Auf dem absteigenden Ast

Kann es sein, dass die Dummheit der Menschheit inzwischen im Quadrat wächst?

Man könnte den Eindruck schon bekommen.

Da versucht ein Kfz-Lenker gleichzeitig mit mir Fahrradfahrer durch eine Engstelle zu fahren, obwohl optisch gut erkennbar ist, dass es für ihn allein so gerade man reicht. Ja und ich? Soll ich mich in Luft auflösen? Dummbatz! Und das nicht etwa einmalig, sondern an beinahe jedem Tag, den ich mit dem Rad unterwegs bin. Nein, das ist jedesmal ein anderer Autofahrer…

Oder ein weiteres Indiz: im Regionalexpress tönt jedesmal in größeren Umsteigebahnhöfen die Durchsage: „Bitte achten Sie beim Aussteigen darauf, ihre persönlichen Gegenstände mitzunehmen.“ Ja watt? In weniger wichtigen Bahnhöfen darf man seine Sachen liegen lassen?

Die Durchsage: „Bitte achten Sie beim Aussteigen auf die Höhendifferenz zwischen Wagen und Bahnsteig“ kann ich verstehen, seit ich beobachtet habe, wie jemand mit dem Smartphone vor der Nase aus dem Waggon gestolpert kam und beinahe gestürzt wäre, weil er eben die Höhendifferenz nicht beachtet hat. Tja, das Leben findet jetzt eben mehr und mehr virtuell statt.

Oder der Wetterbericht im Radio:

Nach einer durchfrosteten Nacht mit ordentlich Minusgraden trifft jetzt eine Warmfront mit Regen ein. Früher wäre das Grundschulwissen der niedrigeren Klassen gewesen, dass nun das sogenannte „Blitzeis“ droht – aber heute bedarf es der Ermahnung der Sprecherin: „Achtung, die Strassen können seeehr seeeehr glatt werden.“

Und darum nimmt die Betreuung immer mehr zu. Das iPhone beispielsweise weiß ja schon immer im Voraus, was ich jetzt schreiben will und vergrößert den Bereich der betreffenden Taste automatisch. Dabei kommt leider sehr oft Müll heraus. Oder wie soll ich Fuss mit zwei s schreiben, wenn das iPhone voraussieht, dass auf das erste s jetzt ganz sicher ein d kommen muss? Fusd steht da jetzt. Fand ich bislang nicht im Lexikon, aber was nicht ist, wird sicher noch werden. Nein, das ist nicht die Autokorrektur, die treibt’s noch doller und ist darum bei mir abgeschaltet. Das ist irgendwie eingebaut. Und so wird dann aus Jahr Kahr und nieselt heißt plötzlich niedelt. Soll damit meine Streßtoleranz getestet werden? Das ganze wird sicher sofort besser, wenn Apples KI diese Dinge übernimmt. Nicht.

Auf der Verpackung einer Waschtisch-Armatur steht großartig das benötigte Werkzeug aufgelistet. Hilfreich? Öh – nö. Denn neben diversen Spezialwerkzeugen steht lapidar „Gabelschlüssel“. Schön. Und welche Größe bitte? Die gängigen sind 10er, 13er, 17er und wer ein Auto hat, braucht auch 19er und 21er gelegentlich. Irgendein Tip, welche Größe Gabelschlüssel es sein darf, wäre hoch willkommen…

Und das beste zum Schluß: An Denglisch statt Deutsch haben wir uns schon lange gewöhnt. Der Coffee-To-Go ist allen ein Begriff. Aber beim Bäcker sah ich dann über der Kasse für In-House-Verzehr (ja, ich kann’s auch!) die Inschrift: To Bleib hier anstellen. Tja. Das ist perfekt. To Bleib or To Go, das ist hier die Frage…

To be continued.

 

Digitales Deutschland – mal wieder

Als ich neulich die Zeitung aufschlug, fiel mir gleich ein ausführlicher Artikel ins Auge. Der digitale Fahrzeugschein (aka ZB Teil I) sei da. Niemand müsse mehr den Original-Fz-Schein mitführen, bei Kontrollen sei die „iKfz“ genannte App ausreichend.

Hurra!

Endlich geht’s voran im besten Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.

Gleich die app installiert und loslgelegt. Fein, ein Assistent führt auf Wunsch durch alle Schritte, die den digitalen Fahrzeugschein herbeizaubern sollen. Und siehe: es klappt!

Ganz doll gefreut und sogleich dem Frauli auch die app installiert, samt Laden des digitalen Fahrzeugscheins.

Und jetzt kommt das dollste: man kann seinen digitalen Fahrzeugschein teilen! Jawohl, einfach einen QR-Code erstellen, den liest Fraulis app ein – et voilà hat sie ihre Kopie in der app. Kein Suchen mehr, wenn sie mit meinem oder ich mit ihrem Auto fahren wollen. Keine vergessene Rückgabe. Alles gut!

Ich stelle mir gerade vor, wie der Autovermieter mir eine digitale Kopie der ZB Teil I aufs Handy schickt, die für den Mietzeitraum befristet ist und sich danach von selbst wieder löscht. Wenn ich die Bedienungsanleitung richtig verstanden habe, funktioniert das mit der app nämlich. Keine halbseidenen Fotokopien (wenn überhaupt) mehr, sondern ein jede Kontrolle überstehendes digitales Dokument. Prima!

Alles gut?

Die Freude hat ein jähes Ende, wenn man eine europäische Binnengrenze überschreitet.

Fahren wir in die Niederlande, gar nicht so weit weg von unserem Zuhause, muss doch wieder das Papierdokument vorgelegt werden, die app hilft ausserhalb Deutschlands nicht weiter.

Ach herrje – war da nicht was mit der „Europäischen Union“?

Warum mal wieder eine Insellösung?

Und noch eine Frage bleibt: ich kann in der app nicht den ganzen Fahrzeugschein aufrufen und vorlegen, wie man es kennt, sondern nur verschiedene Aspekte abfragen, etwa den Halter, die Fahrzeugdaten, die letzte HU, jeweils unter einem Button versteckt. Da müsste ich also mein Handy dem kontrollierenden Polizeibeamten entsperrt und mit entsperrter app in die Hand drücken. Dabei gibt’s auf dem Handy Dinge, die ich nicht so ohne weiteres Fremden offenbaren möchte.

Warum geht so eine Kontrolle nicht per NFC? Oder ich generiere einen QR-Code, der alle nötigen Informationen übermittelt. Nachprüfen, ob die Angaben aktuell sind und gültig, wird der Kontrolleur doch sogleich online. Da könnte man die Daten doch gleich komplett auf sein Terminal schicken?