… dann kann er was erzählen.
Unter diesem Motto veröffentliche ich sporadisch kleine Anekdoten, Erlebnisse früherer Reisen.
Los geht’s mit einem Erlebnis der besonderen Art.
Auf unserer Südstaatenrundreise hatten wir immer wieder in diversen Motels genächtigt. Und waren es leid, bei hellichtem Tag die Vorhänge zuziehen zu müssen, denn draußen vor dem Fenster war der Umgang, der zu den Zimmern führte. Der war reichlich belebt. Und unser Zimmerfenster bot freizügige Einblicke, denn eine Gardine gab’s nicht. Also Vorhänge zu – und bei hellichtem Tag im Finstern stehen oder Licht anmachen.
Auch der Umgangston an der Rezeption war gelegentlich etwas speziell. In einem hieß es etwa beim Auschecken: „Are you Shaffer?“ Freundlich aber bestimmt wies ich darauf hin, dass für ein „Mr.“ doch sicherlich Zeit gewesen wäre…
Da trafen wir irgendwo in Tennessee auf ein Courtyard by Marriott.
Und mir war nach nur einer Nacht klar: das ist es. Für den Rest der Reise (noch 8 Tage) wollte ich genau so wohnen und nicht anders.
Also kurzerhand unsere Reiseplanung bereitgelegt und die Reservierungshotline angerufen. Selbstverständlich war ich auch schon Mitglied im hoteleigenen Bonusprogramm geworden. Das half leider gar nichts, da meine Daten noch nicht im System gespeichert waren (online-Anträge hatte es damals noch nicht und das Papier war noch nicht bearbeitet worden, immerhin erkannte man die mir zugeteilte vorläufige Mitgliedsnummer als gültig).
Es meldet sich eine mit spanischem Akzent parlierende Dame. Was mein Begehr sei?
Ich habe dann – sehr geduldig – für die kommenden Tage konsekutive Reservierungen getätigt.
Das war nicht so trivial, denn immer wenn ich auf die Frage „can I do anything else for you?“ mit Ja geantwortet und eine Folgereservierung begehrte, wurde ich gefragt, ob die vorherige Reservierung denn jetzt weg könne? Das kostet Nerven! Und für jede, aber auch jede Reservierung musste ich wieder alle meine Daten angeben. Gibt’s eigentlich in der Marriott-Reservierung kein Papier und Bleistift? Ich hatte doch angegeben, mehrere Reservierungen tätigen zu wollen! Na ja, es übt ungeheuer, wenn man acht mal „Babbenhausener Str. 66a“ einer Dame mit Englisch als Fremdsprache auf Englisch buchstabieren muss. Im Verlauf wurde mein Vortrag immer flüssiger! Nur unterbrochen, wenn wir zur Eingabe des „ZIP-Code“ kamen. Erfreuter Ausruf: „Oh, you’re from Fort Walton Beach, Florida!“ Nein, bin ich nicht! Bad Oeynhausen wäre die richtige Lösung! „But that’s the zip-code of Ft. Walton Beach!“ Ja, mag sein, aber ich bin aus Germany und da heißt die richtige Lösung „Bad Oeynhausen“. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die US-Amerikaner immer in der gleichen Lautstärke, nämlich zu laut reden und ihre Stimme nie dämpfen oder gar erheben (so wie wir, wenn es situationsangemessen ist)? Hier wurde ich wieder Zeuge dieses Phänomens. Das sei aber nun mal der ZIP-Code von Ft. Walton Beach, Florida, insistierte sie verständnislos. Ich schlug vor, ein“D“ wie Dschörmany voranzustellen. „Oh, I only have five digits“. Aha, nicht möglich, in einem internationalen Hotelbetrieb dieses Problem zu lösen. Nun denn, also stamme ich aus Fort Walton Beach.
Zum Abschluß überraschte sie mich noch mit ungeahntem Scharfblick. Sie fragte doch tatsächlich, als ich mich für die 8 erfolgreichen Reservierungen in Folge und für Geduld und Sonstiges bei Ihr bedankte: „Are you travelling?“ Leider musste ich ihr die fällige ironische Antwort schuldig bleiben, so ergriffen war ich. Und das kommt nicht oft vor!
Beim ersten der reservierten Hotels angekommen, fand man meine Reservierung – nicht.
No, kein „Shaffer“ im System. Sicherheitshalber fragte ich, ob es hier mehrere Courtyard by Marriott gebe. Nein, sie seien das einzige. Ja, dann habe ich genau hier eine Reservierung. Wieder huschten die extrem langen und hübsch bemalten Fingernägel der Empfangsdame über die Tastatur. Also die artistische Kunstfertigkeit, mit solchen Extrem-Schüppen nicht mehrere Tasten gleichzeitig zu treffen, nötigte mir ehrliche Bewunderung ab. Das Ergebnis war das gleiche: kein Shaffer.
Als letzten Versuch krame ich die Reservierungsnummer hervor. Nun aber!
„Ah, Mr. Rainer Rainer from Ft. Walton Beach, Fl.!“
Da mag ich nicht widersprechen, schließlich will ich das Zimmer. Jetzt.
Nach erfolgreicher Registrierung und Schlüsselübergabe habe ich natürlich vom Zimmer aus nochmals die Reservierungshotline angerufen. Ich traf auf einen sehr verständnisvollen nativen Englisch sprechenden Herrn, der sehr bedauerte, was alles schief gegangen war und umgehende Abhilfe versprach. Sicherheitshalber habe ich das aber nur für die nächste Reservierung begehrt, man weiß ja nie.
Am nächsten Tag dann eitel Sonnenschein an der Rezeption des Folgehotels. „Yes, Mr. Shafer, I see your reservation…“ Mitten in mein virtuelles Schulterklopfen hinein (wie habe ich das so geschickt gelöst) ertönt dann aber: „Oh, I see, you’re sharing the room with a Mr. Rainer Rainer from Fort Walton Beach, Florida…“
„Oh, could you please call me, when he arrives?“
Was besseres fiel mir in dem Moment nicht ein.