den Rasen zu beschädigen, ohne das ausgehauene Stück wieder einzusetzen? Tja, den Regeln nach ist so eine Balllage zwar ärgerlich und schlecht, aber „Spielzufall“ und es muss gespielt werden, wie der Ball liegt. Jedenfalls keine Chance, hier eine straffreie Erleichterung geltend zu machen.
Wirklich?
Soeben nimmt der Spieler seinen Ball in die Hand und betrachtet ihn sinnend. Soll wohl bedeuten: ich identifiziere meinen Ball. Danach legt er ihn würdevoll wieder zurück an dieselbe Stelle. Halt: nicht ganz dieselbe Stelle. Denn dazu hätte er ihn vor dem Aufnehmen markieren müssen, den Ball. Hat er aber nicht. Und so wundert es mich nur ein wenig, dass der Ball schön neben dem Divot zur Ruhe kommt – rein zufällig. Und weiter geht’s mit einem schönen Schlag….

Oder der Ball kommt in einem mit blauen Pfählen markierten Areal zur Ruhe. „Boden in Ausbesserung“ – auch dafür gibt’s eine Golfregel. Das eigentlich vorgesehene Fallenlassen des Balls nach den Regeln entfällt aber auf dem Herrennachmittag schon mal. Dafür kann man ihn da hinlegen, wo man meint, die Behinderung sei nicht mehr gegeben – ein im wahrsten Sinn des Wortes dehnbarer Begriff…. Auf diese Ungenauigkeit angesprochen, kriegt der Kamerad einen roten Kopf und spricht fortan mit leicht erhobener Stimme zu mir. „Also, ich spiele schon 20 Jahre Golf und immer haben wir aus ‚blau‘ besser gelegt, das ist mir jetzt völlig neu, dass ich hier droppen soll!“ Solchen Argumenten kann ich mich nur schwer widersetzen…. Was sind schon Golfregeln gegen Lebenserfahrung?

Nach eben diesen Regeln zieht man sich einen Strafschlag zu, wenn man seinen Ball nach dem Ansprechen bewegt – ob versehentlich oder gewollt ist nach der Regel unerheblich. Kann man bei den Recken des Golfsports immer wieder beobachten, dass solche Art Bewegung in die Berechnung der benötigten Schläge bis zum Einlochen nicht eingeht.

Die Krönung kommt dann auf der Bahn, an der man seinen zweiten Schlag direkt aufs Grün zielen kann – wobei der Ball aber eben leider ein größeres Stück Land dabei überqueren muss, das „off limits“ ist – also „Aus“. Landet er da drin, ist es sehr ärgerlich. Man kann ihn nicht wieder zurückholen, er liegt da drin – „Betreten verboten“-Schilder sind reichlich aufgestellt und eine dichte Hecke hindert ganz Unerbittliche daran, das alles zu ignorieren.
Ein Spieler nimmt seinen Ball nach dem Abschlag vom Fairway auf (natürlich ohne zu Markieren, wenn schon, denn schon!) und ersetzt ihn durch einen alten, abgenudelten mit den Worten: „Ich tausche den mal aus, falls der doch ins Siek geht“. Weise Entscheidung. Er geht ins Siek. Und da es der alte, abgenudelte ist, muss niemand ausgiebig weinen. Allerdings finde ich solcherlei Vorgehen in keiner Golfregel beschrieben.

Nun, ich will nicht so tun, als sei ich ein Regelpapst und in jeder Frage einer Antwort mächtig. Und genauso wenig kann ich behaupten, immer alles regelkonform zu handhaben. Die Sache mit dem Glashaus und dem Stein ist mir durchaus geläufig.
Aber später lese ich zumindest mal nach, was so offiziell zu dieser oder jener Frage geschrieben steht und versuche, das künftig in ähnlichen Situationen zu beherzigen.
So hin und wieder würde ich mir doch wünschen, dass auch der Herrennachmittag Golf streng nach den Regeln spielt, die in dem kleinen Büchlein.
Alles andere ist halt kein Golf.

Frage: was tun, wenn man sich in solchem munteren Treiben nicht wohl fühlt? Ist ja wohl kaum meine Aufgabe, die Herrschaften zu korrigieren – nach dem Motto: Verwandte hat man, Freunde braucht man nicht. Und als Spaßbremse, die zum Frühstück schon ein ganzes Regelbuch nebst aktuellen Decisions verspeist, möchte ich auch nicht gelten.
Also: Augen zu und durch. Irgendwann geraten sie schon an die Richtigen….
Und: es ist ja durchaus nicht nur ein für den Herrennachmittag spezifisches Problem, dass jeder mit seiner eigenen Auslegung der ehemals verinnerlichten Regeln unterwegs ist. Es ist mir nur aus diesem Anlass mal wieder bewußt geworden, dass es so ist. Von daher mag der Eindruck, ich schmähe diese Veranstaltung, missverständlich sein.

P.S.: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig, unbeabsichtigt und ohne Bedeutung. Sollte sich in meinen Schilderungen jemand wiedererkennen, würde es mich wundern. An seiner Stelle würde ich standhaft leugnen, mich zu kennen.