Wie von Zauberhand

wird unser neuer Kaffeevollautomat frisch gebrühten Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen zubereiten. So hiess es in der Werbung. Lecker, unvergleichlich im Geschmack und was da noch so alles an geheimen Sehnsüchten befriedigt zu werden drohte.

Jetzt, nachdem ich mich damit eine Weile abgegeben habe, bin ich doch etwas ernüchtert.

Zum einen hat diese Maschine die boshafte Angewohnheit, mich mit Aufträgen einzudecken, während ich doch bloss eine einzige Tasse unvergleichlichen Kaffeegenuss zapfen will.

Während die beste aller Ehefrauen nur einmal tippen muss, um ihren Kaffeedurst stillen zu können, führt der durch Tippen geäusserte Wunsch in meinem Fall zunächst mal zu einem höhnischen Aufleuchten der „Wasser ist alle – fülle den Tank nach, sonst gibt’s hier nichts“-Kontrollleuchte. Na gut, ohne Zutaten wird das ja nix mit dem Kaffeegenuss. Also den Wassertank gefüllt. Jetzt fliesst auch für mich der Kaffee. Doch halt! Was für ein seltsames Geräusch ertönt aus dem Mahlwerk? Ja, klar, die Bohnen sind auch alle. Kann man ja mal nachfüllen, sonst…

Gesagt, getan. Im Besitz meiner rettenden Morgentasse will ich mich davonstehlen – aber schon leuchtet wieder eine Kontrollleuchte und schickt mich, den Abfallbehälter zu entleeren. @!$!!! könnte man jetzt im Comic als Wutäusserung des Helden lesen – ich erspare mir die in diesem Moment nicht ganz druckreifen Äusserungen meinerseits. Also gut, noch den Abfall entsorgt und gut ist’s.

Dieses Elend trifft mich gottseidank nicht bei jeder gezapften Tasse Kaffee, aber gefühlt schon bei jeder dritten oder vierten.

Das Elend kulminiert zu einem wirklichen Höhepunkt, wenn die „wöchentliche Reinigung“ der Kaffeemaschine angesagt ist. Es ist nämlich aufgrund eines mir schwer nachzuvollziehenden Ratschlusses der Konstrukteure notwendig, einmal in der Woche die Brühgruppe der Maschine zu entnehmen und unter fliessendem Wasser von Debris zu reinigen.

Diese Brühgruppe ist leicht zu entnehmen und man kann dann die ganze Genialität der Konstrukteure bewundern. Was gibt es da doch für zahlreiche verwinkelte Stege und Lager, die magisch den verbrauchten Kaffee anziehen, statt ihn in den dafür vorgesehenen Behälter purzeln zu lassen! Da ist mannigfache Verrenkung angesagt, um aus den letzten Ecken den Abfall rauszupulen und ein zusätzliches Fingergelenk wäre klar von Vorteil. Aber der Mensch ist ja zu Werkzeuggebrauch berufen und so habe ich mittlerweile ein Sammelsurium von Pinzetten, Pinseln und Wattestäbchen im Schrank, um meiner wöchentlich wiederkehrenden Hygieneaufgabe sachgerecht nachkommen zu können. Irgendwelche glatten, leicht zu reinigenden Flächen sucht man nämlich vergebens, dafür hat wohl der Hirnschmalz der sogenannten Konstrukteure nicht gereicht!

Und wo wir schon die Brühgruppe heraus haben, geniessen wir den Anblick von Debris, der sich in der ganzen Maschine verteilt hat, sich sichtlich wohlfühlend und eine innige Verbindung mit weissem Schimmelbelag eingehend, wenn man einmal bei der „wöchentlichen Reinigung“ irgendwas versehentlich ausgelassen hat.

Und das Elend ist noch steigerungsfähig! Man muss nämlich einmal alle vier oder fünf Wochen geringe Mengen Silikonfett auf gewisse Stellen der Brühgruppe auftragen, damit die Maschine klaglos und geräuscharm (sieht man mal vom Mahlen der Kaffeebohnen ab, das in der gesamten Nachbarschaft zu hören ist) versehen kann. Leider verliert sich die Bedienungs- und Wartungsanleitung hier sehr im Ungewissen, welche Stellen genau gemeint sind. Weder die Zeichnungen, noch die Beschreibung ist hier eindeutig. Aber wozu gibt es das Internet und die grosse Gemeinde der Wartungsanleitunggeschädigten? Dort gibt es zumindest deutliche Abbildungen, wo das Silikonfett nötig ist. Auch hier braucht man dann etwas Werkzeug, da nicht alle gewünschten Stellen händisch zu erreichen sind.

Habe ich schon erwähnt, dass die wöchentliche Reinigung der Brühgruppe unter fliessendem Wasser zu einer anschliessenden gründlichen Reinigung der gesamten Küche führt? Es gelingt nämlich immer wieder unvorhersehbar den Wasserstrahl aus der Brühgruppe heraus in die gesamte nähere Umgebung umzulenken. Aber wo wir schon mal dabei sind, kommt es auf ein bisschen zusätzliches Wischen ja sicher nicht an.

Ich jedenfalls habe mir angesichts dieser unverzichtbaren Haushaltshilfe jetzt zu Weihnachten ein Messingschild frei nach Theodor Fontanes "Brücke am Tay" gravieren lassen, das bei der nächsten „Wöchentlichen“ auf das Gehäuse der Wundermaschine geklebt wird:

Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand!