winterfest

ist die DB offenbar immer noch nicht.

Da hat es dieser Winter doch am 3.1.2016 gewagt, die Oberleitung zu vereisen, weshalb der IC von Norddeich nach Köln stecken geblieben ist.

Zunächst wurde er per Diesel-Lok zurückgeschleppt. Die Fahrgäste haben die Nacht teils im Zug – ja, der war geheizt und dafür hat sich die Bahn auch gebührend feiern lassen – teils in einer Halle verbracht.

Ich weiss ja nicht, wie die das in anderen Ländern mit mehr Winter regeln, z.B. Norwegen – da fährt man auch im Winter elektrisch Eisenbahn.

Ein Trick scheint folgender zu sein: man hängt beide Pantografen an die Leitung, der vordere fegt das Eis weg, der hintere hat dann Kontakt und der Zug fährt.

Das Problem bei Eis an der Oberleitung wird hier schön beschrieben. Und damit ist auch klar, warum die Zwei-Pantografen-Lösung nicht taugt für schnellfahrende Züge: der Verschleiss an Leitung und Pantografen ist enorm.

Wie man auf Wikipedia lesen kann, gibt es eine Möglichkeit, die Leitungen selbst zu enteisen. Dazu heisst es lapidar: „..in Deutschland nicht vorhanden.“. Nun ja, als ob hier kein Eisregen möglich sei.

Am nächsten Morgen ging’s weiter Richtung Köln – allerdings nur einige wenige Kilometer, dann machte eine vereiste Weiche dem Fortkommen wieder ein Ende.

Fragt sich mal wieder, wo sie denn alle geblieben sind, die Weichenheizungen, die – zumindest auf den Hauptstrecken – früher die Bahnfahrerei auch im Winter ermöglicht haben.

Haben wir eingespart, Stichwort: Kostenminimierung, um die Bahn fit für den Börsengang zu machen.

Jaja, die vier Feinde der Deutschen Bahn: Frühling, Sommer, Herbst und Winter…. sind eigentlich nur eine schlechte Ausrede. Früher hatte man den Slogan „Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Die Bahn„.

Das waren noch Zeiten, als man die Uhr nach den Zügen stellen konnte. Aber dann kam die Idee vom Börsengang.

Und eine Bundesregierung, die einen grossen Teil der Einnahmen der DB abschöpft, statt sie zu investieren.

Aber dafür gibt’s jetzt die Verspätungs-Meldungen per e-mail. Automatisch.

Schöne neue Welt!

Lieber hätte ich Züge, die auch fahren, statt per e-mail über Verspätungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Tracking

Es ist schon etwas dreist, an Weihnachten die Bahn benutzen zu wollen. Meine Verwandschaft kommt uns am ersten Feiertag besuchen. Die ungeheure Strecke von Dortmund bis Bad Oeynhausen gilt es zu überwinden. Fahren die Züge? Wenn ja, pünktlich? Oder wieviel Verspätung muss man einkalkulieren?

Immerhin keimt Hoffnung auf: der starke Schneefall von Gestern ist Schnee von Gestern – und die Nacht über hatten wir nur mässige Kälte im einstelligen Minus-Bereich. Also kein Grund zur Panik, sollte man meinen.

Und: die Bahn hilft. Ungeachtet ihrer Warnung, die eigenen Züge zu benutzen, stellt sie tapfer Informationen ins Netz.
Ist fast so spannend, wie „tracking“ bei DHL. Die haben es fertiggebracht, mir 2 € extra abzuknöpfen für ein Päckchen in die Schweiz, mit dem Hinweis, dann könne man das Päckchen „träcken“. Das hat aber dann nicht funktioniert, da es sich ja nur um ein Päckchen handelte, da sei sowas nicht im Angebot. Ähh – wofür waren nochmal die 2 € extra? Erst auf mehrfache Beschwerden teilt man mir in einem Formschreiben inmitten von Standard-Textbausteinen eine „RM-Nummer“ mit, mit der für einen kurzen Moment der Stand der Dinge zu ermitteln war. Aber auch nur ganz kurz. Immerhin, das Päckchen ist trotz der Behinderungen durch die ungewöhnliche Witterung zu dieser Jahreszeit am Bestimmungsort angelangt.

Genau so scheint es bei Bahnens zu sein.

Da gibt es schon auf der Startseite den Link „Ist mein Zug pünktlich?“
Nach Eingabe von Abfahrtsort und Zeit steht einer detaillierten Auskunft nichts mehr im Wege. Ausser vielleicht die Bahn selbst. Bei den meisten aufgeführten Zügen wird „keine Angabe“ vermerkt oder es steht schlicht und ergreifend keinerlei Bemerkung da. Ah ja. Erhellend. Einige tragen ein rotes Dreieck im Zuglauf – ein Hinweis auf wichtige Hinweise wie Zugausfälle und ähnliches, sagt die Bahn. Und was liest man dann? „Es kommt eventuell zu Ausfällen“. Tja. Unser RE 10613 wird mit „k.A.“ aufgeführt. Klick klick, nun bin ich genauso schlau, wie zuvor.

Deutlich klüger wird man, wenn man den DB-Konfigurator auf dem Handy benutzt oder bei der Bahn auf „Fahrplan & Buchung“ klickt, sich den entsprechenden Zug heraussucht. Siehe da, plötzlich weiss man, dass der RE 10613 nach Minden +70 Minuten auf den Fahrplan hat. Den gleichen Effekt hat es, wenn man einfach auf der Seite „Ist mein Zug pünktlich?“ mal ungeachtet sonstiger Bemerkungen auf die Zugnummer klickt. Da tun sich dann plötzlich doch detaillierte Informationen auf. Von wegen „k.A.“! Plötzlich sieht man doch die +70 Minuten.
Man erwischt also um kurz nach 11 ab Dortmund eventuell den Zug, der eigentlich um 9:55 hätte dort abfahren müssen. Dadurch ist die gefühlte Verspätung nicht so riesig, bloss dass man nicht mit dem fahrplanmässigen Zug reist. Auch nicht schlecht. Der Vorläufer hat bis zum Ziel Minden +90 Minuten erreicht, das gilt es zu schlagen. Also: tendenziell etwas besser sind wir schon – aber noch nicht am Ziel.

11:05: Gerade erhalte ich telefonische Rückmeldung aus dem Brennpunkt des Geschehens: man sitze jetzt im Zug, aber wann der abfahre, werde man ggf. erfahren, wenn es soweit ist.

11:18: Neuester Stand vom Ort des Geschehens: Der Zug fährt. Einige Türen sind eingefroren. Daher werden die entsprechenden Wagen auch nicht genutzt. Der Zug fährt also – genauso voll wie immer – mit halber Wagenkapazität, was eine schöne menschliche Nähe und innige Wärme ermöglicht. A propos „Wärme“ – geheizt sei der Zug. Na immerhin. Und mit +80 Minuten auf den Fahrplan schon fast im Bereich des Vorläufers. Also! Geht doch!

Zu früh gefreut! Um 12:40 erreicht uns ein Hilferuf: die Verwandschaft steht in Löhne-Bahnhof. Man hat dort die Fahrt für beendet erklärt, damit der Zug von da in Gegenrichtung fahren könne – mit diesem Maneuver sei er dann zumindest Richtung Düsseldorf nahezu pünktlich.

Ich wusste es doch – der Bahn fällt immer was ein! Die letzten drei Stationen werden einfach ausgelassen, dazu gleichzeitig noch die ersten drei der Gegenrichtung – mit dieser „Abkürzung“ hammer’s dann ja wieder!

Was waren nochmal die vier Feinde der Deutschen Bahn? Ach, das hatten wir schon.

Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn!